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»Das Eigene für jedermann«

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»Das Eigene für jedermann«

Werkstücke auf der Lackierstraße digital bedrucken – Bürkle und Durst Phototechnik machen es jetzt möglich. Tischler und Schreiner bleiben von der Individualisierung der Industrieware nicht ganz unberührt. dds im Gespräch mit Tobias Schreck von Bürkle.

Warum engagiert sich Bürkle jetzt im Digitaldruck?

Der Digitaldruck gehört zu den großen Megatrends unserer Zeit. IT und Maschinentechnik sind soweit fortgeschritten, dass sich leistungsfähige Anlagen jetzt verwirklichen lassen. Außerdem – und das ist eigentlich viel wichtiger – haben wir bei Bürkle seit etwa eineinhalb Jahren den Eindruck, dass sich diese Technik am Markt etablieren wird.
Digitaldruck ist für Bürkle ein ganz neues Geschäftsfeld. Wie haben Sie sich da eingefunden?
Da wir mit einer eigenen Entwicklung unserem Anspruch als Technologieführer nicht schnell genug nachkommen konnten, suchten wir einen im Digitaldruck versierten Kooperationspartner, den wir in der Südtiroler Durst Phototechnik AG gefunden haben. Durst steuert den Drucker bei, wir liefern die Lackierstraße sowie das Verfahrens-Know-how und verfügen über die Branchenkenntnisse und -kontakte.
Welche Anwendungsbereiche versprechen denn viel Erfolg?
Aktuell beträgt die maximale Arbeitsbreite 630 mm. Vor diesem Hintergrund sehen wir zurzeit die größten Chancen im Bereich Fußbodenelemente und Möbelindustrie. Leider können wir den Türenherstellern noch keine breiten Single-Pass-Maschine anbieten. Das liegt nicht an der Technologie der Druckmaschine, sondern an der Leistungsgrenze der aktuellen Generation von Computerprozessoren. Solange wir auf die neuen Prozessoren warten, lassen sich breite Elemente lediglich mit Flachbett-Multi-Pass-Maschinen bedrucken. Die durchschnittliche Leistung von 2 bis 3 m/min entspricht jedoch lediglich einem Zehntel unserer Single-Pass-Maschine.
Wo findet die Maschine eher einen Abnehmer, bei Herstellern für das Premiumsegment oder bei Massenproduzenten?
Während der Markteinführung wird die Maschine wohl mehr exklusivere Produkte bedrucken, denn die Herstellungskosten sind höher als bei herkömmlichen Druckverfahren. Dafür lassen sich mit unserem Digitaldrucker Produkte individualisieren. Das hebt ihren Wert gegenüber der Massenware auf jeden Fall an.
Ist denn ein digital bedruckter Laminatfußboden wertvoller als ein konventionell hergestellter?
Ja, weil zum einen die verwendeten UV-Druckfarben sehr leuchtende, farbenfrohe und kontrastreiche Bilder erzeugen und zum anderen sich die Druckmotive nach Kundenwunsch auswählen und digital bearbeiten lassen.
Wird die Maschine neue Designimpulse provozieren?
Das ist kaum zu prognostizieren. Vermutlich können wir zum Einstieg eher mit den bekannten Dekoren und Nachbildungen von Holz oder Stein rechnen. Die Möglichkeit der digitalen Bildbearbeitung wird dann doch ein Spielfeld eröffnen, das bis dato gar nicht zur Verfügung stand. Langfristig wird so doch ein Designwechsel eintreten, weil der Hersteller ohne großen zusätzlichen Aufwand mit Formen und Farben nach den individuellen Kundenwünschen spielen kann. Mit dem leistungsfähigen Digitaldruck wird die Massenware immer mehr ihre Beliebigkeit verlieren: Das Eigene für jedermann!
Wird der Tischler bald nicht mehr wirkliches Furnier verarbeiten, sondern sein Abbild am Bildschirm quasi fügen und zu Abwicklungen zusammensetzen?
Technisch ist dies mit den Bildverarbeitungsprogrammen ohne Weiteres möglich. Der Tischler und Schreiner sollte sich jedoch mit den rechtlichen, ethischen und marktstrategischen Aspekten von Imitationen auseinandersetzen. Bedruckt er beispielsweise Nussbaumholz von minderer Qualität mit dem Bild eines hochwertigen Nussbaums, stellt sich die Frage, ob er das Produkt als »aus echt Nussbaum« bezeichnen darf, ob dieses vielleicht legal, aber dennoch unanständig ist oder ob es sich lediglich um eine zulässige Holzveredelung handelt. Bei aufgeklärten Kunden ist es eventuell besser, ein Imitat als solches zu bezeichnen. Mit unserer Maschine ist alles möglich. Wir können dem Anwender jedoch keine allgemeingültige Empfehlung geben, wie er die Möglichkeiten vermarktet.
Ihre Druckmaschine übersteigt das Investitionsbudget jedes Handwerksbetriebes. Wie können Tischler und Schreiner diese Technik dennoch nutzen?
Auf dem Markt gibt es unter anderem auch bei Durst preiswertere Multi-Pass-Drucker, die sich auch für breitere Werkstücke eignen. Ohne Lackierstraße sind sie ab etwa 150 000 Euro zu haben. Unsere Druckmaschine wird Handwerkern wohl bald über Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus gibt es Grafikbetriebe mit großen Flachbettdruckern. Diese kennen sich jedoch in der Regel nicht mit dem Werkstoff Holz aus.
Das Interview führte dds-Redakteur Georg Molinski

Hintergrund Einzelstücke am laufenden Band
Bürkle bietet jetzt eine Digitaldruckmaschine für flächige Werkstücke an.
Der Oberflächenspezialist Bürkle in Freudenstadt entwickelte in Kooperation mit der Durst Phototechnik AG in Brixen, Südtirol, eine Digitaldruckmaschine für plattenförmige Werkstücke. Die Maschine arbeitet mit dem Ink-Jet-Verfahren und lässt sich in Lackierstraßen mit Walzmaschinen, Trockenkanälen, UV-Anlagen und Handlingsystemen integrieren. So eine Durchlaufanlage kann jedes Werkstück mit einem eigenen individuellen Motiv versehen.
Es lassen sich sowohl furnierte Holzwerkstoffplatten wie auch MDF-, HDF- oder Spanplatten (mit Druckbasis vorbeschichtet) direkt digital bedrucken. Dies erfolgt bei kontinuierlichem Werkstücktransport mit Transportgeschwindigkeiten von bis zu 30 m/min. Für fotorealistische Reproduktionen ermöglicht die innovative Single-Pass-Drucktechnik grafische Auflösungen von bis zu 460 dpi. Zurzeit beträgt die maximal bedruckbare Breite 630 mm. Mit der nächsten Generation von Computerprozessoren wird sich dieses Maß voraussichtlich erhöhen. Mit der neuen Digitaldruckmaschine lässt sich im industriellen Umfeld des Holz-Dekordrucks das Printing on demand realisieren. Dies bringt folgende Vorteile mit sich:
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