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Breitbandschleifmaschine Perfect 2 Kündig

Breitbandschleifmaschine von Kündig in Tischlerei Resch
Keine Zauberkunst

Die Breitbandschleifmaschine gilt als besonders komplex, vor allem, wenn es um den Lackschliff geht. Oft gibt es in den Betrieben nur wenige, die die Maschine einstellen dürfen. In der Tischlerei Resch beherrscht jeder alle Funktionen.

Den Furnierschliff an den mit geräuchertem Platanenholz furnierten Werkstücken hat Konrad Kehr bereits gestern auf der neuen Breitbandschleifmaschine erledigt. Ebenfalls gestern noch haben die Kolleginnen in der Oberflächenabteilung die erste Lackschicht mit klarem PUR-Füller aufgebracht. Jetzt steht der Lackschliff an. Ziel ist es, eine seidenmatte Fläche mit gefüllten Poren zu erzeugen.

Konrad Kehr ist Tischlergeselle in der 1993 gegründeten Tischlerei Andreas Resch im hessischen Babenhausen bei Aschaffenburg. Andreas Resch beschäftigt 19 Mitarbeiter, Tischlergesellen, Meister, sechs Auszubildende und Bürokräfte. Das Lackieren ist Chefsache, seine Frau Sabine kümmert sich darum. Sein Sohn Magnus hat die Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen absolviert und wird nächstes Jahr als Mitgesellschafter in die Geschäftsleitung einsteigen. Die nur 500 m² große Werkstatt erlaubt keinen großen Materialdurchsatz. Also hat sich der Betrieb auf besonders hochwertige Arbeiten vor allem für die wohlhabende Privatkundschaft im Speckgürtel von Frankfurt spezialisiert. Der Bau einer zweiten Halle ist geplant.

Generalisten an der Maschine

Konrad Kehr arbeitet keineswegs bei Resch nur an der Breitbandschleifmaschine, sondern begleitet wie fast alle Kollegen seine Aufträge durch die ganze Werkstatt bis hin zur Montage. Lediglich die Spritzkabine und der zugehörige Handschleifarbeitsplatz sind mit zwei Expertinnen besetzt. Aus diesem Grund gibt es bei Resch in der Belegschaft nicht den Spezialisten für die Breitbandschleifmaschine, die CNC oder den Zuschnitt. Konrad Kehr schaltet die Maschine ein. Am Steuerungsbildschirm wählt er das Programm Lackschliff und es erscheint ein schematischer Schnitt durch die Maschine. Daraus ist zu lesen, dass das erste Aggregat, das Kalibrieraggregat, in diesem Programm gar nicht zum Einsatz kommt und, dass in Station 2, dem Kontaktschleifaggregat mit Gliederdruckbalken, ein Schleifband mit Körnung 240 einzuwechseln ist.

Ohne sich kompliziert in Untermenüs zu begeben, sind alle wichtigen Einstellungen auf einen Blick zu erkennen. Im Programm Lackschliff sind die Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeiten hinterlegt sowie weitere Einstellungen wie Vakuumtisch mit 110 Prozent Leitung und Bandabblasen aktiviert.

Der Tischler wechselt das Schleifband ein und lässt alle vom Programm vorgeschlagenen Einstellungen so stehen. Die Werkstückdicke muss er nicht eingeben. Die ungefähre Durchlaufhöhe reicht, weil die Maschine die Werkstückdicke ebenso wie die Werkstückkonturen automatisch im Durchlauf erfasst. Er schiebt das erste Teil ein und prüft das Schleifergebnis. Die Schleifmaschine hat die Fläche nicht komplett ausgeschliffen. In der Fläche gibt es noch leichte Täler mit Glanzstellen (kleines Bild oben Mitte). Konrad Kehr erhöht am Touchscreen die Schnittgeschwindigkeit um etwa zehn Prozent und lässt das nächste Werkstück durchlaufen. Diesmal ist die komplette Fläche gleichmäßig ausgeschliffen. Der Tischler speichert die aktuelle Maschineneinstellung unter dem Namen »Füller« ab, sodass in Zukunft für diesen Füller sofort das passende Programm zur Verfügung steht. Kündig hat die Maschine bei der Inbetriebnahme mit den wichtigsten Grundprogrammen ausgestattet, die die Belegschaft von Resch nach und nach zu einer kompletten Bibliothek für alle in der Tischlerei immer wieder benutzten Materialien ausbaut. Jetzt lässt der Tischler alle Teile der Kommission durch die Maschine hindurchlaufen.

Stets up to date

Die Oberflächenbearbeitung hat bei Resch eine ganz besondere Bedeutung, sie gilt als Kernkompetenz. Aus diesem Grund hat Andreas Resch bereits Jahre vor der ersten CNC in eine Breitbandschleifmaschine investiert. Letztes Jahr hat er mit der auf der Ligna in Hannover vorgestellten »Perfect 2« von Kündig bereits die vierte Breitbandschleifmaschine und die dritte Kündig-Maschine angeschafft, und zwar wie immer als Leasingmaschine. Etwa alle vier bis fünf Jahre, wenn die Maschine in sein Eigentum übergegangen ist, verkauft er sie über seinen Maschinenhändler und Vertriebspartner von Kündig Rieth in Rodgau und investiert in ein besseres, aktuelles Modell. Die letztes Jahr ausgetauschte Maschine stand nur vier Stunden in der Gebrauchtmaschinenrubrik auf der Website des Händlers, bis sich ein Käufer gefunden hatte.

So einfach wie ein Smartphone

Diesmal stand für Andreas Resch im Pflichtenheft ganz oben, dass die Maschine wie ein Smartphone für jeden seiner Belegschaft leicht und völlig selbsterklärend zu bedienen sein muss. Andreas Resch sagt: »Gerne und erfolgreich verkaufe ich Küchen samt Elektrogeräten, am liebsten die Edelmodelle, etwa von Miele. Sie bieten Hunderte von Programmen, die sich ganz einfach finden und ausführen lassen, ohne eine Bedienungsanleitung studiert zu haben. Das begeistert mich und bringt Erfolg beim Verkauf und zufriedene Kunden. Diese Begeisterung sollte auch die neue Breitbandschleifmaschine in unserer Belegschaft auslösen.« Weiterhin sollte die Maschine nicht nur in der Bedienung, sondern auch Fortschritte in den Bearbeitungsmöglichkeiten mit sich bringen. Die Maschine sollte kalibrieren können und den Kontaktschliff von Massivholz, Furnier, besonders harten Grundierfolien und Lack beherrschen. Dazu mussten alle Aggregate und die Vorschubgeschwindigkeit stufenlos einzustellen sein. Andreas Resch wünschte sich auch eine größere Arbeitsbreite, die mit der Investition von 900 mm auf 1350 mm gewachsen ist. Außerdem wollte der Tischler mit der Maschine nicht nur schleifen, sondern auch strukturieren. Also sollte Kündig die Maschine in der letzten Station mit einer leistungsstarken Bürstwalze ausstatten.

Andreas Resch schätzt an den Kündig-Maschinen besonders die Möglichkeit, die Kontaktschleifaggregate in Vorschubrichtung um 10° schräg zu stellen. So arbeiten die Schleifkörner mit ziehendem Schnitt, was das Schleifergebnis verbessert. Außerdem zeichnen sich beim Schrägschleifen Beschädigungen im Band nicht auf dem Werkstück ab.

Alle kommen ganz intuitiv zurecht

Andreas Resch sagt: »Wir fahren gut damit, alle vier bis fünf Jahre unsere Breitbandmaschine gegen eine neue und bessere auszutauschen. Der Restwert der alten Maschine war bisher immer noch so hoch, dass der Differenzbetrag überschaubar war. So können wir uns am Markt mit unseren stets aktuellen und hervorragenden Oberflächen behaupten. Die neue Maschine hält, was sie verspricht, alle in der Belegschaft kommen auch ohne Handbuch damit gut zurecht.«

Hier geht es Zur Marktünersicht Breitbanschleifmaschinen


dds-Redakteur Georg Molinski erlebte bei seinem Besuch Andreas und Magnus Resch als starkes Team. Magnus befasste sich mit Imos und der Digitalisierung, Andreas hatte soeben einen 180 Seiten dicken Firmenkatalog erstellt.


Steckbrief

Anwender: Tischlermeister Andreas Resch
64832 Babenhausen
www.reschinnenausbau.de

Breitbandschleifmaschine:
Kündig GmbH,99867 Gotha
Tel.: (03621) 8786-0, Fax: -17
www.kundig.de

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