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»Wir wollen wachsen«

Bauelemente
»Wir wollen wachsen«

Jörg Holzgrefe ist seit April letzten Jahres Geschäftsführer bei Weru. Er krempelt Deutschlands führenden Fensterbauer gehörig um. Wie er dabei vorankommt und woran im Unternehmen mit Hochdruck gearbeitet wird, verrät er im dds-Interview.

Das Interview führte dds-Chefredakteur Hans Graffé

Herr Holzgrefe, nicht zuletzt durch die Unilux-Übernahme 2014 ist bei Weru vieles in Bewegung geraten. »Das war auch nötig«, hört man von dem ein oder anderen Kunden. Wo steht das Unternehmen zur Zeit?
Nun, wir sind mitten in einem Optimierungsprozess. In der jüngsten Vergangenheit lief in der Gruppe nicht alles rund, das ist uns bewusst. Wir haben mit unserer Strategie »Weru 2020« jedoch einen klaren Fahrplan entwickelt, wo es mit dem Unternehmen hingehen soll und setzen die dort definierten Maßnahmen jetzt Schritt für Schritt um.
Was sind die wesentlichen Bausteine des Strategiepapiers?
Insgesamt haben wir 49 Projekte definiert, die bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden sollen. Die Bandbreite reicht von Maßnahmen im Vertrieb über neue Produkte bis hin zu Investitionen in die Standorte. In der Summe werden wir in diesem Zeitraum fast 40 Mio. Euro investieren.
Geben Sie uns ein paar Beispiele für Projekte, die Sie konkret angehen.
Ein Projekt auf Produktebene war z. B. die Einführung des neuen Haustürmodells »Tersa«. Mit diesem Produkt sind wir mittlerweile erfolgreich auf dem Markt. Was die Standorte angeht, ist ein wesentliches Projekt z. B. die Installation einer modernen Pulverbeschichtung in Rudersberg. Diese Anlage läuft bereits im Probebetrieb. Hier am Stammsitz haben wir zudem ein Bearbeitungszentrum für die Alu-Haustürenfertigung in Auftrag gegeben. In Triptis investieren wir eine neue Isolierglasfertigung, die über den kommenden Jahreswechsel installiert wird. Ein Drittel der Projekte haben wir mit »Prio 1« definiert, ein wesentlicher Teil davon wird bis 2018 abgewickelt sein. Sechs Projekte sind bereits vollständig erledigt.
Sie sind ja erst im April letzten Jahres als Geschäftsführer eingestiegen. Der Druck, die Probleme anzupacken, war offensichtlich groß …
In den ersten sechs Wochen habe ich über 200 Händler besucht. Das führte zu
vielen interessanten Erkenntnissen – positiven wie negativen. Daraus resultierte eine Prioritätenliste, vor allem im Vertrieb. Der Vertrieb ist für mich die Speerspitze des Unternehmens – danach hat sich alles auszurichten. Anhand der Prioritätenliste haben wir gemeinsam mit der neu strukturierten Führungsmannschaft die Projekte definiert, bis auf die erforderlichen Manntage herunter geplant und mit einem Investitionsbedarf versehen. Das gesamte Paket ist mit den Gesellschaftern abgestimmt und freigegeben.
Wie schätzen Sie derzeit die Stimmung unter Ihren Kunden ein?
Ich bin sicher, dass wir durch die Aktivitäten der letzten Monate bereits einiges an Vertrauen zurückgewinnen konnten. Für Unilux war es wichtig und richtig, dass wir das Kunststofffenster-Programm ausgebaut haben. Hier wachsen wir momentan im zweistelligen Bereich. Wir gewinnen Neukunden und schaffen es auch, abgewanderte Händler zurückzuholen. Das Holzalu-Geschäft läuft sehr gut, vor allem im Export, der mit 40 Prozent bei Unilux eine große Rolle spielt. Auch bei Weru verzeichnen wir Zuwächse.
Hat jeder Unilux-Kunde Zugriff auf Weru-Produkte und umgekehrt?
Grundsätzlich ja. Jeder Händler kann sich aus der Produktpalette der Gruppe das heraussuchen, was am besten zu ihm passt. Mit den Kömmerling-Systemen bei Unilux und den Rehau-Systemen bei Weru haben wir eine Angebotsbreite, die kein Wettbewerber bieten kann.
Apropos: Wie stellt sich für die Weru-Gruppe der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland dar?
Deutschland ist der interessanteste Fenstermarkt in Europa, dadurch drängen natürlich viele Anbieter ins Land, besonders aus Polen. Das ist aufgrund der ungleichen Wettbewerbsbedingungen ein Problem für alle Hersteller hierzulande. Besonders beim Kunststofffenster ist der Preisdruck schon erheblich. Es gibt aber nach wie vor Differenzierungsmerkmale, mit denen man Kunden überzeugen kann. Wir sind gefordert, Ideen und Strategien zu entwickeln, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Sie haben im Frühjahr Partner-Events in Rudersberg und Salmtal veranstaltet, die die Messebeteiligung in Nürnberg ersetzten. Bleibt es bei diesem Konzept?
Stand heute, ja. Auf diesem Weg erreichen wir unsere Kunden besser und kommen in einen intensiveren Austausch.
Wo sehen Sie die Weru-Gruppe im Jahr 2020?
Wir gehen auch weiterhin von einer Konzentration des Marktes aus und richten das Unternehmen danach aus. Das heißt: Wir verfolgen eine klare Wachstumsstrategie. Wachsen wollen wir mit unseren bestehenden Kunden, aber auch durch das Gewinnen neuer Handelspartner. Und natürlich prüfen wir immer auch die Möglichkeit, uns durch weitere Firmenübernahmen zu verstärken. Das muss aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass wir irgendwann der größte Fensterbauer in Europa sind – der effizienteste wollen wir allerdings schon sein!

Weru und Unilux: Zwei Marken unter dem Dach der Weru-Group
Die Weru-Group ist einer der führenden Hersteller von Fenstern und Haustüren in Europa. Seit 2014 befindet sich die Gruppe mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors H.I.G. Europe mit deutschem Sitz in Hamburg. Die Gruppe verfügt über drei Produktionsstandorte. In Rudersberg in der Nähe von Stuttgart werden Haustüren aus Kunststoff und Aluminium sowie Hebeschiebetüren produziert. In Triptis in Thüringen produziert Weru Kunststofffenster aus Profilen des Systemgebers Rehau. Im Salmtal nahe Trier schließlich werden Holz- und Holzalufenster sowie das Fassadensystem »Fineline« der Marke Unilux produziert; außerdem Unilux-Kunststofffenster (Profilsystem: Profine/Kömmerling).
Die Weru-Group besteht aus der Weru GmbH mit Stammsitz in Rudersberg und der Unilux GmbH mit Stammsitz in Salmtal. Weiterhin die Porsche GmbH im bayerischen Waltenhofen sowie seit Anfang 2015 die Schneeberger Bauelemente Potthoff GmbH mit Sitz im sächsischen Crimmitschau. Beide Unternehmen sind auf die Abwicklung von Großprojekten spezialisiert. Weru produziert jährlich etwa 460 000 Fenster und16 000 Haustüren, Unilux rund 110 000 Fenster und zusätzlich etwa 3500 Haustüren. In der Gruppe sind insgesamt rund 1350 Mitarbeiter beschäftigt.
Infos: Weru-Group, 73635 Rudersberg, www.weru.de
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