Wie Funktionstüren einstellen?

Die Brandschutztür ist eingebaut, der Drücker sitzt und auch der Obentürschließer ist montiert. Nun geht es an die Feinjustierung des Türelements. Rainer Hofer, Schulungsleiter bei Marktführer Jeld-Wen, erklärt, wie schnell eine Feuer- oder Rauchtür schließen muss.

Türschliesser besitzen verschiedene Einstellmöglichkeiten. Neben der Schließkraft, dem Endschlag und verschiedenen Komfortfunktionen (wie die Schließverzögerung) kann auch die Schließgeschwindigkeit verändert werden.

Bei Brandschutztüren, oft auch als Feuerschutztüren bezeichnet (fachlich korrekt ist das ein »Feuerschutzabschluss«, ein System, das aus Türblatt, Zarge, Beschlägen und Schließmittel besteht), haben Türschließer eine besondere Bedeutung, ob mit oder ohne Rauchschutzfunktion. Grundsätzlich gilt analog DIN: »Der Türschließer muss, wenn er nach der Montageanleitung des Herstellers montiert ist, die Tür aus jedem Winkel, bis zu dem sie geöffnet werden kann, schließen.« (DIN EN 1154 Anhang A, A.1)

Bei meinen Seminaren und Montageschulungen wird mir häufig die folgende Frage gestellt: »Welche Schließzeit stelle ich über den Türschließer ein?«

Welche Schließzeit gilt?

Zunächst wird für einheitliche Prüfverfahren im Labor die Schließzeit mit 5 Sekunden (±2 s) von 90° Öffnung definiert (DIN EN 1154 – 7.3.2 und DIN EN 1191 – H.3.5). Aber aus Sicherheits- und Komfortgründen ist es manchmal vorteilhaft, wenn solche Funktionstüren langsam schließen, bzw. der Schließvorgang verzögert wird.

Hier wird in der Norm (DIN 1154 Anhang A, A.5) darauf verwiesen, dass jede eingebaute Schließverzögerung auf weniger als 25 Sekunden zwischen dem Türschließwinkel von 120° und dem Ende des Verzögerungsbereiches (bis max. 65°) einstellbar sein muss. Daraus lässt sich ableiten: Schließzeit 5 s plus mögliche Schließverzögerung 25 s ergibt eine maximale Zeit des Schließvorgangs von 30 Sekunden

Beim »barrierefreien Bauen« ist darauf zu achten, dass u. a. Türen leicht und sicher passierbar sind. Hier beschreibt die DIN SPEC 1104 »Türbeschläge zur Nutzung durch Kinder, ältere und behinderte Personen« die Notwendigkeit eines kontrollierten Schließvorganges, mit dem Hinweis, dass Feuerschutztüren innerhalb von 30 Sekunden schließen müssen.

Sind 30 Sekunden nicht zu lang?

Feuerschutzabschlüsse müssen selbstständig schließen. Es soll jedoch ein gewisser Begehkomfort (mit Koffer, Einkäufe) und vor allem im Sinne der Barrierefreiheit (Kinder, ältere Menschen, Personen mit Handicap) ein sicheres Passieren der Tür möglich sein. Somit hat man in der DIN SPEC 1104 eine maximale Schließzeit von 30 Sekunden definiert. Innerhalb dieser Zeit kann man die Tür sicher passieren (im Alltag) – und falls es zu einem Brand kommt, melden Rauchwarnmelder die Brandentstehung und das Element hat genügend Zeit zum Schließen (im Ernstfall), denn ein Feuer entsteht selten explosionsartig schnell.

Fazit: Feuer- und Rauchschutztüren sollen im Ernstfall Leben retten und Schäden verhindern. Dies ist nur möglich, wenn diese Elemente geschlossen sind, bzw. kontrolliert schließen – und dies innerhalb von 30 Sekunden.


Rainer Hofer ist der neue Schulungsleiter von Jeld-Wen Deutschland. Er führt Montage- und Praxisschulungen im Bereich Türen und Zargen durch und hilft Handwerkern in allen Bereichen von Sonder- und Funktionstüren weiter.

Foto: Jeld-Wen


SERIE

Der Praxistipp

Dieser Montage- und Praxistipp ist Teil der dds-Serie mit Schulungsprofi Rainer Hofer rund um die Themen Innentür, Türzarge, Montage.

www.jeld-wen.de