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www.marunaka.eu Internetseite des europäischen Marunaka-Importeurs Kurt Kneubühler www.marunaka.eu Vertrieb von neuen und gebrauchten Finiermaschinen in Deutschland www.marunaka.eu Internetseite des Herstellers, mit englischer Übersetzung


Fein finiert
Finiermaschinen liefern glänzende Oberflächenergebnisse und machen den Zwischenschliff überflüssig. Trotzdem sind die Putzhobelmaschinen eher ein Nischenprodukt denn Standard. Christian Härtel hat sich auf die Suche nach Gründen gemacht.
Christian Härtel
Wenn der Schreiner und Werkzeughändler Kurt Kneubühler aus Faido in der Schweiz seine Super Meca startet, bildet sich schnell eine Menschentraube an seinem Messestand. Ungewohnt leise trägt die Maschine hauchdünne Holzschichten ab. Kein Lärm, kein Staub, dafür um so mehr staunende Gesichter ringsum. Finiermaschinen faszinieren, weil sie völlig anders funktionieren als das übliche in der Holzbearbeitung zur Anwendung kommende Prinzip der schnell drehenden, zerspanenden Messerwelle.
Ursprungsland Japan
Das Konzept des »elektrifizierten Putzhobels« stammt aus Japan. Der Hersteller Marunaka, der sich seit Jahrzehnten mit den Finiermaschinen beschäftigt, hat es nach Europa gebracht. In Japan gibt es noch mindestens vier weitere Produzenten, sich mit der Finiertechnik beschäftigen. Manche der Namen, wie Makita oder Hitachi, sind bekannt. Andere, wie Shinx oder Amitec (früher Takekawa) sind es weniger, wenngleich gerade dieses Unternehmen sich schon seit 1949 mit der Putzhobeltechnik beschäftigt, weiß Yasuko Tamaru von Takumi in Berlin, einem Spezialisten für japanisches Wohnen. Natürlich fertigt Takumi die Rahmen für die papierbespannten Schiebetüren und Trennwände mit Hilfe einer Putzhobelmaschine.
Auch in Deutschland gab es schon einmal einen Maschinenbaubetrieb der Finiertechnik herstellte. Mapo in Sachsen, gegründet nach der Wende, baute in Lizenz typengleiche Maschinen wie Marunaka. Mapo verschwand aber wieder von der Bildfläche und Marunaka dominiert den deutschen Markt, auf dem gut 1000 Finiermaschinen in Betrieben ihren Dienst verrichten sollen.
Denken in Hundertstel
Das Grundprinzip von Finiermaschinen ist einfach. Ein griffiges Vorschubband führt das Holz gegen ein feststehendes Messer, das im Winkel zwischen 0° und 60° verstellbar, in einem Drehtisch gelagert, zwischen Aufnahme- und Abnahmetisch sitzt. Der Spanbrecher ist in das Messer integriert und damit für die hauchdünne Spanabnahme exakt justiert.
Marunaka gibt die maximale Spandicke mit 0,1 mm an. In der Praxis liegt die Materialabnahme üblicherweise jedoch lediglich bei zwei- bis drei Hundertstel Millimeter, seltener vier bis fünf Hundertstel, erklärt Kurt Kneubühler, der die Marunaka-Maschinen nach Europa importiert. Damit funktionieren auch furnierte Werkstücke in einer Putzhobelmaschine. Je härter das Holz, desto ziehender muss der Schnitt erfolgen. »Bei weichen Hölzern kann das Messer im Grunde auf 0° eingestellt sein«, sagt Kneubühler, und damit rechtwinklig zur Wuchsrichtung des Holzes. Auch bei den Finiermaschinen haben Wechselmesser mit einer zwei- bis dreifach längeren Standzeit die nachschärfbaren Messer heute überwiegend abgelöst. Der Vorteil: Bei Wechselmessern kann die Faserrichtung beim Zuführen der Werkstücke vernachlässigt werden. Ob mit oder gegen die Faserrichtung des Holzes gehobelt wird, das Ergebnis ist eine äußerst glatte Oberfläche.
Einsatz im Fensterbau
Das bestätigt auch Werner Pfefferle vom Fensterbaubetrieb Jürgen Nestle in Waldachtal. Das Unternehmen setzt bei der Produktion von Holzfenstern seit über zehn Jahren auf die Finiertechnik. Nestle kann deshalb auf das Schleifen der Fensterkanteln gänzlich verzichten. Denn anders als beim Schleifen werden die Fasern beim Finieren nicht gedrückt sondern abgeschnitten. Dadurch können sie sich nach dem Aufbringen der Grundierung auch nicht aufstellen. Durch das Finieren spart das Unternehmen Zeit, die Kosten für eine Schleifmaschine und beim Lackieren den manuellen den Zwischenschliff.
900 Fensterbaubetriebe sollen laut Werner Kaysser, der Marunaka-Maschinen in Deutschland vertreibt, die Vorteile der Technik nutzen. Manchmal auch mit zwei hintereinander gekoppelten Anlagen mit einem oben- und einem untenliegenden Messer. So kann in einem Durchlauf von zwei Seiten ein Span abgenommen werden. Auch bei Nestle verfährt man so. »Mit dem Finieren können wir die doppelte Vorschubgeschwindigkeit gegenüber dem Schleifen fahren«, erklärt Werner Pfefferle. Für ihn ist eine Rückkehr zum Schleifen keine Option. Sollte eine Ersatzinvestition nötig werden, werde man sicher bei der Finiertechnik bleiben.
Die neue Generation der Marunaka- Putzhobelmaschinen mit dem Modell »Super Meca« ist mit einem Selbstrücklauf ausgestattet. Nach der Spanabnahme wechselt das Vorschubband die Richtung und führt das Werkstück zurück zum Maschinenbediener. Die Super Meca arbeitet mit 54 m/min Vorschubgeschwindigkeit. Das obenliegende Vorschubaggregat ertastet bei der ersten Werkstückzuführung die Positionierung über die automatische Dickeneinstellung. Muss der Andruck verändert werden, etwa weil ein breites Holz einen höheren Druck benötigt, kann über eine Feinjustierung in drei Stufen nachgestellt werden. Neben der Anwahl über das digitale Bedienerfeld kann das Modell auch mit Hilfe von Fußpedalen im laufenden Betrieb gesteuert werden.
Grenzen der Anwendung
»Betriebe, die alle möglichen Arbeiten ausführen, können meist nicht auf eine Schleifmaschine im Betrieb verzichten. Zu vielseitig sind die Anforderungen in der Produktion«, weiß Kurt Kneubühler. Etwa wenn große Flächen aus Massivholz, wie z. B. Tischplatten, gefertigt werden. Es ist zwar möglich, eine solche Platte von zwei Seiten in die Finiermaschine zu führen, übersteigt die Breite jedoch die zweifache Messerlänge, wird es schwierig. Bei der Super Meca ist das Messer 330 mm lang (entspricht der Hobelbreite bei 0°). Muss mit einem ziehenden Schnitt gearbeitet werden, verringert sich die Bearbeitungsbreite entsprechend.
Bei 45° Messereinstellung beträgt die Arbeitsbreite noch 250 mm, womit die Werkstückbreite auf 500 mm beschränkt wäre. Damit es keinen Versatz geben kann, empfiehlt es sich, das Ende des Messers leicht rund zu schleifen. Auch sollte man darauf achten, dass Leimfugen nicht vollständig ausgehärtet sind, denn sonst besteht die Gefahr, dass es zu Ausrissen an der Leimfuge kommt. Pfefferle hat indes gute Erfahrungen mit dem Hobeln über Leimfugen, da Klebstoffe erst nach Wochen ihre Endaushärtung erreichen und erst dann spröde werden. In der Fensterproduktion ist dies kein Problem. Es gibt auch Modelle mit größeren Arbeitsbreiten wie die Marunaka-»CV-62A« mit 880 mm Messerlänge. Selbst bei 45°-Stellung des Messers können hiermit noch 620 mm breite Werkstücke finiert werden.
Grundsätzlich eignet sich die Finiertechnik für alle Hölzer. Auch Äste und Riegel werden glattgeschnitten. Kneubühler berichtet von schneller stumpfwerdenden Werkzeugen bei Rüster und gelegentlichen Schwierigkeiten bei dem Holz der Eibe. Fensterhölzer wie Kiefer, Fichte, Lärche und Eiche werden sauber finiert, sagt Pfefferle.
Holzimporteur Kay Pannier aus Trier hat seit wenigen Wochen eine Marunaka- Finiermaschine im Einsatz. »Außer bei dem oft wechseldrehwüchsigen Cumaru, wo es manchmal zu rauen Stellen kommt, funktioniert das Putzhobeln bei allen Hölzern tadellos«, so Pannier. Das Unternehmen hat vor allem Terrassendielen aus tropischen Harthölzern wie Ipe, Jatoba, Curupay, Garapa, Itauba oder Massaranduba im Programm.
Auch für kurze Teile
Zwar arbeiten Finiermaschinen exakt, zum Nachfügen von ausgehobelten Schmalkanten für eine Breitenverleimung eignet sich die Technik jedoch nicht, sagt Kneubühler. Denn bei mehrmaligem Durchlass neigt die Schmalkante dazu, in Längsrichtung leicht rund zu werden. Liegt die Brettdicke unter 30 mm, braucht es zudem eine Hilfskonstruktion, damit das Werkstück in der Maschine nicht kippen kann. Je nach Modell liegt die maximale Werkstückhöhe meist bei 180 oder aufrüstbar für den Einsatz in Zimmereien bei 300 mm. Auch das Hobeln leicht schräger Kanten ist mit Hilfe eines einfachen Führungsanschlages möglich. Die Mindestlänge der Werkstücke beträgt nur zehn Zentimeter und die Mindestdicke zwei Millimeter, so Kneubühler.
Anderes Arbeiten
Auch wenn die Funktionsweise einer Finiermaschine recht einfach ist, braucht der Anwender doch etwas Erfahrung und Übung. Kurt Kneubühler: »Man muss sich einfinden in die Arbeitsweise«. Gewöhnen muss man sich auch an die leisen Töne in der Werkstatt. Keine drehende Welle, kein Staub – und damit ist auch weder Absaugung noch Druckluft erforderlich. Der Anpressdruck des Vorschubbandes ist elektronisch geregelt. Trotzdem haben die zwei Motoren zusammen lediglich eine Leistung von 2,3 kW (Super Meca) und damit einen Energieverbrauch, der etwa bei einem Zehntel einer Flächenschleifmaschine liegt (ohne Absaugung und Druckluft).
So viele Vorteile haben auch ihren Preis. Für die jüngste Marunaka Super Meca liegt dieser bei knapp 20 000 Euro. Ein Wechselmesser schlägt etwa mit 45 Euro zu Buche, »damit haben wir aber auch schon 200 m2 astige, sibirische Lärche finiert, ohne das Messer auswechseln zu müssen«, so Kneubühler »und es ist ja nicht so, dass Schleifbänder nichts kosten würden«.
»Zwei Hundertstel Millimeter Spanabnahme: damit lassen sich sogar furnierte Flächen bearbeiten.«
Kurt Kneubühler
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