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Schwellenhöhe bei barrierefreien Türen

Schwellenhöhe bei Türen und Fenstertüren
Barrierefreie Türschwellen richtig ausgeführt

Barrierefreie Schwellen von Türen und Fenstertüren sind eine Herausforderung für Planer und Handwerker. Der Sachverständige Guido Strasser beschreibt, worauf es ankommt.

Bei öffentlichen Bauten und zunehmend auch im privaten Bereich werden barrierefreie Schwellen gefordert. Die Hersteller von Fenster- und Türensystemen bieten entsprechende Lösungen an. Seitens der Planer und der ausführenden Firmen besteht jedoch eine große Verunsicherung, wie solche Schwellen zu realisieren sind, damit es nicht zu Reklamationen kommt.

Wie hoch muss die Schwelle sein?

Bei Haustüren ist die Sachlage klar: Schwellen dürfen, sofern nichts anderes vereinbart wurde, maximal 25 mm über dem angrenzenden Niveau liegen.

Im Bereich von Fenstertüren werden die Schwellenhöhen nicht konkret vorgegeben. In Regelwerken geht es häufig lediglich um die Abdichtungshöhe und um zusätzliche Maßnahmen, die die Funktionstüchtigkeit und Dichtheit gewährleisten sollen. Aus Sicht des Sachverständigen sind jedoch weitere Kriterien zu beachten. Denn was nützt eine schlagregendichte Schwelle, die von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung kaum zu überwinden ist? Schwellenhöhen über 25 mm sollten auch im Bereich von Balkontüren etc. der Vergangenheit angehören. Moderne thermisch getrennte Schwellenprofile ermöglichen für sämtliche Werkstoffe (Holz, PVC-U, Alu) komfortable Lösungen.

Die Schwellenhöhe sollte grundsätzlich zwischen Bauherrrn und ausführender Firma schriftlich vereinbart werden. Dabei sind die sich ergebenden Anforderungen hinsichtlich der vorgesehenen Nutzung zu berücksichtigen.

Was »barrierefrei« bedeutet

Galten früher Schwellenhöhen bis 20 mm noch als barrierefrei, so ist spätestens seit Einführung der DIN 18040 Teil 1 und Teil 2 in die Musterliste der technischen Baubestimmungen im Jahre 2014 unter »barrierefrei« eine Schwellenhöhe von 0 mm zu verstehen. DIN 18040-2 gibt dabei vor: »Untere Türanschläge und Schwellen sind nicht zulässig. Sind sie technisch unabdingbar, dürfen sie nicht höher als 2 cm sein.« Zwischenzeitlich sind technische Lösungen verfügbar und deshalb in der Regel auszuführen.

Beim Bauen im Bestand können barrierefreie Schwellen zu einem erheblichen Aufwand führen. Dennoch lassen sich bei entsprechender Planung meistens gute Lösungen finden. Die Abdichtungshöhe ist dabei kein ausreichendes Kriterium für eine schlagregendichte Schwellenausbildung. Diese ist immer im Hinblick auf die vorgesehene Nutzung auszuwählen (Bild 2).

So wird die Tür schlagregendicht

Gemäß DIN 18355 (Tischlerarbeiten, VOB-Teil-C) sind Außenbauteile dauerhaft schlagregendicht einzubauen. Dies bedeutet, dass die fertige Schwellen-/ Türkonstruktion inkl. Abdichtung etc. schlagregendicht sein muss. Hierfür steht die ausführende Fensterbaufirma in der Pflicht. Die Abstimmung der Gewerke ist deshalb zwingend erforderlich.

Niederschlagswasser darf sich keinesfalls vor der Türschwelle aufstauen. Die üblicherweise zum Einsatz kommenden Schwellenkonstruktionen sind nicht dafür ausgelegt. Deshalb ist in der Regel, bei unterschreiten einer Abdichtungshöhe von 15 cm über wasserführender Schicht, eine Entwässerungsrinne erforderlich. Die Berechnung der Entwässerung ergibt häufig relativ kleine und damit günstige Rinnenquerschnitte. Auf Bild 3 wurde mit einer entsprechenden Software die Abflussmenge beispielhaft berechnet. Demnach ergibt sich ein Regenabfluss von 0,5 l/s für eine fünfminütige Regenspende, die alle 100 Jahre einmal auftritt. Aufgrund der geringen Abflussmengen lassen sich relativ kleine Rinnen in die Türschwellenkonstruktion integrieren. Entsprechende Ansätze sind bereits bei neueren Systemschwellen zu finden.

Zusammenfassend ist für die schlagregendichte Ausführung also Folgendes zu beachten:

1. Schlagregendichte Türkonstruktion. Die zu stellenden Anforderungen an die Türkonstruktion sind nach DIN 18055 zu ermitteln. Es sollten nur entsprechend geprüfte und klassifizierte Fenster- und Türensysteme zum Einsatz kommen. Kritisch sind Stulpkonstruktionen bei höheren Anforderungen. Auch die Anbindung der aufrechten Rahmenteile an die Schwelle ist häufig schadensanfällig.

2 Durchgehend schlagregendichte Abdichtung. Die äußere Abdichtung ist durchgehend schlagregendicht auszubilden. Die Übergänge von aufrechter äußerer Abdichtung zur Abdichtung im Schwellenbereich sind besonders sorgfältig auszuführen. Empfehlung: Im jeweiligen Abdichtungssystem bleiben!

3 Entwässerungsrinne mit Ablauf Die Entwässerungsrinne ist möglichst nahe an der Tür anzuordnen. Des Weiteren ist die Entwässerung fachgerecht zu dimensionieren. Die Ableitung des Niederschlagswassers ist zu planen und umzusetzen. Gegebenenfalls ist eine Rinnenheizung gegen Schnee- und Eisansammlungen vorzusehen.

Zusätzlich ist zu beachten:

 Ein baulicher Schutz in Form eines Vordaches etc. kann die Situation günstig beeinflussen, wobei Vorsprünge regelmäßig erst bei einer Ausladung von ca. 1,3 m einen gewissen Schutz bieten.

 Die Orientierung der Tür hat Einfluss auf die Beanspruchung der Schwelle und damit auf deren Schadensanfälligkeit.

Neben der Schlagregendichtheit bestehen weitere Anforderungen an Fenstertür- und Türschwellen wie z. B. Luftdichtheit und Mindestwärmeschutz. Hier sei auf den »Leitfaden zur Montage« des IFT Rosenheim verwiesen, der diesbezüglich als anerkannte Regel der Technik zu sehen ist.

Typische Mängel an Türschwellen

Häufige Beanstandungen bei Türschwellen sind Undichtheiten in Form von Niederschlagswasser, das zur Raumseite gelangt. Nicht selten ist der Stulpbereich nicht ausreichend dicht oder die äußere Abdichtung wurde nicht fachgerecht ausgeführt. Bisweilen fehlt die Entwässerungsrinne oder die bauseitige Abdichtung ist nicht vorhanden.

Des Öfteren kommt es nach dem Einbau von Fenstertüren und Türen sowohl im Neubau als auch im Bestand zu Beanstandungen aufgrund von Zugerscheinungen. Zugerscheinungen lassen sich mittels Blower-Door-Messungen einfach nachweisen. Sind die Luftströmungen im Anschlussbereich größer als 0,2 m/s können diese deutlich wahrgenommen werden und beeinträchtigen deshalb die Behaglichkeit der Bewohner.

Vorbereitung des Bauanschlusses

Insbesondere beim Bauen im Bestand sind häufig erst die Voraussetzungen für eine fachgerechte Türschwelle zu schaffen. Dabei kann es erforderlich werden, den Balkonbelag nebst Gefälle-Estrich zu entfernen, um die Abdichtung fachgerecht ausführen zu können. Flächendrainagen können mit geringer Gesamthöhe realisiert werden oder es wird die Abdichtung direkt unter den äußeren Belag geführt, falls die Gesamthöhe des äußeren Aufbaus zu gering ist.

Bild 4 zeigt eine typische Ausgangssituation bei der Erneuerung von bodentiefen Fensterelementen im Bestand. Hier wird es erforderlich sein, die bestehende u-förmige Öffnung entsprechend der vorgesehenen Abdichtungen vorzubereiten. Sofern eine Entwässerung eingebaut werden muss, ist der u-förmige Bereich fachgerecht wannenförmig herzustellen und anschließend abzudichten. Zudem ist der Abfluss nach außen zu realisieren.

Das Hinterfahren der Türschwelle mit der Abdichtung hat sich dabei bewährt. Insbesondere bei bodentiefen Fenstertüren hat das Hinterfahren der Abdichtung den Vorteil, dass damit auch die raumseitige Abdichtung realisiert werden kann (Bild 5).

Werden bodentiefe Fenstertüren bzw. Fensterelemente erneuert, wird der Einbau einer wannenförmigen Abdichtung vor dem Einstellen des Fensterelementes häufig unumgänglich, da eine dauerhaft luftdichte Anschlussausbildung anders kaum realisiert werden kann. Das Abdichten zum schwimmend verlegten Estrich ist jedenfalls keine dauerhafte Lösung. Zumal die Eckbereiche dadurch nicht dauerhaft luftdicht ausgebildet werden können.

Auch, wenn bei der Sanierung die raumseitigen Fensterbänke erhalten bleiben sollen, ist das Hinterfahren des Fensters mit der Abdichtung zweckmäßig, um einen dauerhaft luftdichten Anschluss gewährleisten zu können.

Der Schwellenbereich sollte zudem mit feuchteunempfindlichen Materialien trittfest unterfüttert werden. Können im Neubau beim Einsatz einer hinterfahrenden Abdichtung Befestigungswinkel gesetzt werden, ist dies im Altbau ohne Beschädigung der unteren Abdichtung nicht ohne Weiteres möglich. Die unteren Rahmenteile können aber freitragend dimensioniert werden oder die Befestigung ist nach außen zu führen und entsprechend abzudichten.

Vorschlag zur Schwellenausbildung

Im Folgenden wird die Ausführung einer barrierefreien Türschwelle beschrieben, die sowohl für den Neubau als auch im Bestand möglich ist, ohne Vordach und bei jeder Orientierung, funktionieren sollte. Bild 6 gibt beispielhaft eine dreidimensionale Darstellung der Ecksituation wieder. Die im unteren Bereich durchgehende Abdichtung kann im Neubau an einem in der Länge durchgehenden Stahlwinkel hoch geführt werden und ermöglicht dadurch eine Trennung der Gewerke Fußboden/Fenster. Des Weiteren kann an dem Stahlwinkel die Befestigung erfolgen, ohne dass die Abdichtung im waagrechten, unteren Bereich beschädigt wird (Bild 7). Die raumseitige Abdichtung kann im Altbau am bestehenden Fußbodenaufbau hoch geführt werden. Sie sorgt für die Luftdichtheit und kann auch seitlich als zusätzlicher Schutz für die Außenwände dienen. Die Abdichtung ist auch im unteren Bereich, z.B. zur Bodenplatte, vollflächig einzukleben bzw. luftdicht auszubilden. Im äußeren Bereich ist sie an die Gebäudeabdichtung anzuschließen. Im vorliegenden Fall wird Fenstertür wird durch eine fachgerecht ausgebildete Dichtstofffuge an die Abdichtung angeschlossen (Bild 6).

Im Bereich der Schwelle sind feuchteunempfindliche Materialien zu verwenden, um Fäulnisschäden zu vermeiden. Die Entwässerungsrinne ist möglichst nahe an die Tür zu führen. Als Abdeckung haben sich Gitterroste bewährt, da dann die Spritzwasserbelastung der Türkonstruktion geringer ist. Die Entwässerungsrinne ist fachgerecht zu dimensionieren und mit einem Ablauf auszuführen. Sofern sich Schnee ansammeln kann, sollte eine Rinnenheizung eingebaut werden. Die Fenstertür ist ausreichend schlagregendicht zu dimensionieren. Hierzu folgendes Beispiel: Einbauort München, 4. OG bzw. 15 m über Gelände, im Randbereich des Gebäudes. Bild 8 zeigt eine Software-Berechnung der erforderlichen Klassifizierungen nach DIN 18055. Demnach ist die Klassifizierung 5A hinsichtlich der Schlagregendichtheit der Fenstertür einzuhalten und nachzuweisen.

Die äußere Abdichtung ist die schlagregendichte Ebene. Sie ist dauerhaft dicht an die aufrechte äußere Abdichtung zwischen Blendrahmen und Außenwand anzuschließen. Die Übergänge sind schadensanfällig und deshalb sehr sorgfältig auszuführen.

Raum- und außenseitige Abdichtung sind aufeinander abzustimmen, so dass hinsichtlich der Wasserdampfdiffusion der bauphysikalische Grundsatz »innen dichter als außen« eingehalten wird. Grundsätzlich sollte der sd-Wert der raumseitigen Abdichtung dabei ca. zehnmal so groß sein wie der der äußeren Abdichtung. Bisweilen werden Ortschäume mit »Dichtfunktion« für die Abdichtung der Anschlussfugen angepriesen. Die Gebrauchstauglichkeit eines solchen Ortschaumes ist gemäß IFT-Richtlinie MO-01/1 nachzuweisen.


Barrierefreiheit: IFT-Fachinfo gibt Empfehlungen zur Umsetzung der DIN 18040-2

Im Neubau und bei genehmigungspflichtigen Sanierungen muss die baurechtlich eingeführte DIN 18040–2 eingehalten werden. Diese enthält für Türen konkrete Regelungen. Zu Fenstern gibt es hingegen nur rudimentäre Vorgaben und insgesamt wenig Hinweise zur praktischen Umsetzung. Diese Lücke schließt die IFT-Fachinformation BA-02/1 »Empfehlungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau mit Fenstern und Türen«, die auf den Ergebnissen des IFT-Forschungsvorhabens »Barrierefreiheit von Bauelementen« aufbaut.

www.ift-rosenheim.de


Dipl.-Ing. (FH) Guido Strasser ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer München und Oberbayern für das Schreinerhandwerk, Fachgebiet Fensterbau.


Wichtiges in Kürze

  • bei Haustüren muss die Schwellenhöhe ≤ 25 mm sein, bei Fenstertüren sollte sie wenn möglich ≤ 25 mm sein
  • Ist »barrierefrei« gefordert, heißt das Schwellenhöhe = 0 mm
  • Schwellenhöhe schriftlich vereinbaren
  • für Funktionstüchtigkeit und Schlagregendichtheit der Konstruktion ist das ausführende Unternehmen verantwortlich!
  • mit Nachbargewerken abstimmen und Schwellen erst einbauen, wenn die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind!
  • i. d. R. sind Entwässerungsrinnen nötigVordächer bieen erst ab einer Ausladung von 1,3 m  einen gewissen Schutz
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