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Treppe, Sitzlounge, Galerie

Treppenskulptur in Dommitzsch
Treppe, Sitzlounge, Galerie

Die sächsische Stadt Dommitzsch nutzte ein leer stehendes, marodes Wohnhaus zur Touristeninformationsstelle um. Im historischen Gewand entstand eine Treppenskulptur, die gleichzeitig Sitzlounge, Wandverkleidung, Möbel, Geländer und Galerie ist.

Winzige Räume, marode Decken, morsche Fenster: das 250 Jahre alte Wohnhaus, das Dommitzsch, die nördlichste Stadt Sachsens, zur Touristeninformation umbauen wollte, wies innen nur ein Highlight auf: ein spätbarockes Mansarddach mit wunderschönem Dachstuhl. Seinetwegen wurde das Gebäude im laufenden Planungsprozess unter Denkmalschutz gestellt – und im Anschluss komplett entkernt, um freie Sicht auf das Gebälk zu ermöglichen.

Darunter einziehen sollten ursprünglich nur eine Theke und ein paar Regale. Genug für eine Touristeninformation, aber zu wenig für den Raum. Daher schufen die mit dem Projekt betrauten Schoener-und-Panzer-Architekten ein Raummöbel in Form einer Treppenlandschaft aus Eschenholz, die den Raum diagonal unterteilt – und auch noch Platz für Nebenräume und eine Empore für Veranstaltungen schafft. Dazu faltet sie sich vom Parterre den Tresen entlang bis zur Galerie empor, lässt unterwegs eine Tapetentür in der Wand verschwinden und bildet nebenan auch noch Sitzstufen aus.

Während der Zimmermann die Unter- und Befestigungskonstruktion der Galerie baute, übernahm Erik Pomplitz, Meister und Gestalter im Handwerk der Lignum Manufactur, den Rest. Im Betrieb fertigte der Tischler mit seinem Lehrling Lorenz Pomplitz zunächst die Unterkonstruktion aus Konstruktionsvollholz vor. Vor Ort bauten die beiden die Elemente im Anschluss auf und beplankten sie zunächst mit einer Lage 22 mm OSB. So entstand ein stabiler Untergrund für die Außenhaut aus Eschenholzlamellen, die nun – Stück für Stück – von der Rückseite der Unterkonstruktion aus verschraubt wurden.

Aus 7 m3 Eschenblockware fertigten die Tischler Bretter mit 86 x 20 mm Querschnitt und Längen von 2,80 bis 3,50 m. Vor Ort sägten sie diese auf Gehrung zu und verbanden sie mit aus den Säumlingen geschnittenen losen Federn.

Die Trittstufen setzen sich aus jeweils drei Lamellen zusammen, die Setzstufen aus zwei. Alle Flächen wurden verleimt und verschraubt, und, wo möglich, an den Ecken und Gehrungen mit Formfedern verbunden. Durch das konsequente Weiterführen derselben Lamelle um die Ecke gewinnt die Skulptur an Tiefe und lässt deren origamiartige Faltung optimal zur Geltung kommen. Die fertigen Oberflächen erhielten noch ein Finish aus weiß pigmentiertem Öl.

Und die Reste der Lamellen verarbeiteten die Tischler noch in kleine Souvenirs für die Touristeninformation – vom Schneidebrett bis zum Schlüsselanhänger.


Christine Ryll ist Architektin und schreibt als Architekturjournalistin über die Themen Bau, Architektur und Immobilien. In dds hat sie bereits häufiger ausgefallene oder besondere Treppen vorgestellt.


Steckbrief

Bauherr: Stadt Dommitzsch, Dommitzsch, www.dommitzsch.de

Architekt: Schoener und Panzer Architekten, Leipzig, www.supa.info

Ausführung: Lignum Manufactur Leipzig, www.kulturwarenfabrik.de

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