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Stolperschwellen bei Türprojekten

Bauelemente
Stolperschwellen bei Türprojekten

Bei der Montage von Innentüren kommt es immer wieder zu bösen Überraschungen. Schreinermeister Thomas Traut weiß, wo Fallstricke lauern und hat für dds die häufigsten Fehlerquellen zusammengefasst.

Zu Recht werden Innentüren immer stärker als Teil der Möblierung gesehen. Darüber wird leider oft vergessen, dass es sich um Funktionsbauteile handelt, die erheblichen mechanischen und physikalischen Belastungen ausgesetzt sind.

Stolperschwelle Aufmaß
Für das Aufmaß und die Planung empfiehlt sich eine Checkliste, die neben den Maßen und der Öffnungsrichtung auch die Funktionen, Wandaufbauten, geplante Wandbeläge, sowie die baulichen Besonderheiten enthält. Die Türhersteller bieten hierzu hilfreiche Aufmaßblätter, Einbauanleitungen, Schnittzeichnungen etc. Gerade bei Renovierungen und schwer veränderbaren Wandöffnungen liefern diese Übersichten wertvolle Informationen, z. B. zu Bekleidungsmaßen, Durchgangshöhen oder Ausgleichsmöglichkeiten für die Wandstärke.
Die baulichen Gegebenheiten sollten in einem Protokoll festgehalten werden. Dies kann sich auf eine Dokumentation für Mitarbeiter und beteiligte Baupartner beschränken oder, wo erforderlich, in eine rechtsverbindliche Bedenkenanmeldung integriert werden. Beispiel: Für Wände sind laut DIN Abweichungen zum Lot je Seite von 8 mm auf drei Meter Höhe zu tolerieren. Die bei der lotrechten Türenmontage entstehenden Spaltmaße wird der Kunde jedoch kaum akzeptieren.
Rechtzeitig mit dem Kunden geführte Gespräche verhindern manchen Ärger und ergeben im besten Fall zusätzlich verrechenbare Nachträge.
Wände und Maueröffnungen müssen auf ihre Eignung für den Türeinbau geprüft werden. In einem unsachgemäßen Rohbau sollte keinesfalls eine Montage durchgeführt werden. In der Praxis sind dies z. B. zu labile Trockenbauwände, eine zu feuchte Bauumgebung oder ansteigende Böden.
Eine falsche Wandstärke wird häufig bei zu fliesenden Räumen oder bei Sanierungen ermittelt. Gerade bei Altbauwänden ist oft nicht klar, ob nur gespachtelt, verputzt oder verkleidet wird. So wird z. B. auch die nachträgliche Entscheidung des Kunden, die Wände nun doch komplett zu fliesen, zum Problem für den Türenmonteur.
Der Meterriss wird oft vernachlässigt. Und doch ist er meist die einzige verlässliche Referenz für Höhenangaben am Bau. Gerade bei variierenden Bodenhöhen oder Türausführungen mit Bodenanschlag sollte die Anbringung unbedingt erfolgen.
Missverständnisse bezüglich Bauricht- und Bestellmaß sowie die Angabe der Öffnungsrichtung entstehen gerne in Verbindung mit Eigenleistungen der Bauherren. Auf eine eindeutige Definition ist hier zu achten.
Stolperschwelle Funktionen
Funktionale Anforderungen an Türen können sich ergeben aus Wärme-, Schall-, Strahlen-, Brand- und Rauchschutz sowie dem Einbruchschutz. Die einzelnen Anforderungen können separat oder kombiniert gefordert sein.
Brand- und Rauchschutztüren müssen bauaufsichtlich zugelassen sein. Für die komplette Zulassung sind folgende Merkmale unabdingbar:
  • dauerhaft angebrachtes Zulassungsschild auf dem Türblatt
  • Übereinstimmungserklärung der Montagefirma über die zulassungskonforme Montage
  • Zulassungsbescheid des DIBt
  • Aushändigung der Wartungsanleitung
Der Kunde sollte schriftlich auf seine Wartungspflicht hingewiesen werden.
Bei Schallschutztüren ist zu beachten, dass der im Labor ermittelte Wert Rw,P um 5 dB höher gewählt werden muss als der am Objekt geforderte Schallschutz Rw,R. Das heißt: Um z .B. einen geforderten Rw,R von 27 dB zu erreichen, muss ein geprüftes Element mit einem Rw,P-Wert > 32 dB eingesetzt werden.
Die dauerelastische Abdichtung von Zarge und Zierbekleidung zur Wand verbessert den Schallschutz.
Wohnungsabschlusstüren müssen im verriegelten Zustand dicht schließen. Als Stand der Technik wird aktuell die Klimaklasse III für ungeheizte Flure angesehen. Als Mindeststandard für eine Einbruchhemmung gilt eine Zweifachverriegelung der Türen.
Zu beachten ist: Alle Zulassungen gelten jeweils nur für die komplette, unveränderte Einheit aus Türzarge, Türblatt, den Beschlägen und der Einhaltung der Montagevorschrift. Abweichungen bei der Montage oder Änderungen, wie z. B. nachträglich eingebrachte Lichtausschnitte, führen zum Erlöschen der Zulassung. Jede Veränderung sollte vorab mit dem Hersteller abgestimmt werden. Hinweis: Eine Eigenherstellung von Rauch-, Brand- und Schallschutztüren ist über das Lizenzangebot der Verbände des Schreinerhandwerks möglich.
Stolperschwelle Montage
Die korrekte Ausrichtung des Türfutters wird mit dem Einhängen des Türblattes geprüft. Die Höhe richtet sich nach dem Meterriss und dem vorgesehenen Bodenaufbau. Die maximale Bodenluft beträgt bei Innentüren 7 mm. In Nassbereichen sollte das Futter unterlegt werden, um eine fachgerechte Silikonfuge zu ermöglichen. Da sich dadurch die Bodenfuge um zirka 4 mm erhöht, ist das Kürzen der Zarge notwendig.
Für die Montage mit PUR-Schaum ist dessen Eignung zu prüfen und die Verarbeitungsvorschriften sind genau einzuhalten. Wer kennt nicht die Probleme mit bauchigen Futtern, verursacht vom »Nachschäumen«. Aus diesen Erfahrungen heraus wird dann häufig nur noch minimal, mit Punktbefestigung, montiert. Zu beachten ist jedoch, dass laut DIN die Gesamtklebefläche des Montageschaumes mindestens 30 Prozent der Zargenrückseite betragen muss.
Funktionstüren werden in der Regel komplett gedämmt, entweder durch Hinterstopfen oder durch Ausschäumen. Ein Verschieben der Zarge durch den erhöhten Schaumeintrag wird durch geeignete Montagemittel und eventuell verlängerte Aushärtezeiten vermieden. Zu prüfen ist, ob eine zusätzliche Schraubbefestigung vorgesehen ist. Brandschutzschäume sind nicht zur Befestigung geeignet. Wird statt mit Schrauben mit PUR-Schaum ohne Zulassung fixiert und anschließend mit Brandschutzschaum gefüllt, erlischt die Zulassung des Elementes.
Durch das dynamische Bewegen von Massen (Türblatt) entstehen erhebliche Zug- und Druckkräfte. So ist neben der Auswahl des geeigneten Türelementes auch auf die Stabilität der umliegenden Bauteile zu achten. Bei vorgegebenen Widerstandsklasse ist eine Orientierung an den Tabellen für Wandstärken und Güte erforderlich.
Hohe Fachkenntnis nötig
Türen sind technische Bauteile, die eine hohe Fachkenntnis erfordern. Die Beachtung der hier angesprochenen Punkte ist für die meisten Betriebsleiter und Altgesellen sicher eine Selbstverständlichkeit. Dennoch empfehle ich, das Fachwissen der ausführenden Mitarbeiter regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls nachzuschulen.
Weitere Infos sind u. a. bei Fachverbänden, dem IFT Rosenheim oder Türherstellern zu beziehen. Thomas Traut

Der Autor
Thomas Traut ist Schreinermeister mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Er ist als Projektleiter bei einem Objektausstatter in Bayern tätig. Kontakt: schreinermeister@vr-web.de

Kompakt Normen für Innentüren
Wesentliche rechtliche Vorgaben finden sich u. a. in folgenden Normen:
DIN 68706 Türen aus Holz
DIN 18101 Türen für den Wohnungsbau
DIN 18103 Einbruchhemmende Türen
DIN 18095 Rauchschutztüren
DIN 4102 Brandschutztüren
Eine sehr gute und umfassende Übersicht aktueller Normen zum Thema Innentüren hat das IBAT-Institut erstellt. Download unter www.ibat-hannover.de
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