Bauelemente

Planung steht an erster Stelle

Im Dezember hat die RAL-Gütegemeinschaft ihren neu überarbeiteten Montage-Leitfaden herausgegeben. Maßgeblich beteiligt war das IFT Rosenheim. IFT-Mitarbeiter Wolfgang Jehl fasst in diesem Beitrag die wichtigsten Aspekte der Montage zusammen.

Bereits seit vielen Jahren werden die Gebäudekonzepte hinsichtlich der Wärmedämmung und einer dichten Gebäudehülle immer weiter perfektioniert. Damit steigen auch die Anforderungen an die einzelnen Bauteile sowie an deren Bauanschluss. Die Montage kann daher heute nicht nur aus dem einwandfreien Einbau des Bauelementes bestehen, sondern muss als Teil der gesamten Gebäude-Konzeption betrachtet werden. Damit muss sie auch Eingang in die Planungsphase eines Gebäudes finden. Nur dann kann unter Berücksichtigung und Abstimmung aller technischen und physikalischen Parameter ein dauerhaft funktionsfähiger Bauanschluss hergestellt werden. Wesentliche Faktoren wie dauerhafte Gebrauchstauglichkeit, Wirtschaftlichkeit und vertretbarer Unterhalt müssen dabei berücksichtigt werden.

Schnittstelle Bauanschluss
Erfahrungen aus der Gutachterpraxis zeigen, dass die Ursachen für Reklamationen, Mängel oder Schäden häufig ihren Ursprung in fehlenden oder unzureichenden Planvorgaben haben. Dabei ist nach § 9 VOB/A die Leistung eindeutig und erschöpfend zu beschreiben.
Besonderes Augenmerk ist auf die Schnittstellen, wie z. B. auf den Anschluss von Fenstern und Außentüren zum Baukörper zu legen, bei denen mehrere Gewerke zusammentreffen. Gerade hier ist der Planer im Besonderen gefordert, das Ineinandergreifen der Gewerke und die hierzu jeweils erforderlichen Maßnahmen zu planen, die Leistungen eindeutig zu beschreiben und abzugrenzen und im Verlauf der Bauausführung zu koordinieren.
Mindestvorgaben des Planers
Checklisten können dem Gebäudeplaner einen Überblick geben, welche Angaben in Bezug auf die Montage von Fenstern und Außentüren erforderlich sind, damit der Anschluss fachgerecht umgesetzt werden kann. Im Leitfaden zur Montage (siehe Kasten) sowie in der Technischen Richtlinie des Glaserhandwerks Nr. 20 ist eine ausführliche Checkliste enthalten, die folgende Hauptpunkte umfasst:
  • Zeichnungen – Bestandteil der Ausschreibung
  • Angaben zum Objekt
  • Angaben zur Einbausituation
  • zu berücksichtigende Lasten, Bauwerksbewegungen
  • Anforderungen an den Wärme- und Feuchteschutz
  • Anforderungen an den Schallschutz
  • Befestigung und Lastabtragung
  • Fugendämmung
  • luftdichter Fugenabschluss auf der Raumseite
  • schlagregendichter Fugenabschluss auf der Außenseite
  • Außenfensterbank
  • Innenfensterbank
  • Bodenanschluss bei bodentiefen Elementen und bei Schwellen
  • maßliche Festlegungen, Einbautoleranzen
  • besondere Anforderungen
  • Logistik
Detailplanung erforderlich
Auf der Grundlage der Ausschreibung ist der Einbau von Fenstern und Außentüren im Rahmen der Werkplanung im Detail umzusetzen. Die hierfür unbedingt erforderlichen Arbeitsschritte des Ausführenden sind:
  • Auswertung der Angaben zum Objekt (Ausschreibung)
  • Ermittlung und Umsetzung der Anforderungen
  • Aufnahme der realen Bausituation, verbunden mit Prüf- und Hinweispflicht gemäß VOB/B
  • Klärung und Festlegung der Einbaudetails
  • Bei Fenstererneuerung im Gebäudebestand: Planung der Demontage und Entsorgung (Kreislaufwirtschaftsgesetz)
  • Koordination der Ausführung
  • Endkontrolle und Durchführung der Abnahme
Im Neubau kann der Anschluss von Grund auf neu geplant und häufig auf standardisierte Lösungen zurückgegriffen werden.
Im Altbau ist die detaillierte Aufnahme der gegebenen Situation Grundvoraussetzung für eine fachgerechte Fenstererneuerung. Dabei ist die Bauaufnahme als Teil der Planung grundsätzlich Leistung des Architekten bzw. Bauplaners. Häufig werden jedoch Sanierungsaufträge direkt vom Bauherrn an den Fensterhersteller/Montagebetrieb vergeben. In diesen Fällen übernimmt die ausführende Firma die Planungsleistung mit den damit verbundenen Konsequenzen in rechtlicher Hinsicht!
Der Prüfung der baulichen Situation vor Ort kommt bei Neubau- und insbesondere bei Altbauvorhaben eine wichtige Rolle zu, wobei Unterschiede bei den durchzuführenden Prüfungen bestehen, die sich aus den unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen ergeben. Für die Aufnahme der Bausituation gibt es im Leitfaden Checklisten als Hilfe zur Erfassung der Gegebenheiten.
Ausführungsbeispiel Altbau
In der Überarbeitung des Leitfadens zur Montage wurden die Beispiele – insbesondere für den Altbau – wesentlich erweitert. Nachfolgend wird eines von ihnen kurz vorgestellt.
Außenwandkonstruktion. Bei der Außenwand handelt es sich um eine ungedämmte Außenwand aus Leichthochlochziegeln mit 40 mm Luftschicht und einer schweren Vorsatzschale. Die Vorschatzschale ist ein Sichtmauerwerk aus Klinker, sie bildet seitlich und oben den Innenanschlag. Die raumseitige Fensterbank besteht aus Granit.
Fensterkonstruktion. Bei der Fensterkonstruktion handelt es sich um ein Holzfenster IV 68. Seitlich und oben sind Profilverbreiterungen angebracht.
Bauanschluss. Das Holzfenster ist gegen den Innenanschlag gesetzt. Die Befestigung am Baukörper erfolgt mit angedübelten bzw. geschraubten Laschen (alternativ Winkel). Die Lastabtragung im unteren Bereich (Eigengewicht) erfolgt in Verbindung mit der mechanischen Befestigung.
Die äußere schlagregendichte Abdichtung besteht aus einem geschlossenzelliges Hinterfüllmaterial und einem spritzbaren dauerelastischen Dichtstoff. Im unteren Bereich ist eine Alu-Fensterbank als Kantteil eingebaut; unter der Alu-Fensterbank ist eine Folie eingebracht. Der raumseitige luftdichte Anschluss wird ebenfalls durch ein geschlossenzelliges Hinterfüllmaterial und einen spritzbaren dauerelastischen Dichtstoff sichergestellt. Im unteren Bereich wird mit Fugendichtungsbändern gearbeitet. Zur Verbesserung des Wärmeschutzes sind die Leibungen auf der Raumseite im seitlichen und oberen Anschlussbereich zusätzlich mit Porenbetonsteinen ausgemauert. Im Brüstungsbereich ist die Fugendämmung unter der inneren Fensterbank weiter nach innen gezogen.
Berechnungen. Die Vermeidung schädlicher Wärmebrücken ist seit Inkrafttreten der EnEV nachzuweisen. Dies kann erfolgen über das Beiblatt 2 der DIN 4108 (nur Neubau), Wärmebrückenkataloge oder die Einbaubeispiele in Kapitel 8 des Montage-Leitfadens. Bei davon abweichenden Einbausituationen sind der Temperaturfaktor fRsi und der längenbezogene Wärmebrückenverlustkoeffizient C durch Berechnung zu ermitteln.
Die im Beipiel angegebenen Werte für den Temperaturfaktor f0,25 und den längenbezogenen Wärmebrückenverlustkoeffizienten Ce gelten nur für die dargestellte Anschlusssituation, da die berechneten Werte abhängig sind von:
  • den angeführten Randbedingungen
  • den eingesetzten Materialien (Wandbaustoffe, Fensterwerkstoffe, Dämm- und Dichtstoffe), deren Dimension und wärmetechnischen Eigenschaften
  • der Lage des Bauteils in der Wand
  • der geometrischen Ausbildung der Anschlusssituation.
Das Beispiel wurde ohne Anspruch auf Vollständigkeit hinsichtlich der dargestellten Befestigung und des Abdichtungssystems gewählt. Grundsätzlich sind auch andere Lösungen denkbar.
Zusammenfassung
Die sorgfältige Planung der Baukörperanschlüsse von Fenstern und Außentüren durch den Gebäudeplaner legt den Grundstein für eine reibungslose, fachgerechte und wirtschaftliche Ausführung und trägt damit wesentlich zur dauerhaften Gebrauchstauglichkeit der Bauelemente bei. Eine ideale Basis für die Planung – hiermit ist sowohl die Ausschreibung durch den Gebäudeplaner als auch die Einbauplanung durch den Ausführenden gemeint – sind die im Wesentlichen durch das IFT bearbeiteten Werke »Leitfaden zur Montage«. und »Technische Richtlinien des Glaserhandwerks Nr. 20«. Sie erläutern die Grundlagen und die Ausführung der Anschlussausbildung von Fenstern und Haustüren, geben die anerkannten Regeln der Technik wieder und sind somit eine praktisch unentbehrliche Hilfe für Architekten, Planer, Bauleiter und Monteure. Diese Zielgruppen sollen in die Lage versetzt werden, die wesentlichen Kriterien der Anschlussausbildung von Fenstern und Außentüren
  • richtig zu erfassen,
  • anforderungsgerecht und hinreichend auszuschreiben,
  • fachgerecht umzusetzen und
  • sicher bei der Abnahme zu beurteilen.
Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Jehl
IFT Rosenheim

Weitere Infos

Der Montage-Leitfaden wird herausgegeben von der RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e.V. Er ist inhaltlich identisch mit der »Technischen Richtlinie des Glaserhandwerks Nr. 20«. An der Überarbeitung des Leitfadens haben neben dem IFT Rosenheim die wesentlichen Fachverbände wie VFF, BHKH und BIV mitgewirkt.
»Leitfaden zur Montage«
220 Seiten mit vielen ausklappbaren Zeichnungen, Preis: 35 Euro zzgl. Versand; Bestellung: HKH Service + Produkt GmbH, Tel.: (030) 279070-0 www.hkh.de

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