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Konstruktionen für Denkmalfenster

Bauelemente
Konstruktionen für Denkmalfenster

Der Arbeitskreis »Holzfenster im Baudenkmal« hat seine Fensterkonstruktionen für Baudenkmale überarbeitet und die entsprechende Merkblattreihe aktualisiert.

Reiner Oberacker

Der Arbeitskreis »Holzfenster im Baudenkmal« des Fachverbandes Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg hat seine Merkblätter überarbeitet und um eine weitere Konstruktion ergänzt. Hauptgrund der Überarbeitung sind die neuen Anforderungen der EnEV 2009.
Bereits seit den späten 80er-Jahren beschäftigt sich der Arbeitskreis mehr oder weniger intensiv mit Holzfenster-Konstruktionen, die als Nachbauten historischer Fenster in Baudenkmale oder andere ältere Gebäude eingebaut werden. Während vor gut 20 Jahren die Anforderungen der Wärmeschutzverordnung 1984 mit kF # 3,1 W/(m²K) nochlocker mit filigranen Holz-Verbundfenstern mit zwei dünnen und unbeschichteten Einfachscheiben eingehalten werden konnten, haben sich die Anforderungen dramatisch geändert. So waren die ersten, zusammmen mit dem damaligen Landesdenkmalamt Baden-Württemberg beschriebenen Konstruktionen ein DV 27/40*, ein DV 32/35 mit und ohne Wetterschutzschiene und ein DV 31/40 W. Letzteres brachte es als DV 31/44 W mit einer 6 mm dicken Scheibe im Innenflügel als dreiflügeliges Stulpfenster immerhin auf ein geprüftes Schalldämmmaß von 37 dB.
Bewährtes und Neues
Recht bald wurde die Reihe erweitert um Isolierglas-Fenster in den Konstruktionen IV 63 und IV 68. Insbesondere das IV 63 erfreute sich bei Denkmalpflegern einer großen Beliebtheit, da durch kleine Fälze und Glaseinstände schmale Ansichten vorlagen. Das IV 68 hatte nur geringe Varianten zum Normfenster nach DIN 68121 und lief als eine Art Vergleichsfenster einfach mit. Indem z.B. die Dichtung von Flügel- in den Blendrahmen verlegt wurde, konnten immerhin die Flügelansichtsbreiten von 78 auf 68 mm verringert werden.
Folgende neun Konstruktionen sind jetzt in der Reihe »Holzfenster im Baudenkmal« enthalten: DV 27/40, DV 32/35, DV 32/35 W, DV 31/40 W und 31/44 W, IV 63, EV und IV 63, IV 68, Sonder-Iso-Fenster D, Sonder- Iso-DV-Fenster D.
Das Sonder-Iso-Fenster D
Die bislang letzte »neue« Denkmalfenster-Konstruktion war das 2003 beschriebene und veröffentlichte »Sonder-Iso-Fenster D«. Die große Resonanz dieses Fensters beruhte darauf, dass in ein Einfachfenster mit zirka 42 mm Rahmendicke ein Isolierglas mit geringer Glasstärke und schmalem Scheibenzwischenraum mit einer freien Dichtstofffase eingesetzt wurde. Damit sind immerhin Uw-Werte bis 1,90 W/(m²K) möglich. Die geringe Rahmendicke und das Verglasungssystem ohne Glashalteleisten und mit äußerer Abdichtung verlangt ein spezielles Isolierglas, dessen Randverbund ohne eine Glasfalzbelüftung auskommt und mit dem Verglasungsdichtstoff verträglich ist. Da das im Minimum nur insgesamt 10 mm dicke Isolierglas mit 3–4-:3 und Kryptonfüllung optisch nahezu als Einfachscheibe wahrgenommen wird und der Rahmen schmal und dünn ist und wirkt, sind in den letzten Jahren viele Objekte mit dieser Konstruktion ausgestattet worden. Durch einen größeren Scheibenzwischenraum (bis 7 mm) konnte zudem die Wärmedämmung weiter verbessert werden.
Neu: Sonder-Iso-DV-Fenster D
Mit der EnEV 2009 sollte auch für den Denkmalbereich eine Konstruktion zur Verfügung stehen, mit der ein Uw-Wert nahe an 1,3 W/(m²K) bei Änderungen im Bestand eingehalten wird. Einzelne Mitglieder des GFF-Arbeitskreises hatten schon Objekte mit Verbundfenstern ausgeführt, die nicht zwei einfache Glasscheiben, sondern eine Kombination aus Einfachscheibe und Isolierglas enthielten. Die Aufgabe bestand nun darin, eine solche Konstruktion so zu optimieren, dass trotz einer sehr guten Wärmdämmung die Flügeldicken und insbesondere die Ansichtsbreiten von z.B. Stulp- oder Riegelpartie nicht breiter werden, als bei den anderen Konstruktionsvorschlägen der Reihe. Das Ergebnis, das neue »Sonder-Iso-DV-Fenster D« kann sich in allen diesen Hinsichten mehr als sehen lassen.
Die Änderungen im Detail
Mit Ausgabedatum 2009–11 wurden alle Konstruktionsblätter der Reihe »Holzfenster im Baudenkmal« überarbeitet. Bei den einfachen DV-Konstruktionen beschränkte sich die Anpassung teilweise auf wenige redaktionelle Korrekturen. Bei allen Verbundfenstern mit zwei Einfachscheiben wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, mit einer pyrolytisch beschichteten »K-Glas«-Scheibe auf ein Uw = 1,9 W/(m²K) zu kommen. Bei den Konstruktionen DV 27/40 und DV 31/40 W wurde eine Überschlagdichtung und teilweise im Stulpbereich eine zusätzliche Mitteldichtung aufgenommen. Dies deshalb, weil auch die Nutzer derartiger Fenster oft hohe Erwartungen an die Gebrauchstauglichkeit haben und möglichst wenig Tauwasser im Falz oder im Scheibenzwischenraum haben wollen. Tauwasser im Scheibenzwischenraum ist bei Verbundfenstern aber nie ganz auszuschließen.
Aufgesetzte Sprossen
In einem ganz wichtigen Punkt hat sich die Denkmalpflege jetzt auch »offiziell« auf die Praxis zubewegt: In der Frage der echten, also glasteilenden Sprossen bei Isolierglasfenstern. Während in den bisherigen Ausgaben des IV 63 und des IV 68 auf immerhin 30 mm minimierte Ansichtsbreiten von glasteilenden Sprossen vorhanden waren, sind dort jetzt durchgehende Glasscheiben mit aufgesetzten Sprossen und dahinter eingebauten Abstandhalter-Stegen im SZR dargestellt. Neben geringeren Ansichtsbreiten von z.B. 24 oder 27 mm wird die Wärmebrücke in diesem Bereich deutlich reduziert. Der Effekt kommt aber nur ansatzweise zum Ausdruck, indem die relevanten Blätter Uw-Angaben für Fenster ohne Sprossen und für solche mit zwei Quersprossen in den unteren Flügeln enthalten. Insofern sind die Angaben für die technischen Werte detaillierter, damit aussagefähiger und erleichtern die Entscheidung für eine bestimmte Ausführung. Letzteres ist auch hinsichtlich der Ausführung mit oder ohne Wetterschutzschiene von Bedeutung. Mit einer solchen Schiene werden sicherere und auch höhere Klassen der Schlagregendichtheit erreicht.
Eins sollte allen Beteiligten klar sein: Bei den Konstruktionsvorschlägen handelt es sich nicht um beliebig in jedes Objekt einsetzbare Fenster. Besonders bei Denkmalen ist immer die Untere Denkmalbehörde einzuschalten. Sie macht Vorgaben, welche Konstruktion in Frage kommt und wie Details auszuführen sind: z. B. Sprossenaufteilung und -ansichtsbreiten, Innenprofilierungen, Beschläge, Verglasung/Scheiben u.a.m.
Die Untere Denkmalbehörde
Die Untere Denkmalbehörde kann auch von den Anforderungen der EnEV in einer Art »Zustimmung im Einzelfall« befreien. Während bei Baudenkmalen also nichts ohne sie läuft, ist dies bei Nicht-Baudenkmalen anders. Hier ist der Planer frei, eine Konstruktion auszusuchen; er muss sich dabei allerdings zwingend an die Energieeinsparverordnung halten – wenn er sich nicht von der obersten Bauaufsicht seines Bundeslandes eine Befreiung erteilen lässt.
Einige der Konstruktionsblätter sind mit ihren detaillierten technischen Angaben, insbesondere denen zu den erreichten Uw-Werten deshalb interessant, weil die KfW seit Oktober 2009 auch den Fensteraustausch in Baudenkmalen mit fünf Prozent Investitionszuschuss fördert, wenn ein Uw-Wert von maximal 1,7 W/m²K eingehalten wird.

Service Holzfenster im Baudenkmal
Mitglieder des Fachverbandes Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg erhalten einen Satz der aktuellen Konstruktionsblätter auf Anforderung kostenfrei zugeschickt. Für Nichtmitglieder beträgt der Preis 7 € je Blatt, zuzüglich Versand und MwSt. Bestellungen an: gff-bi.com Beratungsgesellschaft mbH, Karlsruhe, fachverband@gff-online.de
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