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Kleben statt klotzen

Bauelemente
Kleben statt klotzen

In den vergangenen Monaten sind die ersten Hersteller mit Kunststofffenstern auf den Markt gekommen, bei denen die Scheibe fest mit dem Flügel verklebt ist. Was bringt die neue Technik?

Glas mit anderen Bauteilen zu verkleben ist in anderen Branchen wie z.B. dem Automobilbau seit langem üblich. Im Fassadenbereich kennt man die Technik unter dem Begriff »Structural Glazing«, wobei hier bisher im wesentlichen Glas und Aluminium mit Hilfe von Klebstoff verbunden wurden.

Im Kunststofffensterbau ergeben sich durch das Verkleben der Scheibe mit dem Fensterprofil erhebliche verarbeitungstechnische, funktionale und bauphysikalische Vorteile. Die kraftübertragende Verklebung führt zu einem statisch wirksamen Verbund der Materialien. Damit kann die Verklotzung wie auch die Stahlverstärkung im Flügel entfallen, was zu einer deutlichen Reduzierung der Fertigungszeit führt. Die ganze Profilgeometrie kann filigraner ausfallen, da im Prinzip das Glas den Rahmen trägt und nicht wie bisher der Rahmen das Glas. Außerdem bildete bisher die Armierung eine Wärmebrücke, die nur schwer in den Griff zu bekommen war. Weitere Vorteile sind je nach Ausführung ein verbesserter Einbruchschutz, erhöhter Schallschutz und die Möglichkeit, deutlich schlankere Profile als bisher zu gestalten.
Grundsätzlich unterscheidet man die Verklebung im Falzgrund und die so genannte »Überschlagsverklebung«, bei der das Glas seitlich am Rand mit dem Flügel verklebt wird.
Systemgeber wie Salamander, Rehau, Aluplast oder Plustec, die die Klebetechnik bereits anbieten, integrieren sie in ihre bestehenden Profilsysteme und sehen sie als Ergänzung zur herkömmlichen Technik. Ein eigens auf die Verklebung abgestimmtes Profilsystem hat bisher nur die Profine-Gruppe entwickelt.
Neue Systeme im Detail
Die Salamander Industrie Produkte GmbH (SIP), Profilhersteller der Marken Salamander und Brügmann, hat in Kooperation mit dem Fensterbauer Strobel einen Klebeflügel entwickelt, der auf dem SIP-System »Streamline 76« basiert. Es besitzt einen geraden Falz und ist für eine rundumlaufende Klebung konzipiert. Mit einem Vollautomaten wird der Kleber zwischen Falzgrund und Isolierglasrandverbund genau dosiert eingebracht. Die Ausrichtung des fertig verschweißten, verputzten Flügels erfolgt zuvor im dazugehörigen Blendrahmen. Bereits kurz nach dem Aufbringen des Klebers werden die Glasleisten eingebracht, danach ist das Element fertig zum Weitertransport. Gegenüber dem konventionellen Streamline 76 weist das neue System einen besseren Schall- und Wärmeschutz sowie schmalere Profilansichten auf.
Die Profine GmbH, Gemeinschaftsunternehmen der Profilmarken KBE, Kömmerling und Trocal, kommt mit dem Produkt »Glasswin« auf den Markt. Dieses in Zusammenarbeit mit dem Klebstoffhersteller Dow Corning entwickelte System basiert auf einem Silikon-Klebeverbund von Fensterflügel und Stufenisolierglasscheibe. Durch die Verwendung des Stufenglases entfallen neben Armierung und Verklotzung auch die Glasleisten und sämtliche damit zusammenhängenden Arbeitsgänge. Das designorientierte System ermöglicht schlanke Profilansichten bei großen Glasflächen. Die Lage der flügelüberdeckenden Scheibe im Profilquerschnitt verbessert den Wärmeschutz. Bei Profine wird betont, dass die Klebetechnik auch von Verarbeitern genutzt werden kann, die Standardprofilen und herkömmliches Isolierglas verarbeiten. Dabei wirkt sich der Klebeverbund vorteilhaft auf den Einbruchschutz aus. Auf diese Weise können z.B. einbruchhemmende Kunststofffenster der Klasse WK 3 gefertigt werden.
Die Rehau AG+Co. verklebt Scheibe und Flügrel nur partiell – dort wo es nötig ist. Dampfdruckausgleich und Verklotzung erfolgen wie gewohnt. Auch mit diesem System können schmalere Profilansichten, eine bessere Wärmedämmung und ein erhöhter Einbruchschutz erzielt werden. HJG

Kleben im Fensterbau
Die Scheibe fest mit dem Flügel zu verkleben ist eine der interessantesten Entwicklungen der letzten Zeit. Die Vorteile sind bestechend: Armierung und Verklotzung entfallen, die Profile werden schlanker und der Wärmeschutz besser.
Doch noch sind einige Probleme zu lösen: Wie erfolgt der Kleberauftrag auch in kleineren Betrieben sicher und kontrolliert? Was passiert, wenn vor Ort eine Scheibe ausgetauscht werden muss?
Die Klebetechnik wird die konventionelle Fensterkonstruktion so schnell nicht ablösen – aber sie eröffnet neue Möglichkeiten und Chancen und wird sich voraussichtlich recht schnell etablieren. HJG
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