Aus der Sachverständigenpraxis

Woher kommen gelbe Flecken auf Kunststofffenstern?

Der Sachverständige Jürgen Sieber erläutert, wie punktuelle gelbe Flecken und flächige Gelbverfärbungen auf weißen Kunststofffenstern entstehen, was man dagegen tun kann und wie sich Fensterbauer vor Reklamationen schützen.

Weiße Kunststofffenster, die mit gelben Flecken verunreinigt sind, wurden erstmals im Jahr 2003 in Österreich und in der Schweiz aktenkundig. Untersuchungen durch unabhängige Institute ergaben eine Veränderung der Oberfläche durch eine chemische Reaktion, welche auf Ablagerungen von Metallstäuben zurückzuführen ist. Nach und nach breitete sich dieses Phänomen, von Süden kommend, auch über Deutschland aus.

Gelbe Flecken

Woher diese Stäube stammten, war zunächst rätselhaft. Vermutet wurde Metallabrieb bzw. Metallstäube von Bremsscheiben oder Emissionen von Industriegebieten. Erst als ein Techniker der PVC-Branche auf die Idee kam, seinem neu angepflanzten Rasen auf die Sprünge zu helfen und einen »eisenhaltigen Rasendünger« kaufte, ergab sich plötzlich eine logische Erklärung: Der bei der Ausbringung des Düngers entstehende metallhaltige Staub setzt sich auf den Fensterrahmen ab. Das erklärt auch, warum häufig nur ein Haus in einem Wohngebiet betroffen ist; und dort verstärkt die Fenster im EG.

Wird der Staub nicht in den folgenden Tagen durch Abwaschen entfernt, kann er sich festsetzen und verursacht durch Oxidation die oben beschriebenen Probleme.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – so könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Wenige Jahre später tauchte ein weiteres Problem auf: die großflächige Gelbverfärbung weißer Kunststoffprofile ohne Einwirkung von Eisenstaub, häufig einhergehend mit einer linienförmigen Erhebung am PVC-Profil.

Flächige gelbe Verfärbungen

Wie man heute weiß, entstehen diese Verfärbungen durch die Verwendung ungeeigneter Haushaltsreiniger bzw. deren zu hohe Dosierung.

Ursache 1: Ungeeignete Reiniger. Enthalten Reiniger Zusätze wie Orangen-, Zitronen- oder Pfefferminzaromen, können diese sauren Stoffe die PVC-Oberfläche angreifen. Befindet sich in den Reinigungsmitteln gar Ammoniak und/oder Benzylalkohol, ist eine Zerstörung der PVC-Oberfläche im Mikrobereich fast zu erwarten. Speziell Benzylalkohol oxidiert mit Sauerstoff zu Benzaldehyd, was sich mit Hart-PVC ganz und gar nicht verträgt.

Ursache 2: Falsche Dosierung. Die Flaschengröße von Haushaltsreinigern und Spülmitteln wird immer kleiner, da die Konzentrationen der Reinigungsmittel immer höher werden. Diese Reiniger nennen sich daher auch »Konzentrate«. Während man früher einen kräftigen Schuss Spülmittel in eine undefinierte Menge Wasser gab, findet man heute auf der Rückseite dieser Mittel Dosieranweisungen, die in ihrer Genauigkeit aus einem Pharmazielabor stammen könnten. Bei vielen Reinigungskonzentraten lautet die Dosierung ungefähr so: »3 ml Reinigungskonzentrat auf 5 l Wasser«. Auf Deutsch: drei Tropfen Konzentrat auf fünf Liter Wasser. Wer jetzt einen kräftigen Spritzer des Mittels verwendet und diesen anstatt in fünf nur in zwei Litern Wasser auflöst, erzeugt eine Überdosierung um Faktor 25 bis 30!

Aufquellungen am Flügel

Wird der Fensterflügel mit überdosierten ammoniakhaltigen Reinigern geputzt und anschließend geschlossen, verbleiben die chemischen Substanzen zwischen Flügelprofil und Blendrahmenanschlagdichtung und reagieren mit dem PVC. Kleine Aufquellungen am Flügel sind die Folge. Aufgrund der Dichtungsanlage sind sie so gerade, als seien sie mit dem Lineal gezogen.

Diese Erhebungen treten zeitlich meist vor der Gelbverfärbung auf und sind ein klares Indiz für den Missbrauch, bzw. die Überdosierung von Haushaltsreinigern.

Reinigen der Oberflächen

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass sich gelbe Flecken nicht mit Haushaltsreinigern entfernen lassen. Die betroffenen Fenster können nur durch Abschleifen der Oberfläche, bzw. durch abrasives Säubern gereinigt werden. Im Anschluss erfolgt die Versiegelung der behandelten Oberfläche. Danach sind die Profile wieder so sauber, »dass man sich drin spiegeln kann«, um einen alten Werbeslogan zu benutzen.

Nicht fehlen darf der Hinweis an die Bauherren, die verwendeten Mittel nicht mehr zu benutzen, denn sonst beginnt die Problematik wieder von vorn.

Fensterbauer sollten bereits bei der Angebotsabgabe darauf hinweisen, dass nur Mittel verwendet werden dürfen, die frei von Geschmacksstoffen, Terpenen, Ammoniak oder Benzylalkohol sind. Am besten ist ohnehin ein Reiniger, den der Fensterlieferant zur Verfügung stellt 😉


Glasermeister Jürgen Sieber ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger des Glaserhandwerks und Landesinnungsmeister im Fachverband Glas-Fenster-Fassade in Baden-Württemberg

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