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Handwerk: Fensterbau im Bregenzerwald

Handwerk in Österreich
Fensterbau im Bregenzerwald

Da wo regionale Bautraditionen und moderne Architektur eine Symbiose eingehen, baut die Schreinerei Schwarzmann seit fast 50 Jahren mit Liebe zum Handwerk Fenster und Türen.

VORARLBERG steht weltweit für traditionsbewusstes Handwerk und anspruchsvolle Architektur. Inspiriert von historischen Vorbildern wie dem Bregenzerwälderhaus, hat die Neue Vorarlberger Bauschule mit ihrer anspruchsvollen Ästhetik das heutige Erscheinungs- und Selbstbild der Region geprägt. Im Gegensatz zum dicht besiedelten, mit Industrie durchzogenen Rheintal, hat sich insbesondere der Bregenzerwald bis heute strukturell wie wirtschaftlich seine Nähe zur Natur und zum Handwerk bewahrt. Das konstruktive wie kunsthandwerkliche Können der dort ansässigen Handwerksbetriebe, bildet das Rückgrat für die hohe Qualität der Vorarlberger Baukultur. Einer dieser Betriebe ist der Fenster- und Türenbauer Schwarzmann in Schoppernau.

Felix Schwarzmann gründete das Unternehmen 1971, nachdem er seinem Bruder den elterlichen Schreinereibetrieb im nur zehn Kilometer entfernten Schröcken überlassen hatte. Ursprünglich als Möbel- und Fensterschreinerei betrieben, fokussierte sich das Unternehmen bald auf das immer komplexer werdende Thema des Fenster- und Türenbaus. Von Beginn an orientierte sich die Schreinerei bei ihrer Arbeit an der Bautradition ihrer Heimat und ließ bewährte Proportionen, Materialien und Konstruktionsweisen auch in modernste Entwürfe mit einfließen. »Der historische Bestand mit seinen traditionellen Motiven und Profilen ist ein guter Ratgeber für heutiges Bauen«, findet Sohn Claus Schwarzmann, der seit 2001 Geschäftsführers ist.

Das Fenster als Möbelstück

Ob nun für Alt- oder Neubau, mit Fensterladen oder ohne, in reiner Holz- oder Holz-Alu-Bauweise: »Wir betrachten das Fenster wie ein Möbelstück.« Jedes Modell ist aus Vollholz, möglichst ohne Fugen gefertigt und kann in seinen Detailführungen und Anschlüssen an die Bedürfnisse des jeweiligen Bauprojektes angepasst werden. Da wo standardisierte Lösungen nicht möglich sind, entwickelt Schwarzmann Sonderlösungen, die in Zusammenarbeit mit anderen Gewerken sogar über speziell entworfene Beschläge verfügen können. »Wir versuchen so weit wie möglich auf die Ideen unserer Kunden einzugehen. Nur Standardproduktion bringt uns da nicht weiter«, berichtet Schwarzmann. »Unsere Kunden – Architekten und auch private Bauherren – teilen sich an dieser Stelle in zwei Gruppen auf: Zum einen haben wir stark preisorientierte Kunden, die zunehmend wegfallen und zum anderen die Kunden, die auf uns zukommen, weil ihnen Qualität, Nachhaltigkeit, gutes Handwerk und Regionalität wichtig sind.« Dabei beobachtet Schwarzmann in den letzten Jahren, wie wichtig es für die Auftragserteilung ist, dass der Kunde sich bei Groß- wie Kleinstprojekten gut beraten fühlt. An öffentlichen Ausschreibungen beteiligt sich der Fensterbauer darum nicht.

Das perfekte Fenster

Schwarzmann ist überzeugt: »Ein gutes und vor allem nachhaltiges Fenster ist eines das lange hält – und da sind eine gute Detailführung, eine einwandfreie Montage, hochwertiges Material und eine problemfreie Renovierbarkeit unerlässlich.« Um diese Kriterien zu erfüllen, arbeitet der Betrieb unter anderem mit verlässlichen Monteuren zusammen, die auch schwerste Fensterobjekte passgenau einsetzten können. Das verbaute Holz ist ausschließlich heimisches, besonders feinjähriges und wintergeschlägertes Fichten- und Tannenholz. Die damit erreichte Widerstandsfähigkeit des Werkstoffs liefert gestern wie heute eine hohe Wetterbeständigkeit des Fensterrahmens und ermöglicht es, auf industrielle Modifikationen oder Beschichtungen des Holzes mit Lacken oder ähnlichem zu verzichten. Neuheiten im Design wie in der Konstruktion allein um der Neuheit willen umzusetzen, lehnt Schwarzmann ab, benennt aber auch ganz klar: »Ein Handwerker in der heutigen Zeit sollte, traditionell-handwerkliche Fähigkeiten bewahren, ohne dabei auf technische Innovationen zu verzichten.« Aus diesem Grund hat Schwarzmann in eine hochmoderne CNC-Fensterfertigungsanlage investiert, die vor allem die Profilbearbeitung vornimmt.

Kommunikations-App im Blick

»Alles andere wird von unseren Mitarbeitern gemacht, denn ich sage immer: Jeder Arbeitsgang ist ein Kontrollgang«, erzählt Claus Schwarzmann über die Arbeitsprozesse in seiner Werkstatt. Für ihn steht außerdem fest: »Mehr automatisieren ist nicht nötig, höchstens ein wenig mehr Platz für die Produktion wäre gut.« Ein weiterer Schritt zur Prozessoptimierung stellt die Entwicklung einer App dar, die die Kommunikation zwischen Kunden und Mitarbeiter sowie Mitarbeiter und Partnerbetriebe erleichtern soll. Voraussichtlich ab Ende dieses Jahres wird die App unter anderem helfen, Serviceanfragen, Montagedaten und Bestellungen zu verwalten.

Als Mitbegründer und Mitglied des Werkraums Bregenzerwald ist die Fenster- und Türenschreinerei Schwarzmann längst aktiv geworden, um das Handwerk in der Region zu fördern. »Das Besondere an der jetzigen Zeit ist, dass sehr viele Fertigungsprozesse industrialisiert werden.

Fürs Handwerk motivieren

Das Handwerk wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt und immer mehr Wissen geht verloren. Ich sehe es als Aufgabe, dieses Fachwissen zu erhalten«, kommentiert Claus Schwarzmann sein Engagement. Zu diesem Zweck beteiligt sich das Unternehmen regelmäßig bei Ausstellungen und anderen Projekten rund ums Thema. Gerade erfolgreich beendet wurde die zehnte Bregenzerwälder Handwerksausstellung, bei der Handwerker verschiedenster Bauzünfte jeweils mit einer Gruppe Jugendlicher einen drei auf drei Meter großen Kubus gestalteten. »Unser Ziel ist es, dass Jugendliche aus dieser Erfahrung raus gehen und sagen: Handwerk ist eine geile Sache.« Doch die Ausstellung soll laut Schwarzmann noch mehr bewirken: Es gehe darum, nicht nur den jungen Leuten, sondern auch ihren Eltern zu zeigen, welchen Wert Handwerk hat, wie eng es mit der regionalen Identität verwoben ist und welche Möglichkeiten zur beruflichen und persönlichen Entwicklung es eröffnen kann. Nachdem, laut Schwarzmann, in den letzten Jahren viele Auszubildende an große Industrieunternehmen in Süd-Arlberg verloren gingen, sei es wichtig, aufzuzeigen, welche Vorteile kleine, spezialisierte Betriebe mit tief gehendem Fachwissen im Bregenzerwald mit sich bringen.

Was die Zukunft bringt

»Natürlich werden durch die fortlaufende Industrialisierung des Handwerks künftig viele kleine Betriebe kämpfen müssen, aber wir im Vorarlberg haben einen hohen Anspruch an die Architektur. Da braucht man uns und unser Handwerk.« ist Claus Schwarzmann überzeugt und prognostiziert, dass mit den steigenden Neubaupreisen eine Sanierungswelle absehbar ist, die fürs eigene Unternehmen wohl keinerlei Problem darstellen wird: »Im Kern hat sich das Produkt Fenster seit 1971 wenig verändert – vielmehr ist es besser geworden.« Das einzige was Schwarzmann kritisch anmerkt, ist der enorme Druck Normen und Richtlinien zu erfüllen. Die ganze »Kennzeichnerei« sei langwierig und kostenintensiv – was sich bei kleinen Stückzahlen frappierend auswirkt und viele gute Entwürfe verhindert.

Drei Schwarzmann-Generationen

Nichtsdestotrotz, im Hause Schwarzmann sieht man sich für kommende Herausforderungen bestens gerüstet, denn mit Claus Schwarzmanns Sohn, dem frisch gebackenen Schreinermeister Jan Schwarzmann, arbeiten heute gleich drei Schreiner-Generationen an einer erfolgreichen Zukunft: »Ich hatte unglaubliches Glück und habe von meinem Vater einen sehr gut dastehenden Betrieb übernehmen dürfen. Mein Vater und ich haben eine gute Beziehung. Er hat mich machen lassen und konnte gut abgeben. Ich hoffe, das werde ich eines Tages auch können, wenn mein Sohn den Betrieb übernehmen sollte.« Claus Schwarzmann zeigt sich abschließend positiv,  dass guten Handwerkern die Arbeit auch morgen und übermorgen nicht ausgehen wird: »Qualität wird immer wieder im Trend sein.«


Die freie Journalistin, Henriette Sofia Steuer, ist wie Claus Schwarzmann überzeugt: die Wertschätzung von Ausbildungsberufen sowie das Bewahren und Nutzen von Handwerkstraditionen ist essenziell für gutes Produktdesign.


Steckbrief

Schreinerei Schwarzmann baut seit 1971 Fenster und Türen aus Holz. Drei Schwarzmann-Generationen arbeiten hier an einer erfolgreichen Zukunft. Geschäftsführer Claus Schwarzmann engagiert sich zudem mit zahlreichen Projekten für das regionale Handwerk.

www.dasfenster.net

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