Treppenbau

Faltwerkoptik bis unters Dach

Der Kunde ist König, sagte sich Tischlermeister Sven Berner und baute im Auftrag eines Bauherrn eine Treppe in Faltwerkoptik für ein Einfamilienhaus. Die Treppenläufe und weitere Teile ließ er sich von einem Spezialisten zuliefern.

Sven Berner, Tischlermeister

Ein interessanter und moderner Ansatz im Treppenbau ist die sog. »Faltwerktreppe«. Bei Faltwerktreppen werden sowohl die Tritt- als auch die Setzstufen in der gleiche Dicke gefertigt und in fortlaufender Form oft auf Gehrung verleimt.

Als die Anfrage für eine Treppenanlage kam, hatten die Bauherren genaue Vorstellungen. Sie wünschten eine Treppe in Faltwerkoptik mit einer gestemmten Wandwange. Die Treppe sollte vom Keller bis zum Obergeschoss der verbindende Mittelpunkt des Hauses werden. Auch für die vorhandenen Podeste wurde das gleiche Material verlangt, sodass die gesamte Treppenanlage wie aus einem Guss die Geschosse untereinander verbindet. Gebürstet, damit Gebrauchsspuren nicht sofort augenscheinlich werden. Geölt, leicht nachzupflegen und ohne großen Renovierungsaufwand zu erhalten. Edelstahlstäbe waren als Fallschutz gewünscht und der Handlauf sollte die Statik des Faltwerkes unterstützen. Eiche wurde als Holzart favorisiert.

In Massivholz schwer machbar

Nach dem Aufmaß auf der Baustelle wurde die Treppe gezeichnet. Die Breite des Auftrittes betrug 280 mm, die Steigung 180 mm. Legt man bei acht Stufen, die Auftrittsstufen und Setzstufen eines Laufes aneinander, so entsteht eine Auftrittsbreite von 2240 mm und eine Steigungshöhe von 1440 mm. Alles in allem eine Gesamtholzbreite von 3680 mm. Der Werkstoff Holz reagiert, wenn sich die Holzfeuchte ändert. Und das vor allem in der Breite. Wenn man das durchschnittliche Schwind- und Quellverhalten von Eiche mit einem Durchschnittswert (tangential/radial) von rund 0,26 % je Prozentpunkt Holzfeuchteänderung berücksichtigt, würde Massivholz mit einer Breite von 3680 mm um ca. 9,6 mm je ein Prozent Holzfeuchteänderung quellen oder schwinden. Ein hohes Risiko, da sich gerade in einem Neubau erfahrungsgemäß erst nach einiger Zeit eine konstante Luftfeuchtigkeit im Gebäude einstellt. Mauerwerk, Putz und Estrichbeton bringen viele Liter Wasser in ein Gebäude, die erst nach einigen Monaten bzw. einigen Heizperioden zu einem ausgeglichenen Wohnklima führen. Was passieren könnte, wenn die Holzfeuchtigkeit erst stark zu- und später wieder abnehmen würde, weiß jeder der mit Holz arbeitet nur zu gut. Zwangsläufig würde sich das Holz ausdehnen und nach spätestens einer Heizperiode wieder zusammenziehen. Fugen und Risse könnten entstehen und diese würden für Unmut beim Kunden sorgen.

Mehrschichtaufbau der Stufen

Eine weit verbreitete Lösung, die dem Arbeiten des Holzes entgegenwirkt, ist das Verleimen in mehreren Schichten. Sogenannte Mehrschichtplatten haben ein Schwundmaß von ca. 0,02 %. So minimiert sich das Schwundmaß bei einer Breite von 3680 mm auf etwa 0,74 mm je ein Prozent Holzfeuchteänderung. Ein kalkulier-bares Restrisiko. Was sich bei Sperrholz, Fertigparkett und Dreischichtplatten bewährt, sollte auch bei einer Faltwerktreppe funktionieren.

Treppenteile vom Zulieferer

Als Spezialist in der Fertigung von mehrschichtigen Massivholzelementen entsprechend individueller Kundenwünsche hat sich die Firma Biehrer aus dem Schwarzwald einen Namen gemacht. Mit ihr wurden alle fertigungsrelevanten Details geklärt und die Wünsche der Bauherren abgesprochen.

Möglichst ohne sichtbare Verbinder sollte die Verleimung des Faltwerkes zu realisieren sein. Hierfür wird im Hause Biehrer modernste mechanische Spezial-Verbindungstechnik eingesetzt. Diese ist für eine unsichtbar verspannte Verleimung von Tritt- und Setzstufen, die auf Gehrung ausgeführt werden sollte, ein Garant! Zeichnungen und Materiallisten wurden übertragen und wie bestellt lieferte man die Treppenläufe, Podestbeläge, Antrittsstufen, Deckenverkleidungen: gebürstet und fertig geölt, die Wangen und Handläufe im Rohzustand. Auch mit dem von Biehrer verwendeten Öl, das auch für die Wangen und Handläufe zum Einsatz kam, wurde nichts dem Zufall überlassen.

Das Ausfräsen der Wangen

Das hohe Maß an Vorfertigung erleichterte die Arbeit in der Werkstatt. Hier wurde der Faltwerk-Treppenlauf mit der Antrittsstufe verbunden und auf die Rohwange gestellt. Nun konnte der Lauf auf die Wange übertragen und das Fräsbild angerissen werden.

Gefräst wurde mit der Oberfräse. Zum Fräsen der Wandwange kam ein stirn- und umfangschneidender Bündigfräser von Stehle mit oben sitzendem Anlaufring zum Einsatz. Oft werden diese Fräser zum Bündigfräsen und Kopieren eingesetzt. Daher sind sie nur äußerst selten auch stirnschneidend zu bekommen. Der Anlaufring tastete beim Fräsen eine auf dem Anriss befestigte MDF-Schablone ab und erzeugte somit ein passgenaues Fräsbild.

Durch das Eins-zu eins-Übertragen des Treppenlaufes passte das Fräsbild hundertprozentig zum vorgefertigtem Treppenlauf. Die Arbeitszeit von Hand hielt sich durch diese Vorgehensweise in Grenzen und nach der Oberflächenbehandlung zeigte sich der große Vorteil der Bestellung aller Treppenteile von einem Lieferanten. Es gab kaum Farbunterschiede und die gesamte Treppenanlage passt farblich, wie von den Bauherren gewünscht, aus einem Guss. Optisch blieb nichts dem Zufall überlassen und selbst als Fachmann findet man nichts was auf mehrschichtig verleimtes Material schließen lässt. Deckenverkleidungen sowie Tritt- und Setzstufen sind im Sichtbereich aus einem Blatt fugenlos gefertigt. Dort, wo man als Fachmann Hirnholz erwartet, findet man Hirnholz.

Kein Knarren, keine Spannungsrisse

Begeisterung pur ruft nach Angaben der Bauherren ihre Treppe bei Gästen und Besuchern hervor. Einige Jahre sind nach dem Einbau der Treppe vergangen. Gebrauchsspuren sucht man vergeblich. Fugen oder Knarrgeräusche sind kein Thema und die Bauherren sind nebst Nachwuchs immer noch von ihrer Treppe in Faltwerkoptik begeistert.


Steckbrief

Projekt: Treppe in Faltwerkoptik mit eingestmmter Wandwange für ein Einfamilienhaus

Ausführung: Sven Berner, Tischlermeister

Zuliefertiele: Bimbo Holzwerk GmbH & Co. KG, Sexau, www.biehrer.com