Treppe in Kernesche

Die Chamäleon-Treppe

Sie ist Treppe, sie ist Möbel – und fast schon Relief. Wie ein Chamäleon gliedert sich diese Treppe im Münchener Architekturbüro Pur in den Raum dahinter ein.

Eine Treppe, die nicht auf eine Galerie führt, sondern damit verschmilzt, und die sich wie ein Möbel in die restlichen Einbauten des Raums einfügt: Die Pur-Architekten (www.pur-architekten.de) verwandelten eine Autowerkstatt in ihr eigenes Ladenbüro nebst Galerie. Sie setzten auf Kernesche und ließen damit das Geländer, die Galeriebrüstung und die Wand hinter der Treppe furnieren. Der Verlauf der Furniere folgt nicht der jeweiligen Konstruktion darunter. Stattdessen zieht sich die horizontale Maserung durch und überzieht die unterschiedlichen Bauteile wie eine Tapete, hinter der die eigentlichen Strukturen zurücktreten. Als neue Galerieebene zog eine Deckenkonstruktion aus Kastenelementen auf Trägern in die entkernten Räumlichkeiten ein. Darunter ist Platz für eine offene Bürozone auf der Fensterseite und einen in Trockenbauweise abgegrenzten WC- und Abstelltrakt nebenan. So ist die Rückwand jener Nebenräume oder vielmehr deren Wandbekleidung gleichzeitig das Rückgrat der Treppe zur Galerie.

Ihre Basis bilden seitliche Wangen, die an einem der auskragenden Deckenträger befestigt sind. Die vordere Wange wird auf der Galerieebene zum Randbalken. Das Treppengeländer geht in die Brüstung über. Die hintere Wange wird zur Wandbekleidung und mündet in der Galerieebene in eine Absturzsicherung. Dies machte die mit der Treppe betraute Schreinerei Mihm in Hofbieber (www.mihm.de) dadurch möglich, dass sie alle Elemente aus 30-mm-Tischlerplatten fertigte und die Wangen aus 20-mm-Platten aufdoppelte. So liegen die Trittstufen sicher auf, ohne dass die durchlaufende Optik der mit Esche furnierten Konstruktion gestört wird.

Tritt- und Setzstufen bestehen aus massiver, 30 mm dicker Esche und wurden als Winkelstufen zusammen mit den Aufsatzwangen, Geländer und Brüstungselementen in der Werkstatt vorgefertigt. Die Plattenstoße wurden mit Schwalbenschwanzverbindern ausgebildet.


Christine Ryll ist Architektin und schreibt als Architekturjournalistin über die Themen Bau, Architektur und Immobilien. In dds hat sie bereits häufiger ausgefallene oder besondere Treppen vorgestellt.

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