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Die Brücke zum Schlosser

Bauelemente
Die Brücke zum Schlosser

Stahlwangentreppen sind beliebt, bereiten aber in der Zusammenarbeit mit dem Schlosser viele Schwierigkeiten. Walter Heußlein hat die Konstruktion so modifiziert, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert.

Stahlwangentreppen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Schreinermeister Walter Heußlein in Birkenfeld bei Würzburg kam hier zunächst nur als der Zulieferer der Trittstufen für den Schlosser ins Geschäft. Die übliche Konstruktion mit aufgeschweißten Stahlwinkeln, auf die die Stufen aufzulegen und von unten her festzuschrauben sind, gefiel ihm nicht und bescherte ihm immer wieder Probleme. Das größte Manko ist der von unten sichtbare Stahlwinkel mit der unsauberen, von Hand erzeugten Schweißnaht. Dem Schlosser fällt es offensichtlich schwer, die im Treppenbau erforderliche Präzision einzuhalten. Beim Schweißen erhitzt sich die Wange und verformt sich, sodass zusätzliche Maßabweichungen auftreten.

Ein weiteres Problem ist das Festschrauben der Stufen. Damit das Holz sich nicht zur Stirnseite der Stufe hin aufspaltet, sind die Schrauben nicht senkrecht, sondern schräg zur Stufenmitte hineinzudrehen. Die schief sitzenden Schrauben sehen nicht nur unschön aus, sie können bei der Montage die Wangen auch leicht aus dem Lot drücken. Das erschwert die Montage. Walter Heußlein wollte die Stahlwangentreppe in sein eigenes Programm aufnehmen und machte sich Gedanken, wie sich die Konstruktion verbessern ließ. Zunächst suchte er sich einen Schlosser mit einer CNC-Laserschneidmaschine als Zulieferer. Statt der aufgeschweißten Auflagewinkel entschied er sich für ein ausgelasertes, 12 mm dickes Stahlblech mit Rechteckzapfen an den Enden sowie zwei Bohrungen zum Festschrauben der Stufen (siehe Zeichnung rechts). Diese lassen sich präzise in die ebenfalls gelaserte und mit Rechtecklöchern versehene Wange einstecken und vorsichtig und ohne sich zu verziehen von der Außen- und Innenseite aus verschweißen. Der Schlosser kann die Schweißnähte auf der Außenwange so verputzen, dass sie nach dem Lackieren nicht mehr zu erkennen sind. Die formschlüssig positionierten und verschweißten Auflager wollte Walter Heußlein in stirnseitig in die Stufen eingebrachten Nuten verstecken. Er setzt die Nute etwa 30 mm hinter der Vorderkante ein und lässt sie nach hinten durchlaufen. So kann er die auf der CNC vorgebohrten Stufen auf der Baustelle einfach aufschieben und verschrauben. Den Austritt der stirnseitigen Nuten versteckt der Schreiner hinter einer mit einem Falz abgesetzten Holzleiste an der Stufenrückseite.
Mit einer pfiffigen Konstruktionsidee und einem gut ausgestatteten Schlosser als Zulieferer hat Walter Heußlein eine weitere attraktive Treppe in sein Programm aufnehmen können. – GM

Steckbrief

Schreinerei Walter Heußlein
Walter Heußlein beschäftigt acht Mitarbeiter. Er hat sich auf den gehobenen Innenausbau sowie Treppen spezialisiert und fertigt Brandschutztüren in TSH-Lizenz.
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