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Der Lack ist ab

Bauelemente
Der Lack ist ab

Woran liegt es, wenn sich bei Holzfenstern nach wenigen Jahren die Beschichtung ablöst? Der Sachverständige Guido Strasser schildet einen Fall aus der Praxis.

Dipl.-Ing. (FH) Guido Straßer

Bei einem größeren Bauvorhaben werden weiß beschichtete Holzfenster im System IV 68 nach DIN 68121 eingebaut. Nach ca. zwei Jahren zeigen sich Beschichtungsablösungen im äußeren Bereich der Flügelrahmen. Die Ablösungen werden auf erhöhte Rest-Baufeuchte zurückgeführt. Der Anstrich der betroffenen Fenster wird daraufhin überholt. Nach weiteren zwei Jahren zeigen sich erneut Beschichtungsablösungen an den Flügelrahmen, die zur Ratlosigkeit beim Bauträger und Fensterbauer führen.
Auf Spurensuche
Der Sache soll nun durch einen Gutachter auf den Grund gegangen werden. Im Rahmen der Objektbesichtigung werden Beschichtungsablösungen an den außenseitigen Oberflächen der Flügelrahmen festgestellt. Die Farbablösungen sind unregelmäßig über die Flügelrahmen verteilt und lassen stellenweise einzelne Holzstücke in den Fensterkanteln erkennen. Es sind überwiegend Fenster in den Dachgeschossen der Wohngebäude betroffen.
Bei genauerer Betrachtung können Versätze im Bereich der Rahmenverbindungen an den Querteilen der Flügelrahmen festgestellt werden, die auf eine nachträgliche Auffeuchtung der Holzkonstruktion schließen lassen. Bei Messungen werden außenseitig höhere Holzfeuchten als auf der Raumseite festgestellt, stellenweise beträgt die Holzfeuchte 17 %. Desweiteren sind Feuchteansammlungen am Blendrahmen im Bereich der Dampfdruckausgleichsöffnungen vorhanden. Die Dampfdruckausgleichsöffnungen zeigen Spuren von erhöhter Feuchtebelastung, sodass eine Öffnung der Verglasung veranlasst wird.
Glasleisten als Problemzone
Die Glashalteleisten sind als überfälzte Rahmen ausgebildet und in den Gehrungen mechanisch verbunden. Die Befestigung erfolgte durch Nagelung im Bereich der Glasabdichtung. Damit der Glashalterahmen leicht zu montieren war, wurde dieser mit Luft (Spiel) eingebaut. Im unteren Bereich des Glasfalzes zeigen sich deutliche Spuren von Feuchte und auch die Befestigungen sind stark korrodiert.
Diese Glashalterahmen entsprechen nicht den Vorgaben der DIN 68121. In Grafik 1 ist die ausgeführte Glashalteleiste der Glasleistenkonstruktion nach 68121 gegenübergestellt. DIN 68121 kennt weder überfalzte Glashalteleisten noch eine Nagelung im Bereich der Glasabdichtung, sodass grundsätzlich die Eignung der geänderten Detailausbildung nachzuweisen ist. Die Nagelung im Bereich der Glasabdichtung ist bei Feuchtebeanspruchung kritisch zu bewerten. Aufgrund der luftdichten Bauweise ist eine hohe Feuchtebelastung in Wohngebäuden regelmäßig gegeben. Durch Feuchtebeanspruchung neigen die im Bereich der Glasabdichtung genagelten Glashalteleisten zum wegdrehen und zeigen schon nach kurzer Zeit Fugen zwischen Glashalteleisten und Fensterrahmen. Dabei dürfen Fugen zwischen Glashalteleiste und Glasfalz gemäß Richtlinie zur visuellen Beurteilung einer fertigbehandelten Oberfläche bei Holzfenstern und -türen nicht breiter als 0,5 mm sein.
Die überfalzten Glashalteleisten stellen diesbezüglich eine »Weiterentwicklung« dar. Jedoch sind nach IVD-Merkblatt Nr. 10 abdichtende Maßnahmen zwischen Glashalteleiste und Glasfalz erforderlich, wenn die Anlage der Glashalteleiste am Rahmen nicht sichergestellt ist oder hohe Feuchtebelastungen vorliegen.
Die Fuge muss dicht sein …
Im gegebenen Fall fehlt eine fachgerechte Abdichtung zwischen Glashalteleiste und Glasfalz. Anhand der Spuren und der gemessenen Holzfeuchten war zu erkennen, dass die untersuchten Fenster anhaltend unter einer hohen Feuchtebeanspruchung standen. Feuchte Luft ist leichter als trockene Luft und steigt nach oben. In den Dachgeschossen können sich deshalb erhöhte Luftfeuchten einstellen. Durch einströmen von feuchtwarmer Luft in den Glasfalz und Tauwasserbildung an den kühleren Oberflächen im Falzbereich, beispielsweise an der Verglasung, kommt es zu einer Auffeuchtung der Flügelrahmen.
… und zwar dauerhaft
Das Temperaturgefälle in der kalten Jahreszeit führt zu einem Wasserdampfdruckgefälle von innen nach außen und damit zu einem Wasserdampfstrom nach außen. In der Folge kommt es zu einer Anreicherung der Feuchte an der Grenzschicht zwischen Holzoberfläche und äußerer Beschichtung und schließlich zu den in Erscheinung getretenen Beschichtungsablösungen.
Der vorliegende Fall zeigt, dass Fugen zwischen Glashalteleisten und Glasfalz nicht nur ein optisches Problem darstellen, sondern zu Schäden führen können. Glashalteleisten sind dauerhaft luftdicht auszubilden. Werden die Glashalteleisten im Bereich der Glasabdichtung genagelt, sollten regelmäßig zusätzliche Maßnahmen zur Abdichtung der Glashalteleisten ergriffen werden. Die überfalzten Glashalterahmen stellen eine günstige Lösung hinsichtlich des Erscheinungsbildes der Fugen dar. Die Glashalterahmen sind jedoch fachgerecht abzudichten.

Kontakt
dds-Autor Guido Straßer ist von der Handwerkskammer München und Oberbayern öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Schreinerhandwerk, Fachgebiet Fensterbau.
Guido Straßer 81675 München Tel.: (089) 45579747 info@sv-guido-strasser.de www.sv-guido-strasser.de
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