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Anforderungen an Fenster im Denkmalschutz

Bauelemente
Anforderungen an Fenster im Denkmalschutz

Abb. 1: Der Denkmalschutz beruft sich für die Befreiung von der CE-Kennzeichnung auf § 4(4) des BPG Abb. 2: Von den Vorgaben der EnEV kann im Einzelfall abgewichen werden Abb 3: Bayrische Lösung: Die denkmalrechtliche Erlaubnis schließt alle bauordnungsrechtlich notwendigen Zustimmungen und Abweichungen mit ein
Seit dem 1. Februar 2010 ist die CE-Kennzeichnung von Fenstern und Außentüren gemäß Produktnorm DIN EN 14351-1: 2006-07 verpflichtend. Im Bereich der Bauerneuerung, speziell für Fenster und Außentüren die unter Denkmalschutz stehen, gibt es jedoch Ausnahmen.

Ralf Spiekers, BHKH, Berlin

Ein Bauprodukt darf gemäß Bauproduktengesetz (»BauPG«, siehe Abb. 1) nur in den Verkehr gebracht und frei gehandelt werden, wenn es brauchbar ist. Dazu wird das Produkt mit dem »CE« gekennzeichnet, so die Denkweise des Gesetzgebers. Die Forderungen an die Brauchbarkeit werden im Artikel 5 des Gesetzes näher beleuchtet. Hierzu zählen folgende Randbedingungen, die sich interessanterweise nicht nur an den Fensterhersteller, sondern auch an den Bauherrn richten:
  • die ordnungsgemäße Instandhaltung,
  • dem Zweck entsprechend verwendet,
  • für eine angemessene Zeitdauer,
  • die Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und
  • die Gebrauchstauglichkeit.
Die Gebrauchstauglichkeit heutiger Bauprodukte ist eng an die Erfüllung der wesentlichen Eigenschaften (engl. essential requirements) geknüpft. Diese leiten sich quasi von allgemeinen Schutzzielen an das Gebäude ab. Hierzu zählen die mechanische Festigkeit und Standsicherheit, der Brandschutz, die Hygiene, die Gesundheit und der Umweltschutz, die Nutzungssicherheit, der Schallschutz sowie die Energieeinsparung und der Wärmeschutz. Diesen Kriterien muss ein Bauprodukt – wie das Fenster oder die Außentür – durch normative Nachweise entsprechen.
Anforderungen im Regelfall
Welche Nachweise werden speziell benötigt? Die Fachverbände – wie der Bundesverband Holz und Kunststoff – haben dazu schon im August 2005 mit dem IFT Rosenheim die Anforderungen an Fenster hinsichtlich Wind-, Schlagregen- und Luftdichtheit in der gemeinsamen Richtlinie FE.05/2 zusammengefasst. Neben den genannten Eigenschaften sind im Regelfall die verordnungstechnischen Anforderungen an Fenster und Außentüren durch die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009, Abb. 2) beschrieben. Diese fordert für Fenster und Außentüren z. B. die notwendige Luftdichtheitsklasse, den luftdichten Bauteilanschluss, die Einhaltung der 13°C-Isotherme (FRSi) und gibt auch Maximalwerte beim UW-Wert vor. Abschließend ist die Korrektheit der erbrachten handwerklichen Leistung für bestehende Gebäude gemäß § 26 a der EnEV in der Unternehmererklärung zu bescheinigen.
Ausnahme Denkmalschutz
Ausnahmen von der Regel gibt es fast immer. Der Denkmalschutz beruft sich für den Formalakt der CE-Kennzeichnungspflicht auf den § 4(4) des BauPG. Dieses Gesetz sieht für den Einzelfall Ausnahmen von der CE-Kennzeichnung vor.
Im Denkmalschutzbereich ist sicher von einer Ausnahme nach § 4(4) auszugehen, so die durchgehende Sicht der Landesbaubehörden in Deutschland. Aber ganz frei von Formalakten ist auch dieser Bereich nicht. Allgemein sieht das BauPG in Verbindung mit den Landesbauordnungen eine von den unteren Bauaufsichtsbehörden zu erteilende Zustimmung im Einzelfall (ZiE) vor. Die Befreiung von der CE-Kennzeichnungspflicht bedeutet auch nicht, dass ein solches Fenster oder eine solche Außentür nicht auch bestimmte Leistungsmerkmale haben muss, um die objektspezifischen Anforderungen zu erfüllen. Für die Denkmalschutzprodukte muss man sich ebenfalls die Frage stellen, welche das sind. Salomonisch könnte man antworten, dass dies im Einzelfall festzulegen ist. Allein diese Betrachtung hilft nicht wirklich weiter. Aus Erfahrung ist bekannt, dass z. B. Fensterkonstruktionen wie das historische Kastenfenster nur wenig schlagregendicht sind. Auch in Sachen Luftdichtheit oder U-Wert weichen diese Konstruktionen von den ambitionierten Forderungen der EnEV 2009 ab. Die reduzierten Leistungswerte waren aber konstruktionsbedingt und – bezogen auf die historische Bausubstanz – sicher kein Mangel, da man durchaus mit der vorhandenen Performance der Elemente gut leben konnte.
Die bayerische Lösung
Im Zusammenhang mit der zu erwartenden Leistungsanforderung ist die bayerische Lösung, wie sie vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst skizziert wurde, äußerst pragmatisch. Es soll ermöglicht werden, dass die für die Veränderung eines Baudenkmals erforderliche denkmalrechtliche Erlaubnis alle bauordnungsrechtlich notwendigen Zustimmungen und Abweichungen einschließt, so der Wortlaut des Schreibens an den Landesfachverband Schreinerhandwerk Bayern. Somit ist die Ausführung der konstruktiven Vorgaben gleichzeitig auch die Erfüllung der baurechtlichen Anforderungen. Vereinfacht gesagt: Führt ein Hersteller sein Fenster nach den Vorgaben des Denkmalschutzes aus, ist nicht nur der Formalakt der CE-Kennzeichnung hinfällig, sondern auch der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit der Konstruktion erbracht. Steht zu wünschen, dass andere Bundesländer diesem Gedanken folgen und so diese Lösung bundeseinheitlich greift.
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