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Vier Türen für den Landtag

Ausbau
Vier Türen für den Landtag

Wenn Denkmalschutz und Brandschutz zusammentreffen, wird es knifflig. So auch bei der Sanierung der Bibliothek des Bayrischen Landtags. Schreiner Werner Sedlmeyr hat für dieses Projekt die Türen mit komplexen Anforderungen gefertigt.

60000 Bücher und rund 350 Zeitschriften hält die Bibliothek des Bayrischen Landtags vor – ganz schön viel Zunder, wenn’s brennt. Dazu verschachtelte Wege und ein Gesamtbild, das den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach. Grund genug also, nicht nur den Brandschutz auf den heutigen Stand der Technik zu bringen, sondern auch die räumliche Situation der Landtagsbibliothek neu zu ordnen. Keine leichte Aufgabe, denn das Maximilianeum, die Heimat des bayrischen Parlaments, steht unter Denkmalschutz. Von 1857 bis 1874 erbaut, beherbergt das Gebäude neben Parlament und Bibliothek auch eine Studienstiftung für Hochbegabte.

Schreiner Werner Sedlmeyr und sein Team erhielten den Zuschlag für die Lieferung und Montage der vier Zugangstüren zur Bibliothek. Klingt nach einem kleinen Auftrag. Die Auftragssumme von rund 60000 Euro lässt jedoch die Komplexität der Aufgabe erahnen.
Gefordert waren T30-Türen mit Rauchschutz und einer Schalldämmung nach DIN 4109 von 37 dB (Prüfwert), dazu elektromechanische Offenhaltungen mit Anschluss an die Rauchmeldezentrale, Gangflügel mit Freilauf; Panikbeschläge nach DIN EN 179 und Magnetkontakte für die Alarmanlage. Die Technik musste integriert werden in Rahmentüren, deren Profilierung nach den Vorgaben des bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz ausgeführt sind. U. a. waren gezapfte Rahmen, Sprossen mit Kreuzüberplattung und besonders schmale Rahmenansichten gefordert. Das verwendete Brandschutzglas sollte UV-beständig sein. Die Türzargen waren teilweise als Block-, teilweise als Umfassungszargen auszuführen.
Werner Sedlmeyr: »Gefragt war also eine handwerklich-individuelle Fertigung, kombiniert mit der Fähigkeit, die mandatierten Eigenschaften nachweisen zu können. Als Türenspezialist ist genau das unsere Stärke und hat in diesem Fall auch den Ausschlag dafür gegeben, dass wir den Auftrag bekamen.«
Die Sedlmeyr Spezialtüren GmbH beschäftigt rund 30 Mitarbeiter und macht vier Fünftel Ihres Umsatzes mit Türen. »Wir sind überwiegend im Objektbereich tätig, fertigen aber auch die eine Tür für den Privatkunden von nebenan« beschreibt Geschäftsführer Werner Sedlmeyr die Bandbreite seines Unternehmens. Außerdem übernimmt er auch Arbeiten für Kollegen, wenn z. B. in einem Innenausbaulos einige Türen enthalten sind und die technischen Anforderungen ein gewisses Maß an Komplexität übersteigen.
Für Aufträge wie die Türen im Maximilianeum nutzt Sedlmeyr das Lizenzsystem des österreichischen Türenspezialisten Sturm, mit dem er seit 2010 kooperiert. Sturm ist mit rund 60 Mitarbeitern einer der Marktführer für Spezialtüren in Österreich. Für Deutschland bietet das Unternehmen ein Lizenzmodell an, mit dem Tischler und Schreiner Feuerschutztüren selbst fertigen können (siehe Kasten rechts). »Gerade die Prüfzeugnisse für Rahmentüren sind bei Sturm sehr flexibel«, so Sedlmeyr. »Das erlaubte uns die denkmalgerechte Anpassung der Profilierung und die Integration der geforderten Technik.«
Sedlmeyr nutzt jedoch nicht nur das Lizenzmodell von Sturm. Für einige Anforderungsbereiche hat er selbst Prüfungen durchführen lassen und kann entsprechende Zertifikate vorweisen. So z. B. im Schallschutzbereich nach DIN 4109 (bis SSK 4 = 47 dB) oder bei der Klimastabilität für Türen im Außenbereich (bis Klasse E).
Eine Herausforderung stellte der Anschluss der Tür zu den Wandverkleidungen hin dar. Letztere sollten sauber in eine Nut im Türrahmen führen, sodass sich Sedlmeyr exakt mit den Kollegen der Schreinerei Bichler & Scholz, die den Innenausbau ausführte, abstimmen musste. »Diese individuellen Anpassungen sind eine unserer Stärken«, so Werner Sedlmeyr. »Wir haben uns in der Arbeitsvorbereitung so aufgestellt, dass wir flexibel auch auf kurzfristige Änderungen von Maßen und Konstruktionsdetails reagieren können.«
Neben der Fertigung der Brandschutztüren haben seine Mitarbeiter auch die gesamte Türtechnik montiert und die Rauchmeldezentrale verkabelt. Das in die Tiefe gehende Leistungsspektrum des Betriebes ist ein Plus für den Kunden – und sichert Sedlmeyr seine gute Position im Markt. – HJG

SteckbrieF

Objekt: Bibliothek im bayr. Landtag, München
Türen: Sedlmeyr Spezialtüren GmbH, 86316 Friedberg-Rinnenthal, www.spezialtueren.de
Innenausbau: Bichler & Scholz GmbH, 83024 Rosenheim, www.bichler-scholz.de

Das Lizenzsystem von Sturm
Sedlmeyr ist Lizenzpartner der Sturm GmbH aus Salzburg. Die bietet aktuell folgende Nachweise an: • Feuerschutztüren T30 (EI230C) • Feuerschutzverglasungen F30 (EI30) • Rauchschutztüren RS (Sa/Sm) • einbruchhemmende Türen RC II und III • Schallschutztüren RW,P bis 68 dB • Niedrigenergie- und Passivhaustüren bis U = 0,66 W/m2K • beschusshemmende Türen – FB4 • Strahlenschutztüren
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