Ausbau

»Auf einmal war sie weg«

Medienberichte über Diebstähle auf Baustellen sind zahlreich geworden und klingen dabei oft dreist oder spektakulär. Dabei ist der Klau bei Gelegenheit auf der Montage weit verbreitet. Einen sicheren Schutz gegen den Verlust, vor allem an Werkzeugen, gibt es kaum.

Ob Material, Elektrowerkzeuge oder gar schweres Gerät – geklaut wird auf Baustellen offenbar so ziemlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Es sind die teils bandenmäßig organisierten Diebstähle, die in den Medien auf großes Echo stoßen. Der Eindruck vom Selbstbedienungsladen ohne Kassenhäuschen bleibt zurück. Man traut sich kaum, einen Hinweis zu geben: denn die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Das Bundeskriminalamt (BKA) kann keine Steigerung von Diebstahldelikten auf Baustellen in den letzten Jahren verzeichnen. Im Gegenteil: die Tendenz ist derzeit rückläufig. Freilich erfasst das BKA lediglich diejenigen Fälle, die auch zur Anzeige gebracht werden. Das dürfte für den Großteil der Baustelleneinbrüche und umfänglichen Diebstähle der Fall sein. Bei einer Aufklärungsquote um zwölf Prozent hat die Diskussion um Sicherheitsvorkehrungen wie Videoüberwachung ihre Berechtigung. Aber den Eindruck eines zunehmenden Problems spiegeln die Statistiken schlicht nicht wider.

Dennoch ist es ein Thema, wenngleich kein neues. Denn wem sein Akkuschrauber auf der Baustelle abhanden kommt, der geht meist nicht zur Polizei. Und solche Fälle sind weder neu und wohl auch zahlreich. Im Falle von Schreinern tragen sie oft weibliche Namen wie Hilti, Erika oder allgemein »die Maschine«. Der Klau auf Baustellen – ob unter »Kollegen« oder durch Gelegenheitsakteure ist wohl so alt wie die Baustelle selbst und bleibt meist im Dunklen. Die Polizei gibt keine Auskunft über vermutete Dunkelziffern. Es geht dabei ganz einfach: Man »leiht« sich ungefragt ein Werkzeug aus und schließlich verschwindet es im Transporter ohne Fenster. Oder man marschiert entsprechend gekleidet ohne Mandat auf die Baustelle und fängt an, aufzuräumen. Ganz so, als ob man einen Auftrag hätte. »Je größer die Baustelle, desto unpersönlicher das Miteinander und um so mehr wird geklaut«, so der Chef eines Montagebetriebes, der nicht genannt werden will. Da kommt während der Mittagspause dann schon Mal eine Säge abhanden, auch wenn diese 40 kg wiegt. »Je neuer und teurer die Maschinen, desto größer scheint die Begierde zu sein«, so der Montageprofi. Und: Vor den Urlaubszeiten im Sommer und vor Weihnachten häuften sich solche Ereignisse. Aber auch Material und Fertigprodukte sind Gegenstand der Begierde.
Gelegenheit macht Diebe
Werkzeuge und Material gegen den »Schwund« zu sichern, das ist ein Dauerthema. Denn das Material immer einschließen und Maschinen nicht außer Acht lassen – das ist kaum möglich bei der Arbeit. Wohin mit den vierzig Türen samt Futter während der Mittagspause? Oder die Kappsäge vom fünften Stock runtertragen, um sie hinter Schloss und Riegel zu verstauen? Gelegenheiten für Klau zu vermeiden ist in der Praxis schwierig. Wenn dann etwas wegkommt, bleibt der Handwerker meist auf dem Schaden sitzen. Denn dieser haftet in der Regel bis zur Abnahme, weil er verpflichtet ist, das Werk so abzuliefern, wie es beauftragt wurde. Der Bauherr kann also auch nach dem Diebstahl der vierzig Türen verlangen, dass diese geliefert und montiert werden. Es sei denn, die Sicherungen auf der Baustelle, für die der Bauherr verantwortlich zeichnet, waren nicht ausreichend. Streitfälle sind also vorprogrammiert. Also doch Material und Werkzeug versichern? Leider ist das Angebot der Versicherungen unübersichtlich und oft lückenhaft. Eine Bauleistungsversicherung etwa, deckt den Verlust von Baustoffen und Bauteilen für ein bestimmtes Objekt ab. Schäden durch unvorhersehbar eintretende Ereignisse, wie Unwetter, mutwillige und vorsätzliche Beschädigung und auch fahrlässiges Handeln von Bauarbeitern sind darin enthalten. Gegen einen Diebstahl eingebauter Leistungen muss man sich aber in der Regel extra versichern. Und auch noch nicht montierte Teile decken diese Policen oft nicht ab. Vom Klau aus dem Fahrzeug ganz zu schweigen. Also auch mit Versicherungen bleibt viel Risiko auf der Seite des Handwerkers, obwohl seine Kalkulation dann schon recht belastet ist mit den Prämien. »Schon der Selbstbehalt im Schadensfall ist viel zu hoch«, weiß der Montageprofi.

Problem erkannt, Gefahr gebannt?
Vor einigen Jahren bot Hilti ein elektronisches Diebstahlschutzsystem an, ähnlich wie die Wegfahrsperre beim Auto. Inzwischen hat Hilti das System abgeschafft, da Kunden es wenig nachfragen. Ein gewisser Schutz besteht über das Flottenmanagement – über die Seriennummer wird bei einer Reparatur der Eigentümer bestimmt.
Ähnlich klingt es bei Metabo. »Der elektronische Code wird nicht mehr angeboten, weil er von den Anwendern nicht angenommen wurde«, so Elke Vetter für Metabo.
Dagegen hat Festool in das Service Paket «All-inclusive» die Diebstahlsicherung aufgenommen. Neben einer Reihe von Service-Leistungen ersetzt das Unternehmen auch gestohlene Maschinen. Bei Registrierung bietet der Festool Service 36 Monate lang einen Schutz im Falle des Diebstahls.
Bei Mafell gibt es eine Art »Vollkasko-Versicherung« gegen allerlei Schädigungen, einschließlich Diebstahl. Gegen Berechnung eines Eigenanteils ist das der Ersatz der Reparaturkosten oder ein Austauschwerkzeug im Zeitraum von drei oder fünf Jahren.
Bei Fein gibt es ein ähnliches »Rundum-Sorglos-Paket« ab 28 Cent pro Monat, für eine Dauer von 36 Monaten.

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