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»An einem Strang ziehen«

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»An einem Strang ziehen«

Um Produkte mit einem Nachhaltigkeitssiegel wie z.B. PEFC auszeichnen zu können, müssen sich alle Unternehmen der Verarbeitungskette zertifizieren lassen – auch Tischler und Schreiner. Ein Appell von Lars Schmidt vom Buchenholz-Spezialisten Pollmeier.

Die anhaltende Klimaschutzdiskussion, die durch vermehrt auftretende Unwetter und Katastrophen regelmäßig neue Brisanz erhält, hat zu einem verstärkten Umweltbewusstsein geführt. Schon 2006 ergab eine repräsentative Bevölkerungsumfrage der Universität Marburg einen eindeutigen Aufwärtstrend des Umweltbewusstseins. 25% der Deutschen zählten damals den nicht ausreichenden Umweltschutz zu einem der wichtigsten Probleme in Deutschland, nur »übertroffen« vom schwachen Arbeitsmarkt. Es handelt sich dabei nicht nur um ein diffuses Gefühl. Das Umweltbewusstsein beeinflusst aktiv die Handlung der Menschen in Deutschland, wie eine Emnid-Umfrage belegt: 92% der Befragten würden sich bei gleichem Preis für ein zertifiziertes Holzprodukt entscheiden und über 70% selbst dann, wenn dieses mehr kosten würde. Mit dem gestiegenen Umweltbewusstsein steigt also auch die Bereitschaft, auf die ökologische Herkunft von Holzprodukten zu achten.

Regierung verlangt Zertifikate
Diesen Trend bestätigt auch PEFC, das mit einer zertifizierten Fläche von mehr als 200 Mio. Hektar, weltweite größte Waldzertifizierungssystem. Allein in Deutschland hat die Organisation zwei Drittel der Wälder zertifiziert und eine steigende Anzahl von Holz ver- und bearbeitenden Unternehmen ausgemacht, die großen Wert auf eine nachhaltige Herkunft ihrer Rohwaren legen. Bislang haben sich knapp 900 deutsche Unternehmen für eine PEFC-Zertifizierung entschieden, und der Druck der Kunden auf die Unternehmen wächst. Das belegt etwa die Beschaffungsrichtlinie der Bundesregierung, die seit Anfang 2007 verlangt, dass nur noch solche Holzprodukte durch Regierungsstellen bezogen werden dürfen, die über ein Nachhaltigkeitszertifikat verfügen. Gleiches gilt übrigens auch für die Landesbehörden Baden-Württembergs, das als erstes Bundesland die Richtlinie des Bundes adaptiert hat. Durch den zunehmenden Nachhaltigkeitsanspruch von Verbrauchern und Regierung ist eine Zertifizierung nicht nur eine strategische Entscheidung und gut für das Unternehmensimage, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.
PEFC-Ware oft ohne Mehrpreis
Wie können Holz verarbeitende Unternehmen diesen Trend nutzen? Einen glaubwürdigen Herkunftsnachweis von Holz und Holzprodukten liefern Waldzertifizierungssysteme wie das genannte PEFC, denn sie geben nicht nur Standards für die Waldbewirtschaftung vor, an die sich die zertifizierten Waldbesitzer halten müssen, sondern überwachen gleichzeitig die gesamte Verarbeitungskette. Das Bundesministerium für Umwelt sowie Greenpeace kommen zu dem Ergebnis, dass viele Tropenhölzer nach wie vor zu 60 bis 80 Prozent aus illegalem Einschlag stammen. Im Gegensatz dazu sind europäische Laub- und Nadelhölzer problemlos und oft ohne Mehrpreis mit PEFC-Zertifikat erhältlich. Die Pollmeier-Gruppe, Betreiber der weltweit größten Buchenholzsägewerke, setzt auf PEFC und bietet seine Buche ohne Aufpreis mit dem Zertifikat an. Hinzu kommt, dass einheimische Holzarten aufgrund der kürzeren Transportwege von Haus aus eine bessere Ökobilanz aufweisen. Um die Nachhaltigkeit der eigenen Produkte mit dem PEFC-Logo belegen zu können, ist es notwendig, dass sich alle Unternehmen der Verarbeitungskette, der sogenannten »Chain-of-Custody«, zertifizieren lassen, also auch Schreinereien und Möbelhersteller. Denn nur so kann die Herkunft der Holzprodukte verfolgt werden, von den zertifizierten Wäldern bis zur fertigen Treppe oder Küche.
Regionaler Ansatz
Und gerade wenn es um die heimische Waldwirtschaft geht, ist PEFC die erste Wahl, denn der regionale Ansatz von PEFC ermöglicht auch kleinen Waldbesitzern, wie sie für Mitteleuropa typisch sind, eine Zertifizierung. Dabei werden alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt – Ökologie, Soziales und Ökonomie. Denn nur wenn Waldbesitzer, Verarbeiter und Verbraucher an einem Strang ziehen, kann eine nachhaltige Forstwirtschaft es ermöglichen, den Wald mit all seinen wertvollen Funktionen auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Lars Schmidt
»Sich zertifizieren zu lassen ist nicht nur gut füs Image, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.« Lars Schmidt

Kompakt Hintergrund: Pollmeier und PEFC
Lars Schmidt ist Marketingleiter bei der Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG und engagiert sich im Arbeitskreis »Zertifizierung« der Holzindustrie. Pollmeier setzt auf das PEFC-System, weil das Unternehmen, so Schmidt »auf Holz der kurzen Wege Wert legt und die Waldflächen im Umkreis von 150 km um die Sägewerksstandorte zum größten Teil PEFC-zertifiziert sind«.
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