Schleiftechnik in der Sportartikelherstellung

Expertenwissen gefragt

Kaum eine andere Sportart ist so typisch schweizerisch wie das Hornussen. Für die Herstellung der benötigten Werkzeuge wie Schindel und Träf kommt Schweizer Präzisionsschleiftechnik von Kündig zum Einsatz.

Bourquin & Eggli in Busswil ist einer der wenigen zertifizierten Hersteller von Hornusserwerkzeug. Für die auf den ersten Blick so einfach aussehenden Werkzeuge wie Schindel und Träf kommen moderne Verfahren wie mechanische und thermische Holzmodifikation zum Einsatz, profundes Expertenwissen ist gefragt. Peter Bourquin von Bourquin & Eggli ist ein anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet: »Nehmen Sie als Beispiel das Träf, das zylinderförmige Schlagholz am Ende des Steckens. Damit es bei den Streichen mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h nicht zerbricht, reicht normales Hartholz nicht aus. Das Holz wird luftgetrocknet, dann auf etwa 50 Prozent des ursprünglichen Volumens verdichtet und danach wärmebehandelt.« Dabei sei die Holztrocknung entscheidend: »Das ist wie bei Musikinstrumentenholz, künstliche Trocknung geht nicht. Ich kaufe das Rundholz ein, lasse es bei einem mobilen Säger einschneiden und lagere es dann jahrelang.« Mit nur fünf bis sieben Prozent relativer Holzfeuchte ist das Material danach ungewöhnlich trocken: »Das muss sein, sonst verhält es sich beim Verdichten wie ein Schwamm.« Für das Träf werde überwiegend Weißbuche verarbeitet, aber auch Ahorn, Rotbuche oder Nuss: »Das hängt von den Vorlieben des Spielers ab. Ältere Spieler haben gerne Nussholz, weil der Streich damit richtig klingt.«

Für die Stecken werden heute statt der früher üblichen Eschenruten zum Beispiel Kohlefasern verwendet. Auch in der Schindel steckt mehr, als man ihr ansieht. Sie muss stabil und möglichst leicht sein. Erreicht wird das durch einen Werkstoffverbund. Ein Kern aus leichtem Pappelholz wird mit einem Aramidfasernetz verstärkt und furniert. »Pappel aus Auwäldern ist widerstandsfähiger, weil die Bäume gelegentlich im Wasser stehen und dabei Mineralstoffe aufnehmen«, breitet Peter Bourquin sein profundes Wissen über Holz aus.

Geschliffen wird bei Bourquin & Eggli mit Schweizer Hightechmaschinen der Kündig AG. Mit der Uniq-S-Kantenschleifmaschine werden die Schindelstiele geformt: »Da ist der Schleifigel für die kleinen Radien sehr gut«, sagt Bourquin. Auch die »große« Kündig hat es ihm angetan: »Mit der Breitbandschleifmaschine Premium-2 1350-RP kann ich haltbarere Schindeln herstellen«, lächelt er und liefert gleich die Erläuterung: »Früher haben wir die Schindelplatten ausgehobelt. Dabei reißt das zähe Pappelholz aber aus. Mit unserer jetzigen Maschine sind die Schindeln einfacher zu kalibrieren und auf Zehntel genau parallel. Auch die geringen Rüstzeiten seien angenehm: »Ich kann Kerne kalibrieren und dann auf Knopfdruck auf das Feinschleifen der furnierten Schindeln umschalten – einfach und praktisch.«

Kündig GmbH

99867 Gotha

Tel.: (03621) 8786-100, Fax: -200

www.kundig.de


Ein Mannschaftssport mit Elementen des Einzelwettkampfes

Hornussen ist eine der drei traditionellen Schweizer Nationalsportarten. Bei diesem Sport geht es darum, den »Nouss« (Hornuss), einen 78 g schweren, rundlichen Kunststoffkörper möglichst weit ins gegnerische Feld zu befördern. Der Abschläger benutzt dazu einen elastischen, bis zu 3 m langen Stecken, an dessen Ende ein Rundholz – das sogenannte Träf – befestigt ist. Die im Feld aufgestellten »Abtuer« der gegnerischen Mannschaft versuchen den Nouss mit vorgehaltener oder hochgeworfener Schindel möglichst früh aufzuhalten, bevor er den Boden berührt. Das Spielfeld ist 160 bis 200 m lang und beginnt 100 m vom Abschlagbock enfernt. Ein Spiel hat keine festgelegte Dauer. Im Normalfall werden zwei Umgänge gespielt, wobei jede Mannschaft pro Umgang einmal schlägt und einmal abtut. Jeder einzelne Spieler schlägt pro Umgang zwei Streiche mit drei Versuchen. Das Spielen von zwei Umgängen dauert drei bis vier Stunden. Eine Mannschaft hat je nach Stärkeklasse 18+1 oder 16+2 Spieler. Die aktuell gespielte Form stammt wahrscheinlich aus dem Emmental und wurde 1625 erstmals erwähnt. Heute wird Hornussen hautpsächlich in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau ausgeübt. Ähnliche Spiele waren jedoch im ganzen Alpenraum verbreitet. Zwischen der Sportart und der Ortschaft Hornussen im Kanton Aargau gibt es keinen direkten Zusammenhang.

Quelle: www.lebendige-traditionen.ch

Ein Hornusser befördert den Nouss mit Hilfe des Steckens ins gegnerische Feld