Präsentation mit Virtual Reality: eine per 3D-CAD-erstellte Umgebung wrid mithilfe einer VR-Brille und in diesem Fall zusätzlich mit einem Datenhandschuh erkundet. Symbolbild. Imos AG
VR und AR in der Präsentation

Virtual Reality für Schreiner

Schreinermeister und Wintergartenbauer Matthias Brack ist von den Möglichkeiten, die Virtual und Augmented Reality bieten, begeistert. Für dds beschreibt er, welche Chancen er darin sieht und wie er die Technik in seinem eigenen Betrieb einsetzt

Das grösste Problem unserer Kunden ist: Sie können sich nur sehr schwer vorstellen, wie unsere fertigen Schreinerprodukte am Ende aussehen! Ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen haben, stellt sich erst meist ganz am Ende des Auftrages heraus. Es ist also vor allem im Verkauf, aber auch später in der Fertigung von entscheidender Notwendigkeit, dass wir unsere Leistungen bereits am Anfang professionell und vollständig präsentieren und den Kunden dabei begeistern können.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich dreidimensionale Konstruktion sehr viel getan. Wirklich bahnbrechend ist der kommerzielle Einsatz von Virtual Reality (»VR«) in der Präsentation. Mit Hilfe einer VR-Brille können wir unseren Kunden durch sein neues Wohnzimmer, seine Büroräume oder auch den Wintergarten führen. Und zwar nicht nur am Bildschirm, sondern eins zu eins und mitten drin. Der Kunde kann sozusagen in seine Planung springen und das Raumgefühl erleben, bevor die Fertigung beginnt. Mit dieser Technik haben wir ein Werkzeug bekommen, das uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnet!

Wer bereits in 3D zeichnet, für den ist der Schritt in die virtuelle Realität in der Regel nur noch ein kleiner. Viele Softwarehersteller bieten bereits Anbindungen an die gängigen VR-Brillen. Auch mit kostenloser Software aus dem Netz können 3D-Modelle in virtuelle Räume umgerechnet werden. Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen. Es reicht eigentlich eine VR-Brille und ein Controller, um sich im virtuellen Raum zu bewegen. Ganz professionelle Systeme haben zusätzlich noch Sensoren, die die Bewegung der Brille, sprich des Kopfes genau mitverfolgen und so eine noch bessere Immersion (= Gefühl des Eintauchens) vermitteln.

Steckte die VR-Technik vor wenigen Jahren noch in den Kinderschuhen, so können heute vielfältige Features genutzt werden. Gebäude können über Google Maps genau auf den Standort ausgerichtet werden. Damit kann z. B. der Lichteinfall berechnet und zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten simulieren werden. Das kann auch behilflich sein bei der Auswahl geeigneter Beschattungsanlagen für die Räume. Eine Vielzahl an Lichtquellen kann simuliert werden, sodass der Kunde schon im Vorfeld einen naturgetreuen Eindruck bekommt, wie sein Objekt bei unterschiedlicher Beleuchtung wirkt.

Mit den ganz neuen Systemen ist es sogar möglich, dass der Kunde sich von zu Hause aus (vorausgesetzt ihm steht die Technik auch zur Verfügung) mit mir als Planer im virtuellen Raum treffen kann und wir diese gemeinsam besprechen. Auch zur Besprechung kniffliger Konstruktionsdetails bietet VR Möglichkeiten, denn ich kann mit dem ausführenden Mitarbeiter bereits im Vorfeld die Konstruktion begutachten und kritische Stellen besprechen.

Natürlich kann dieser Aufwand aus meiner Sicht nicht kostenlos betrieben werden. Ich empfehle daher allen Kollegen, sich Gedanken zu machen, wie man dem Kunden diesen Service verrechnen kann.

Von Vorteil ist, dass virtuelle Zeichnungen nicht mit nach Hause genommen werden können. Der Kunde muss zu uns in den Betrieb kommen und ich habe die Chance, meine Leistung attraktiv zu präsentieren. Kunden, die noch nie mit VR zu tun hatten, sind besonders beim ersten Mal begeistert von dem Raumerlebnis. Die Technik bietet noch viele weitere Möglichkeiten, so können z. B. mittlerweile auch Fotos und ganze Videos in VR produziert werden.

Erlauben Sie mir noch zwei Sätze zu Augmented Reality (»AR«), einer Technik, die enormes Potenzial hat. Sie ermöglicht virtuelle Objekte ins Sichtfeld des Brillennutzers einzublenden. So kann sich der Kunde z. B. bereits vorab ansehen, wie das von Ihnen konstruierte Möbel in seinem Wohnzimmer wirkt!

Diese Technik wird aber auch unseren Arbeitsalltag als Handwerker verändern. So können z. B. Montageanleitungen oder Videos in das Sichtfeld des Monteurs eingeblendet werden. Auch ist eine Baustellenbesprechung möglich, in dem Sie vom Büro aus das Blickfeld des Monteurs verfolgen und ihm passende Anweisungen, Skizzen oder Pläne einblenden.


Was bedeuten die Begriffe AR und VR?

Mit Virtual Reality (VR) ist in der Präsentation das Erlebbar-machen von per 3D-CAD erstellten Zeichnungen mit Hilfe von 3D-Brille und Controller gemeint.

Augmented Reality (AR) bedeutet »erweiterte Realität«: virtuelle Objekte wie z. B. Möbel werden in reale Umgebungen eingeblendet.


Matthias Brack ist Schreinermeister und Inhaber der Brack Wintergarten GmbH & Co. KG in Altusried. Er beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Virtual Reality, auch im Rahmen seiner Tätigkeit in der Schreinerinnung Allgäu.