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Zugriff auf jede Bohle

Massivholzlager mit Ausziehregalen
Zugriff auf jede Bohle

Dicke Bohlen sind so schwer, dass sie mit dem Gabelstapler in Kragarmregale eingelagert bzw. herausgenommen werden müssen. Das erfordert jedoch sehr breite Gänge zwischen den Regalen. Josef Eibl ließ sich etwas einfallen, wie sich diese Flächen einsparen lassen.

Eine dicke Eichenholzplatte stellt Beate Krych in der Schreinerei Josef Eibl her. Sie geht ins neu eingerichtete Massivholzlager, um eine 60 mm dicke und 4,5 m lange Bohle zu holen.

Das Lager besteht aus zwei 4,5 m hohen und 4,5 m langen von zwei Seiten befüllbaren Kragarmregalen aus blau lackiertem Stahl. Die Regale stehen eng nebeneinander in einer Nische rechts neben einer CNC-Maschine. Beate Krych steht vor der Stirnseite der beiden Regale. Die rund 1,3 m langen Kragarme der Regale sind von Weitem gut lesbar mit großen schwarzen Buchstaben auf weißem Hintergrund beschriftet. Im linken Regal auf der linken Seite geht es unten mit über 60 mm dicker Buche los, darüber befindet sich ein Fach mit 50er-Buche und dann eines für die dünnen Buchenbretter. Es schließen sich die Holzarten Rüster, Platane und Birke an. Auf der rechten Regalhälfte gibt es noch europäischen und amerikanischen Ahorn, Fichte, Lärche, Kiefer, Yellow Poplar, Erle und Esche. Das rechte Regal beherbergt Eiche, Esche, amerikanischen und europäischen Nussbaum sowie Kirschbaum aus Amerika und Europa. Bei seltener verwendeten Hölzern nimmt ein Fach alle Materialdicken auf. Einige Fächer sind auch stirnseitig von links nach rechts mit mehreren Holzarten beschriftet.

Gigantische Überauszüge

Die gesuchten dicken Eichenbohlen findet Beate Krych im rechten Regal auf der linken Seite im dritten Fach von unten. Zugreifen auf das Fach kann sie noch nicht, denn die Regale stehen so dicht nebeneinander, dass niemand dazwischen passt. Die Schreinerin fährt die Gabeln eines Elektrohubwagens stirnseitig unter den vordersten Regalpfosten. Ohne sich körperlich anzustrengen, hebt sie den Pfosten leicht an und zieht das ganze Regal im Rückwärtsgang aus seiner Nische hinaus auf die große Verkehrsfläche am großen Rolltor, das nach draußen führt.

Das Regal ließe sich – zwar mit größerem Kraftaufwand – auch von Hand herausziehen. Es ist auf einem Paar riesiger Überauszüge, wie wir sie im Kleinen von Schubkastenführungen kennen, montiert. Zwei vorne montierte Kunststoffrollen begrenzen das Durchbiegen des Beschlags bei vollausgezogenem Regal .

Mit dem Gabelstapler holt Beate alle Bretter des Fachs mit den dicken Eichenbohlen herunter auf komfortable Arbeitshöhe. Mithilfe des Kollegen, der nebenan die CNC bedient, stapelt sie einige Bohlen hin und her und zieht eine passende heraus, die sie später mit dem Stapler in die Massivholzabteilung bringt. Dort schneidet sie sie an der Untertischkappsäge in gleich lange Stücke, die sie dann an der Untertischlängschnittsäge besäumt und parallel schneidet.

Josef Eibl beschäftigt 30 Mitarbeiter, befasst sich mit dem Möbel- und Ladenbau und ist außerdem Verarbeiter des Mineralwerkstoffs Varicor. 2014 hatte er in eine Säge-Lager-Kombination der Homag Group investiert und damit die Effizienz der Fertigung enorm gesteigert (siehe »Suchst du noch oder sägst du schon?«, dds 7/2014, Seite 48). Es begeisterte ihn, dass stets das Material an der Säge parat war und der Betrieb viel runder lief als vorher. Einen so effizienten Arbeitsfluss wünschte er sich auch für seine Massivholzabteilung und investierte 2016 in Regale und eine Untertischlängschnittsäge (siehe »Schwere Bretter, leichte Arbeit«, dds 4/2016, Seite 56). Nachteil des Regallagers sind die breiten Gänge für den Gabelstapler, denn ihre Flächen fehlen in der Produktion.

Josef Eibls Nachbarn statten ihre Traktoren gerne mit den Staplerbäumen ausgemusterter Gabelstapler aus. Das inspirierte den Schreiner, solche Staplerbäume als riesige Auszüge zu nutzen. Es dauerte zwei Jahre, bis er auf Schrottplätzen vier baugleiche auf 12 m ausfahrbare und auf 2,5 t Last ausgelegte 4,5-m-Bäume gefunden hatte. Gemeinsam mit seinem Sohn Joseph zerlegte er an Wochenenden die Bäume, reinigte sie, strich sie an, setzte sie wieder zusammen und verheiratete sie mit den Regalen.

100 m² Fläche gewonnen

Josef Eibl sagt: »Es hat lange gedauert, bis wir die vier Staplerbäume beieinander hatten. Das Reinigen, Streichen und Aufbauen mit meinem Sohn hat Spaß gemacht. Der Aufwand hat sich gelohnt, wir haben drei 5 m breite Gänge oder fast 100 m² Fläche für die Produktion eingespart.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Schreinerei Josef Eibl und fand berichtenswerte Dinge, unter anderem das hier vorgestellte Massivholzlager mit Ausziehregalen. Ein Bericht über eine Vorrichtung an der Plattensäge folgt.


Steckbrief

Anwender, Erfinder, Hersteller: Josef Eibl GmbH, 84168 Aham, www.eibl-gmbh.de

Regale: Ohra, www.ohra.de

Auszüge: Gebrauchte Staplermasten vom Schrottplatz

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