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»Wir bleiben Puristen«

Keplinger investiert in Kantenanleimmaschine von Ott
»Wir bleiben Puristen«

Der österreichische Holzhändler Keplinger hat seine Abteilung Zuschnittprofi mit einer neuen Kantenanleimmaschine ausgestattet. Obwohl PUR-Klebstoff besondere Aufmerksamkeit erfordert, hat sich der Möbelteilelieferant gegen die übliche Nullfugentechnik entschieden.

5.30 Uhr, die Frühschicht im Werk für Möbelteile des oberösterreichischen Holzhändlers Keplinger in Traun bei Linz beginnt. Roland Vogl, der Führer der neuen Kantenanleimmaschine, schaut sich auf dem Steuerungsbildschirm das heutige Fertigungsprogramm an: hauptsächlich weiße Platten, aber später gegen Mittag auch ein bunter Stapel mit verschiedenen Holzdekoren. Also muss er jetzt erst mal nur ein Verleimteil mit weißem PUR-Klebstoff in seine Maschine einwechseln und später ein zweites mit transparentem. Er geht zur Servicestation seiner Maschine. Diese dient zum Reinigen, Aufheizen und Aufbewahren der Leimauftragsaggregate. Eine luftdichte, an das Druckluftnetz angeschlossene Box aus Stahl im Sockel der Station kann zwei Verleimteile aufnehmen. Ist die Box mit der getrockneten Druckluft beaufschlagt, entsteht ein sehr trockenes Klima, in dem PUR-Klebstoff erst nach mehreren Tagen abbindet. Der Kollege von der Spätschicht hat gestern zum Schichtende die beiden zuvor benutzten Aggregate in die Druckluftbox gestellt. Er hat sie weder leergefahren noch gereinigt.

Roland Vogl dreht am Ventil. Es zischt ein paar Sekunden lang. Er öffnet den Deckel, entnimmt das Aggregat mit dem weißen Kleber, geht zur Maschine, setzt das Aggregat an der vorderen Bekantungsstation ein, steckt den Stromstecker ein, schaltet die Beheizung ein, kehrt zurück zur Servicestation, schließt die Box und gibt wieder Druck. Heute muss Roland Vogl nicht alleine an der Kantenanleimmaschine arbeiten, Thomas Vallach hilft ihm. Er hat bereits einige Paletten mit zu bekantenden Teilen herbeigeschafft, ebenso leere Kommissionierwagen.

Möbelteile vom Holzhändler

Ende 2011 hat Keplinger mit Sitz in Traun sein Programm auf Plattenzuschnitte samt Bekantung und CNC-Bearbeitung ausgeweitet. Das Fertigungs-Know-how, das Werk und die Maschinen beschaffte sich das Unternehmen durch den Zukauf des ebenfalls in Traun ansässigen, 1966 gegründeten Zulieferunternehmens Platten Pastl. Heute ist es als die Abteilung Zuschnittprofi in die Holzhandlung integriert. Die Abteilung beschäftigt aktuell 29 Mitarbeiter, die im Zweischichtbetrieb arbeiten. Zu den Kernmaschinen gehören zwei liegende Plattensägen, zwei Kantenanleimmaschinen sowie zwei Bearbeitungszentren.

Roland Vogl liest am Bildschirm, welche Kante er einlegen muss. Diese holt er aus dem Regal, legt sie ins Magazin, schiebt das Ende in den Zuführschlitz und stellt sich an die Einlaufstation der Maschine. Da hat er Zugriff auf den Steuerungsbildschirm und die Stapel mit den Werkstücken. Ein Werkstück nach dem anderen entnimmt er dem Stapel hinter sich und schiebt es in die Maschine. Ein Portalheber am Maschinenauslauf legt die Werkstücke auf das Rücktransportband, wo sie Thomas Vallach entgegennimmt.

Losgröße 1

Die Maschinensteuerung weiß, ob und welche Werkstückseite als Nächstes zu bekanten ist und dreht den Zuschnitt entsprechend, sodass Thomas Vallach die Platte auf dem Luftkissentisch nur zu seinem Kollegen schiebt oder in einen der Kommissionierwagen packt. Um Wartezeiten für das Aufheizen zu vermeiden, wechselt Roland Vogl 20 Minuten bevor der bunte Stapel an der Reihe ist, das zweite Verleimteil mit dem transparenten Kleber ein. In die Maschine gibt er zwei weiße Platten ein, fünf mit Buchendekor, vier mit Eiche … Für den Kantenbandwechsel läuft er zwischendurch immer mal wieder hinter die Maschine. Die Maschinensteuerung steuert stets das richtige Verleimteil an.

Ausschließlich PUR

Abteilungsleiter Robert Heinisch hat letztes Jahr die in die Jahre gekommene alte Kantenanleimmaschine mit mehr als eine Million Laufmetern gegen die neue »Topedge S Duo« von Ott mit »Translift«-Rückführung ausgetauscht. Er hat ein Pflichtenheft erstellt und entsprechende Angebote eingeholt. Keplinger verwendet auf allen Maschinen grundsätzlich PUR-Klebstoff, weil dieser die beste Festigkeit erzielt und auch in puncto Hitze- und Feuchtebeständigkeit allen anderen Alternativen überlegen ist. Als vor etwa zehn Jahren das Thema Laserkanten und Nullfuge anstand, haben sich Keplinger und Robert Heinisch wegen der geringeren Hitze- und Feuchtebeständigkeit gegen ein Laser- oder Heißluftaggregat entschieden. Die vom Markt erwartete nahezu nicht erkennbare Fuge ließ sich nämlich bereits damals schon auch mit PUR erzielen. Die Maschine muss dafür jedoch sauber vorfräsen, je nach Plattenfarbe weißen oder transparenten PUR einsetzen und den Klebstoff exakt dosieren. Daher stand im Pflichtenheft ganz oben, die Klebstofffarbe in der Werkstücklücke wechseln zu können. Ebenso flink sollten Fräser und Ziehklinge zwischen drei Radien (1, 1,3 und 2 mm) wechseln. Die Maschine sollte außerdem eine Rückführung mit Luftkissentischen haben und für eine hohe Winkelgenauigkeit einen automatischen Einzug. Außerdem durfte die Maschine nicht zu breit werden. Heinisch entschied sich für das Angebot von Ott, unter anderem weil diese Lösung besonders platzsparend war und die Vorgängermodelle von Ott alle hervorragend gearbeitet haben.

»Den PUR haben wir im Griff«

Robert Heinisch sagt: »Den PUR haben wir im Griff. Die Topedge Duo läuft zuverlässig und liefert hervorragende Kantenqualität. Wir bleiben Puristen.«

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dds-Redakteur Georg Molinski, war vor Ort bei Keplinger und konnte sich vom reibungslosen Betrieb der Maschine überzeugen. Er fand ein eingespieltes Team vor und einen entspannten Abteilungsleiter.


Steckbrief

Anwender: Keplinger GmbH
A 4050 Traun, Tel.: +43 (7229) 73631, www.keplinger.at

Kantenanleimmaschine:
Paul Ott GmbH, A 4650 Lambach
Tel.: +43 (7245) 230-0, Fax: -133
www.ottpaul.com


Robert HeinischAbteilungsleiter

»PUR wertet unsere Produkte auf und bereitet uns keine Probleme.«

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