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Automatisierte Oberflächenbehandlung mit Holzöl: Stets exakt dosiert

dds vor Ort: Automatisierte Oberflächenbehandlung mit Holzöl bei Faust Linoleum
Stets exakt dosiert

Wie lässt sich Holzöl trotz ständig wechselnder Formate und Profile schnell, sauber, exakt dosiert und ohne die Gesundheit der Mitarbeiter zu gefährden auf Plattenkanten aufbringen? Der Tischplattenhersteller Faust Linoleum hat sich für einen Roboter entschieden.

Benedikt Saller kommt morgens an seinen Arbeitsplatz beim Tischplattenhersteller Faust Linoleum im oberbayerischen Huglfing. Vor ihm steht eine ganze Reihe mit linoleumbeschichteten Tischplatten beladener Kommissionierwagen. Seine Aufgabe ist die Oberflächenbehandlung der Kanten mit einem Holzöl. Das Herzstück seines Arbeitsplatzes sieht er nur durchs Fenster: ein Spritzroboter in einem 6 x 6 m großen Raum. Unterm Fenster befindet sich in einem Stehpult eingelassen der Bedienpult des Roboters. Der Schreiner schaltet die Anlage ein. Druckluft strömt in das Gehäuse des Roboters, damit keine explosive lösemittelbeladene Luft hineinstömen und sich durch Funken entzünden kann. Benedikt Saller und sein Helfer überprüfen die Spritzdüsen und den Füllstand der Kanister mit klarem und weiß pigmentiertem Öl.

Die Anlage ist hochgefahren. Die beiden Männer entnehmen die erste Tischplatte mit Multiplexkante, drehen die Oberseite nach unten und legen sie auf ein Shuttle zur Spritzkabine. Die Hubtür öffnet sich und das Shuttle fährt hinein, während ein anderes noch leeres herausfährt. Die Hubtür schließt sich, Benedikt Saller wählt am Bildschirm die Art Tischplatte. Ein Scanner hat beim Einfahren in die Kabine die Geometrie des Werkstücks erkannt, sodass die Anlagensteuerung das Spritzprogramm selbstständig erzeugt und es ablaufen lässt. Je nach Kantenmaterial erfolgen ein bis drei Spritzaufträge mit klarem oder weiß pigmentiertem Öl. Die beiden legen die nächste Platte auf das draußen wartende Shuttle. Ein Zyklus dauert rund drei Minuten.

Kein Abkleben mehr

Bis vor zwei Monaten hat Benedikt Saller das Öl manuell mir der Becherpistole gespritzt. Damit kein Öl die obere Seite der Tischplatte verunreinigt, hat er die gute Seite nach unten gelegt und leicht schräg von oben gespritzt. Waren beide Werkstückseiten als Sichtflächen vorgesehen, hat er eine Seite vor dem Spritzen abgeklebt. Optimierte und stets exakt eingehaltene Parameter erübrigen nun das Abkleben: Düse 0,8 mm, Druck 0,3 bar, Abstand 45 mm und Vorschub 12 bis 15 m/min.

Franz Faust gründete 1998 im Saarland seine Schreinerei und zog damit zunächst nach Berlin und schließlich nach Oberbayern um. Seit 1999 ist er auf Tischplatten spezialisiert. 2016 bezog er die jetzige, 3900 m² große Werkstatt. Er beschäftigt 40 Menschen, davon 22 in der Produktion. Sieben Fahrer liefern die Produktion europaweit aus.

Vorreiter in puncto Digitalisierung

Faust Linoleum gilt als ein Vorreiter in Puncto Digitalisierung. Darum kümmert sich seine Tochter Antonia. Das Geschäft läuft ausschließlich über die Website mit Onlineshop und Produktgenerator. Nur was bezahlt ist, geht in die komplett vernetzte und vom Webshop aus gesteuerte Produktion.

Franz Faust entschied sich für den Roboter, weil er unabhängig von der Qualifikation der Mitarbeiter eine konstant gute Qualität sichern, den Flaschenhals in der Produktion auflösen und die Lösemittel- und Aerosolbelastung der Mitarbeiter minimieren wollte.

Das Suchen hat sich gelohnt

Franz Faust sagt: »Die Suche nach einer Automatisierungslösung war aufwendig. Zunächst schwebte mir eine selbst zu konzipierende Durchlaufmaschine ähnlich wie bei einer Kantenanleimmaschine vor. Beim Planen stieß ich auf den Spritztechnikspezialisten Krautzberger, der den Roboter vorschlug und schließlich die Anlage mit Komponenten des italienischen Herstellers CMA umsetzte. Für uns ist das eine große Investition, die sich jedoch rechnet.«


»Flaschenhals in unserer Produktion war das Ölen der Kanten. Das übernimmt jetzt ein Roboter. Der spritzt das Öl exakt dosiert und nur auf die Kante. Die Flächen bleiben sauber. Die Anlage programmiert sich selbst und erweist sich als unkompliziert und zuverlässig. Der Engpass ist beseitigt, die Qualität stimmt, die Mitarbeiter atmen saubere Luft.« Franz Faust


Steckbrief

Anwender: Faust Linoleum
Franz Faust 82386 Huglfing
www.faustlinoleum.de

Projektierung, Programmierung:
Krautzberger GmbH
www.krautzberger.com

Anlage und Roboter:
www.cmarobot.it/de


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte Faust Linoleum und begegnete in Antonia und Franz Faust einem Team, das sich ideal ergänzt: er der erfahrene Handwerker und Manager, sie die Internet- und Digitalisierungsexpertin.


 

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