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Heiz- und Kältetechnik

Heiz- und Kältetechnik
Kälte aus dem Heizkessel

Bei vielen Tischler- und Schreinerbetrieben liegt im Späneturm sogar mehr als genug Material zum Heizen. Wie lässt sich mit dieser Ressource nachhaltig und umweltbewusst umgehen? Die Schreinerei Moser hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt.

Das Team mit Thomas Moser, seiner Tochter Sarah Griesbaum und Florian Wölfle will mit seinen Mitarbeitern viel erreichen. Anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgaben und Räumlichkeiten, in denen sich die Menschen wohl und wertgeschätzt fühlen, motivieren die Belegschaft. In diesem Sinne entstand jetzt auch eine neue 700 m² große Kantine und darüber ein ebenso großer Bürotrakt. Der Neubau kommt nicht nur bei der Belegschaft der Schreinerei Moser in Haslach im Kinzigtal gut an, er entspricht auch dem Anspruch an Umweltschutz und Nachhaltigkeit, den sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hat. Die 1955 von Thomas Mosers Vater gegründete Schreinerei zeichnet sich heute durch eine große Fertigungstiefe und technisches Know-how aus und beschäftigt 130 Mitarbeiter. Mit den drei Standbeinen Fensterbau, Innenausbau und Verarbeiten von Mineralwerkstoffen ist das Unternehmen breit aufgestellt.

Eine neue Kantine und …

Die ersten Planungen für den Anbau begannen 2016. 2018 galt es mit Unterstützung des Ingenieurbüros Isenmann, die Heizung an die zusätzlichen 1400 m2 Fläche anzupassen. Die Produktion wirft genug Späne und Holzstaub ab, um das komplette Gebäude zu heizen und darüber hinaus die Prozesswärme, etwa zum Erhitzen der Mineralwerkstoffplatten, zu liefern. Im Sinne der Nachhaltigkeit will Moser dieses Material vollständig und sinnvoll verwenden. Im Zuge der Planung stellte sich die Frage, ob sich darüber hinaus auch noch Prozesskälte und in einigen Bereichen eine Raumklimatisierung realisieren lässt. An heißen Sommertagen erweist sich nämlich das Lackieren mit Wasserlack sowie das Verkleben der Mineralwerkstoffe als schwierig, weil sich offene Zeiten verkürzen. Außerdem gibt es Kühlbedarf im Serverraum, in Büros und der Kantine.

Stephan Isenmanns Lösung sah eine neue Holzfeuerungsanlage von Endress mit 870 kW Feuerungsleistung vor. Der alte brachte es nur auf 550 kW. Damit dieser im Vollautomatikbetrieb unabhängig von Bedarfsschwankungen gleichmäßig und effizient arbeiten kann, steht dahinter ein 24 m³ großer Wasserspeicher. Der Kessel hält die Temperatur im Speicher auf 90 bis 95 °C. Der Speicher versorgt alle Verbraucher und eine Absorptionskälteanlage, die aus Hitze Kälte erzeugt.

… eine Absorptionskälteanlage

Die Absorptionskälteanlage arbeitet mit dem Stoffpaar Lithiumbromid (Sorptionsmittel) und destilliertem Wasser (Kältemittel). Sie verdampft bei durch Vakuum herabgesenktem Siedepunkt Wasser und nutzt die dabei entstehende Kälte. Die Wärme liefert der Wärmespeicher. Über einen Kühlwasserkreislauf gerät die Kälte zu den Verbrauchern in der Fertigung und über eine Art Fußbodenheizung in die zu kühlenden Räume. In der Anlage absorbiert das Sorptionsmittel den Wasserdampf. Das Trennen von Kälte- und Sorptionsmittel erfolgt wiederum mit Heizenergie aus dem Wärmespeicher, die anschießend – wie bei jeder Kältemaschine – über einen Rückkühler an die Umgebung abfließt. Bei Moser steht dieser Rückkühler auf dem Dach.

Breites Zielspektrum erreicht

Thomas Moser sagt: »Unsere neue Kantine, die Büros und moderne Betriebstechnik entsprechen exakt unserem Geist in puncto langfristige Bindung unserer Mitarbeiter, nachhaltiges Ausschöpfen der vorhandenen Ressourcen, Umweltschutz sowie das Beherrschen komplizierter technischer Prozesse. Wir haben alle Anlagen in Betrieb genommen. Alles läuft problemlos und vollautomatisch. Der Schornsteinfeger lobt die Abgaswerte und die Wirkungsgrade.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Schreinerei Moser in Haslach und begegnete einer Belegschaft, die Wertschätzung erfährt, komplizierte Prozesse beherrscht und im Team kreativ spannende Projekte stemmt.


Steckbrief

Anwender: Moser GmbH
www.moser.gmbh

Anlagenplanung: Ingenieurbüro Isenmann Planungsgesellschaft mbH www.ib-isenmann.de
Kessel: Endress GmbH
www.endress-feuerungen.de


»Unser Schornstein soll weder Feinstaub noch andere Schadstoffe in die Luft blasen. Das was bei uns an Spänen und Holzresten anfällt, geht in einen modernen, extrem sauber verbrennenden Heizkessel. Damit gewinnen wir jetzt sogar noch Energie zum Kühlen von temperatursensiblen Bereichen

in der Fertigung.«

Thomas Moser

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