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Ein Mischbetrieb der funktioniert: Holz- und Glaswerkstätten Staudt

Unternehmensführung im Handwerk
Der Mix muss stimmen

Heute ein Großprojekt im Innenausbau, morgen Fenster und dazwischen Möbel für Privatkunden: Können Mischbetriebe heute noch effizient funktionieren? Tobias und Heribert Staudt meinen: Ja! Einblick in einen Betrieb, der keinen Fachkräftemangel kennt und für den das Miteinander von alt und jung die Basis des Erfolges ist.

Die Holz- und Glaswerkstätten Staudt in Hattersheim im Rhein-Main-Gebiet sind ein gewachsener Betrieb mit 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie der Name schon ansatzweise verrät, ist Staudt nicht nur im Möbel- und Innenausbaubereich für Privatkunden unterwegs, sondern montiert als Schüco-Partner auch Fenster und Fassaden.

Das ist jedoch bei weitem noch nicht alles, wie Seniorchef Heribert Staudt erklärt: »Wir sind viel im Objektbereich tätig, z. B. in der Alten Oper in Frankfurt; wir übernehmen Service- und Reparaturarbeiten für Wohnungsbaugesellschaften, verlegen Parkett und bauen ab und an auch mal eine Treppe«. Obendrein führt der Betrieb eine Holzhandlung, in der andere Handwerker aus der Region ihren Bedarf an Zuschnitten, Fertigteilen usw. decken.

Sammelsurium mit Vorteilen

Für Juniorchef Tobias, der vor drei Jahren in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, war das Sammelsurium an Tätigkeitsfeldern durchaus etwas, was es zu hinterfragen galt. »Ich habe damals z.B. gedacht, die Sache mit den Kunststofffenstern hat keine Zukunft. Dann kam Corona und von einem Tag auf den nächsten wurden Projekte gestoppt oder verschoben. Und wir waren froh, dass wir andere Standbeine hatten!«

Ungefähr ein Viertel des Umsatzes macht Staudt mit Großprojekten, ein weiteres Viertel mit Privatkunden und den Rest mit gewerblichen Auftraggebern wie Wohnungsbaugesellschaften oder der Deutschen Bahn. Für letztere Zielgruppe ist Staudt quasi »Mädchen für alles«: Genau hier ist gefragt, dass vom Fenster über den Parkettboden bis zur Büroeinrichtung möglichst viel aus einer Hand kommt. Das spart in den Planungsabteilungen der Auftraggeber Zeit und Geld, was diese zu schätzen wissen.

Ein Team von Spezialisten

Ein ganz anderer Aspekt des breiten Tätigkeitsspektrums ist die Motivation und Zufriedenheit der Belegschaft. Einige Mitarbeiter sind gerne in der Werkstatt, andere lieber auf Montage, es gibt Feingeister die gerne Möbel bauen und Bauelementeprofis, die jeden Fensterbeschlag bis ins Detail kennen. Für viele Bereiche gibt es Spezialisten. Auf diese Art und Weise funktioniert das Team von Holz- und Glaswerkstätten Staudt als Ganzes.

Unterstützt wird das dadurch, das die Mitarbeiter »ihr« Projekt oft von Anfang bis Ende durchführen, sprich auch das Ergebnis ihrer sehen. Das ist befriedigender als den ganzen Tag an der Plattensäge zu stehen oder von morgens bis abends Kanten anzuleimen. Fachkräftemangel? Ist für Staudt übrigens ein Fremdwort.« Dank der breitgefächerten Arbeitsfelder und der familiären Atmosphäre ist die Fluktuation gering. Außerdem ist Heribert Staudt überzeugt: »Wer über Fachkräftemangel klagt, aber selbst nicht ausbildet, muss sich nicht wundern«.

Im Lauf der Jahrzehnte hat der Betrieb über 100 Schreiner ausgebildet, in vielen Werkstätten der Region sind Ehemalige von Staudt anzutreffen. Heribert Staudt ist zudem als Vorstand in der Innung engagiert und sitzt im Meisterprüfungsausschuss.

Fachkräftemangel? Nicht bei uns!

Zur Zeit sind sechs Azubis im Betrieb. Die werden, wenn nichts dazwischen kommt, auch alle übernommen. Jeder Azubi hat vorab ein einwöchiges Praktikum in der Werkstatt absolviert. Heribert Staudt: »Jeder Schüler, der wirklich Interesse hat, bekommt bei uns die Chance auf dieses Praktikum. Dann zeigt sich meistens recht schnell, für wen ein Weg im Handwerk in Frage kommt«.

Der Altersdurchschnitt bei Staudt ist nicht nur dank der Azubis sehr niedrig. »Auf Baustellen«, so Tobias Staudt, »ist unsere Truppe oft die jüngste. Immer wieder werden wir von anderen Handwerkern gefragt, wo wir unsere Mitarbeiter herbekommen«. Wer bei Staudt arbeitet, hat einen Schlüssel zur Werkstatt und kann die Maschinen auch nach Feierabend für sich privat nutzen. »Wir vertrauen unseren Leuten« sagt Tobias Staudt.

Der Juniorchef ist selbst gerade mal 30 Jahre alt. Als Bau- und Wirtschaftsingenieur kümmert er sich um die größeren Projekte und arbeitet an der Weiterentwicklung des Betriebes. Ursprünglich hatte er gar nicht vorgehabt, ins elterliche Unternehmen einzusteigen, »die Vorstellung war mir eigentlich eher ein Graus«. Mittlerweile macht ihm die Arbeit am und im Betrieb richtig Spaß.

Und Gerade das Miteinander von jüngeren und älteren Kolleginnen und Kollegen sieht er als großen Vorteil. Der Zusammenhalt im Team ist groß. »Wir kommen zusammen und wir gehen zusammen« ist eines der Leitmotive für das gemeinsame Arbeiten.

Klare Prozesse und Schnittstellen

Ein wichtiger Aspekt für Tobias Staudt sind klare Prozesse im Betrieb. Er arbeitet daran, Schnittstellen zwischen Büro und Kunden zu definieren und die Abläufe in der Werkstatt zu strukturieren. Denn nur so lässt breite Auftragsspektrum einigermaßen effizient handhaben.

Softwareseitig hat Staudt vor einiger Zeit auf OS Datensysteme umgestellt und nutzt hier z.B. das Modul »Ressourcenplanung«, um die Werkstatt zu organisieren. Bei größeren Projekten arbeitet er mit MS Project. Geplant wird mit Palette CAD, teilweise wird zusätzlich SketchUp eingesetzt.

Der Maschinenpark wurde innerhalb der vergangenen drei Jahre weitgehend auf Homag umgestellt. Auf Lieferung der längst bestellten CNC wartet der Betrieb noch – wie in vielen anderen Bereichen auch sind die Lieferzeiten der Maschinenhersteller derzeit lang.

Bis die neue Maschine kommt, verrichtet eine in die Jahre gekommene BIMA 1000 ihren Dienst. Ob bei den Mitarbeitern, den Maschinen oder dem Auftragsspektrum: »Der Mix muss stimmen« sind sich Tobias und Heribert Staudt einig.


dds-Autor Hans Graffé hat die Staudts im April in Hattersheim besucht. Der Betrieb ist nicht zuletzt aufgrund seiner Größe Anlaufpunkt für viele Handwerker in der Region: als Lieferant, Dienstleister oder Auftraggeber.


Steckbrief

Holz- und Glaswerkstätten Staudt
Holzhandlung & Parkettstudio
Schulstraße 37
65795 Hattersheim am Main
www.holz-staudt.de

Maschinen: Homag Group
IT: OS Datensysteme, Palette CAD


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