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Schreinerhandwerk in der Schweiz

Schreinerhandwerk in der Schweiz
»Der Schreiner, Ihr Macher«

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Handwerklich produzierte Möbel aus der Schweiz, hier aus Altholz und Metall von Tobias Kyburz, überzeugen meist auch durch anspruchsvolles Design Foto: Kyburz Made
Um in der Schweiz eine Schreinerei zu gründen, bedarf es keines Meisterbriefes. Auch eine Schreinerausbildung ist nicht zwingend erforderlich. Was das für die Wettbewerbssituation bedeutet und was die eidgenössischen Kollegen sonst so beschäftigt.

Die Gewerbefreiheit ist in der Schweiz ein eigenständig formuliertes Grundrecht, das sowohl Schweizer Bürgern als auch niedergelassenen Ausländern zusteht. Wer sich z. B. als Handwerker betätigen will, kann das tun, unabhängig von Ausbildung, Befähigung oder Eignung.

In der Schweiz kann also jeder, der möchte, eine Schreinerei betreiben. Er braucht dazu weder einen Meister- oder Gesellenbrief, noch überhaupt eine abgeschlossene Ausbildung. Beim Verband der Schweizerischen Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM in Wallisellen geht man davon aus, das es neben den rund 4200 »klassischen« Schreinerbetrieben in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz bis zu 2000 Klein- und Montagebetriebe gibt, die dieser Gruppe zuzuordnen sind. »Der dadurch entstehende Preisdruck macht vielen Betrieben zu schaffen« sagt Patrik Ettlin vom VSSM.

Der VSSM (Verbandsmarke: »Der Schreiner, Ihr Macher«) vertritt über seine 21 Sektionen (vergleichbar unseren Innungen) 2028 Betriebe und damit knapp die Hälfte der deutsch- und italienischsprachigen Unternehmen. In den VSSM-Betrieben sind 21 808 Mitarbeitende beschäftigt. Insgesamt arbeiten rund 50 000 Menschen in der Schreinerbranche, einschließlich der ca. 900 Unternehmen in der französischen Schweiz.

Weniger Meister, mehr Wettbewerb

Wo der Meister nicht erforderlich ist, ist die Nachfrage nach der Meisterausbildung rückläufig. Diese Entwicklung nimmt nach Einschätzung des Verbandes in den letzten Jahren spürbar zu. Die Nachfrage nach Plätzen für die Erstausbildung ist dagegen gleichbleibend hoch. Eine Schreinerlehre dauert in der Schweiz vier Jahre, man schließt sie mit dem »Schreiner/in EFZ« ab, dem sog. »Schreiner mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis«. Wer die Ausbildung nach zwei Jahren beendet, steht nicht mit leeren Händen da, sondern kann sich »Schreinerpraktiker/in EBA« nennen und ist damit eine Art Hilfs-Schreiner. Rund 1200 Lehrverträge werden pro Jahr abgeschlossen.

Ein Problem für viele Betriebe ist der Wettbewerbsdruck aus dem nahen Ausland. In einer Umfrage des Verbandes von 2018 gaben 57 Prozent der befragten Betriebe an, dass dies ein »großes Risiko« für ihre Geschäftstätigkeit darstelle. Getoppt wurde der Wert nur noch vom Punkt »Normen«. »Unsere Unternehmen müssen einen riesigen administrativen Aufwand betreiben, um alle Anforderungen zu erfüllen, besonders bei öffentlichen Aufträgen« so Patrik Ettlin.

Auswirkungen von Corona

Die aktuelle Lage der Kollegen ist vergleichbar mit der Situation in Deutschland. Die Pandemie hat die Betriebe in einer Phase gut gefüllter Auftragsbücher erwischt; ein Polster, von dem viele Schreiner zehren konnten. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen, so VSSM-Mann Ettlin, läuft es auch nach wie vor gut. Doch natürlich blickt man auch in der Schweiz mit Sorgen in die Zukunft. Je länger die pandemiebedingten Einschränkungen anhalten, desto größer wird die Unsicherheit. –HJG

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