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Motivation im Handwerk - Meinungen und Stimmungen

Meinungen und Stimmungen aus der Branche
Und wie begeistern Sie?

Portrait: Dennis Lewandowski im Interview zur Motivation
"Der Mitarbeiter kann selbst mitgestalten und kann viele Dinge so machen, wie es ihm selbst gefällt. Da musste ich schon loslassen können. Das habe ich aber getan und es hat sich gelohnt." - Dennis Lewandowski Foto: DL Tischlermeister

Wie halten Sie die die Motivation aufrecht? Beruf und Freizeit – wie passt das zusammen? Und was macht einen Arbeitsplatz in der Zukunft aus?

Die dds-Redakteure Georg Molinski und Hubert Neumann haben auf Instagram und telefonisch mehrere Tischler/-innen und Schreiner/-innen gefragt was sie Motivation schaffen und wie sie mit den Erwartungen anderer umgehen. Hier lesen Sie nun fünf Meinungen, die exemplarisch für die Möglichkeiten und für die Herausforderungen der Branche stehen.


»Wir geben keine Stücklisten in die Werkstatt«

Die guten Gesellen und Meister suchen die Herausforderung und wollen nicht den ganzen Tag an der Säge oder CNC stehen. Daher setzen wir auf den wachen und aufgeschlossenen Generalisten. Wir befassen uns mit besonders hochwertigem, gehobenem Laden-, Messe- und Innenausbau, beschäftigen 40 Mitarbeiter, arbeiten mit dem CAD/CAM-System Vectorworks und nutzen bewusst nicht alle Features, die das Programm bietet. So ließen sich zum Beispiel Stücklisten per Mausklick erzeugen. Grundsätzlich geben wir jedoch bei Stückzahl 1 unseren Mitarbeitern in der Fertigung keine Stücklisten in die Hand. Die Verführung, die Liste einfach abzuarbeiten, statt sich vollständig in den zu fertigenden Gegenstand hineinzuversetzen wäre einfach zu groß. Daher geben wir unseren Leuten lieber Zeit, sich intensiv mit ihrem Auftrag zu beschäftigen und die Stückliste selbst zu schreiben, bevor sie dann zur Tat schreiten. – Lars Droste, www.droste-gmbh.de

Foto: Johannes Droste GmbH


»Klein aber fein«

Die Industriebetriebe haben in letzten Jahrzehnten einen Großteil der Arbeitnehmer zu sehr verwöhnt und mit Kopfprämien immer mehr Leute angelockt. Die Messlatte liegt für uns Handwerker jetzt sehr hoch. Ich kann und will da nicht mehr mithalten. In letzter Zeit bin ich der Belegschaft immer mehr entgegengekommen, trotzdem schrumpft das Team weiterhin. Ein Problem sind z. B. die Montagefahrten. Fachkräfte möchten nur in der Werkstatt arbeiten. Schließlich habe ich beigegeben und festgelegt dass wir freitags grundsätzlich nicht herausfahren und dass freitags um 12 Uhr Feierabend ist. Außerdem habe ich noch die Konditionen für die Entlohnung der Fahrzeiten verbessert. Mehr Entgegenkommen ist aktuell nicht drin. Dann stelle ich mich lieber darauf ein, mit einem kleinen Kernteam zurechtzukommen – klein aber fein! – Marco Konen, www.schreinerei-konen.de

Foto: Schreinerei Konen


»Hightech erweist sich als attraktiv für Mitarbeiter«

Als wir die Herstellung von Wintergärten auf die CNC verlagert hatten, kam in der Belegschaft die Sorge auf, dass in der Werkstatt nur noch um Hilfsarbeiten, wie das Auflegen und Abnehmen von Werkstücken an der CNC geht. Das hat sich aber bald in Wohlgefallen aufgelöst. Im Gegenteil, die Leute sind stolz, so komplexe Maschinen zu bedienen und zu beherrschen. Bei uns macht trotz Digitalisierung jeder Mitarbeiter immer noch einen ganzen Wintergarten. Auf die Maschinenarbeit entfallen lediglich zehn Prozent der Gesamtarbeitszeit. Es folgen zahlreiche Arbeitsgänge wie die Oberflächenbehandlung oder der Zusammenbau. Der Mitarbeiter muss sich nicht nur für den Zusammenbau, sondern auch bei den Teilarbeitschritten auskennen und ein Bild von der Gesamtkonstruktion vor Augen haben. Er muss wissen, welches Teil wohin gehört. In der Werkstatt arbeiten drei Zweimannteams, die sich eine CNC teilen. – Matthias Brack, www.brack-wintergarten.de

Foto: Brack Wintergarten GmbH & Co. KG


»Erfolg und Equipment spornen mich an«

Mein Beruf macht mir viel Spaß und ich habe mich bei der Ausbildung voll ins Zeug gelegt. Als Anerkennung dafür, hat mich mein Arbeitgeber, die Schreinerei Herrmann GmbH in Alerheim zum Shaper-Lehrgang nach Leinfelden Echterdingen geschickt. Darüber habe ich mich gefreut. Neben dem guten Feedback auf meine Leistung motivieren mich auch das gute Equipment und die modernen Maschinen in unserem größeren Betrieb mit 35 Kolleginnen und Kollegen. Handlingtechnik und Vakuumheber sowie rücksichtsvolle Kollegen erleichtern mir auch die körperliche Arbeit. Während der Ausbildung konnte ich ein paar Tage lang mal in einem kleinen Betrieb arbeiten. Das hat auch funktioniert, war aber deutlich anstrengender. In der Regel fertige ich jetzt meine Aufträge komplett alleine und bediene alle Maschinen. Die CNC ist jedoch so stark ausgelastet, dass diese meistens nur unsere Spezialisten bedienen. – Sophie Eger

Foto: Erol Gurian für dds


Dennis_Lewandowski.jpg

»Loslassen zahlt sich aus«

Üblichweise hat eine Schreinerei mit zehn Mitarbeitern in der Produktion zwei bis drei AV-Leute im Büro. Das sind meistens Meister, die sich die Finger nicht mehr schmutzig machen. Bei uns läuft das anders. Ich weise einen Auftrag einem Gesellen oder Meister zu, übergebe ihm die Unterlagen und Aufmaßskizzen und bespreche mit ihm alles, was wichtig ist. Der Mitarbeiter setzt sich dann hier oben ins Büro und erledigt die komplette Arbeitsvorbereitung selbst. Er schreibt Stücklisten, generiert Zuschnittpläne sowie CNC-Programme und bestellt Material. So kann er auch selbst mitgestalten und kann viele Dinge so machen, wie es ihm selbst gefällt. Er kann auch wählen, welche Beschläge oder Auszüge er einsetzen möchte. Da musste ich schon loslassen können. Das habe ich aber getan und es hat sich gelohnt. Meine Leute finden das super – und ich auch! – Denis Lewandowski, www.dl-tischlermeister.de
Foto: DL Tischlermeister


Mehr zum Thema Motivation im Handwerk

Die Interviews zur Motivation sind Teil des Titelthemas Wandel der Arbeit in der dds-Ausgabe 1/2022. Siehe dazu auch den Beitrag Schreiner/Monteur gesucht und andere.

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