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Die Werkzeugmacher

Interview mit Barbara Austel und CEO Sascha Menges von TTS / Festool
Die Werkzeugmacher

Mit mehr als 3000 Mitarbeitenden baut Festool/TTS seit fast hundert Jahren als Familienunternehmen Werkzeuge für die Tischler- und Schreinerwelt. Welche Chancen die aktuellen Herausforderungen und die digitale Welt bieten, besprach dds-Redakteur Hubert Neumann im Interview.

Barbara Austel (BA) ist die Enkelin des Gründers von Festool, Gottlieb Stoll. Nach Schreinerlehre, BWL-Studium und unterschiedlichen Jobs im In- und Ausland ist sie heute Aufsichtsratschefin der TTS Tooltechnic Systems AG & Co. KG, unter deren Dach Festool, Tanos, Shaper Tools, SawStop und weitere Unternehmen zusammengefasst sind.

Sascha Menges (SM) ist seit Oktober 2021 neuer Vorstandschef von TTS. Als CEO konzentriert er sich auf die strategische Ausrichtung und die Entwicklung der TTS-Gruppe. Der Wirtschaftsingenieur verfügt über viel internationale Erfahrung und leitete zuvor von Stockholm/Schweden aus das weltweite Geschäft mit Forst- und Gartenprodukten von Husqvarna.

Herr Menges, was brachte Sie dazu, aus dem schwedischen Stockholm zu einem kleineren Unternehmen an den Neckar zu wechseln?

SM: Ein faszinierend aufgestelltes Familienunternehmen mit tollen Produkten, Marken und Tochterunternehmen, die gemeinsam ganz viel Zukunftspotenzial bereithalten. Um hier nur zwei Beispiele zu nennen: Mit etwas Herzblut für das Holzhandwerk kommt man an der Marke Festool nicht vorbei. Ein Unternehmen wie Shaper bietet etwa mit seinen kalifornischen Spirit nahezu unbegrenzte digitale Möglichkeiten. Mehr Anziehungskraft geht nicht.
Und ich kann Tag für Tag mit all den super motivierten Menschen hier zusammenarbeiten.

Wenige Tage vor dem Start der Holz-Handwerk in Nürnberg fragen viele: Wieso ist Festool nicht dabei?

BA: Das war keine einfache Entscheidung. Mehrfach vom Veranstalter verschoben bis in die Ferienzeit hatten wir uns mit Festool derweil auf eine große europaweite Roadshow festgelegt, die aktuell läuft. Unsere Kunden können dort in ihrer Region die neuesten Werkzeuge von Festool ausprobieren.

Hier steht die Tauchsäge TS 60 K. Doch anders als bei sonstigen Flaggschiffpräsentationen im Markt mit Kabel statt mit Akku. Weshalb?

SM: Auch bei Festool wächst der Anteil der Akkuwerkzeuge weiterhin enorm. Die Kundenanalysen zeigen allerdings, dass wir zugleich einen nicht zu unterschätzenden Kundenanteil haben, der weiterhin nicht aufs Netzkabel verzichten möchte: »Auch in 30 Jahren funktioniert meine Steckdose ohne Zicken«. Und auch diese Kunden bekommen von uns die tollen Sicherheitselemente wie »Kick-BackStop« oder bei der TS 60 K erstmalig die Kombinierbarkeit einer Tauchsäge mit einer Kappschienenfunktion. Ob Akku oder Kabel entscheidet der Kunde.

BA: Durch unser Denken im System ist der angesprochene Kunde dennoch nicht auf eine Baustellensteckdose angewiesen. In der Kombi mit unserer tragbaren Steckdose »SYS-PowerStation« und einem Akkusauger lässt sich auch mit Kabelmaschinen steckdosenbefreit auf Baustellen oder dem Gerüst arbeiten.

Bis auf die Marktführer in Asien und Nordamerika bündeln sich aktuell viele Wettbewerber in Akkuallianzen. Festool nicht. Weshalb?

BA: Selbstverständlich haben wir uns auch damit beschäftigt. Uns ist es jedoch wichtig, unsere Premiumprodukte mit unserem eigenen Anspruch und dem Kundennutzen zu verknüpfen. Ausschlaggebend ist für uns immer eine optimale Anwendungsqualität für den Kunden. Und auch technologisch betrachtet, müssen wir uns überhaupt nicht verstecken. Zudem legen wir als Familienunternehmen großen Wert darauf, in unseren Entscheidungen möglichst unabhängig zu sein.

Wie trifft Sie die aktuelle Lieferkettensituation?

SM: An dem Thema arbeiten wir täglich. Glücklicherweise ziehen alle Teams, nicht nur in der Produktion, dabei hochflexibel mit, um so viel wie möglich auszugleichen. Schon lange vor den aktuellen Verwerfungen haben wir mit einem Investitionsprogramm gestartet und konnten im Herbst 21 in Weilheim/Teck einen weiteren Standort einweihen. Das wird eine interne und externe Vorzeigefabrik auf Basis von Lean und Industrie 4.0, Robotik, Schwarmintelligenz – alles was hilft, den Standort Deutschland zukunftsfähig zu machen – in das investieren wir gerne.

Zum Aufeinandertreffen von digitalem California Spirit und dem Tüftler-Gen der Ingenieure vom Neckar: Wie gelingt so ein »Culture Clash«?

SM: Diese Unterschiede gibt es. Das Team in San Francisco sieht bei fast allem sofort die Chancen, die eine sich stellende Herausforderung bietet – und das meist über eine Nachjustierung der Software. So wie sie es zuvor bei ihren Jobs bei Google, Apple & Co. verinnerlicht haben. Die Hand-CNC Origin von Shaper zeigt es: Bei gleicher Hardware wird das Werkzeug Jahr für Jahr besser und wertvoller über die Updates mit neuen Features.
Ganz wichtig ist der hohe Respekt vor der jeweiligen Vorgehensweise des anderen im TTS-Team – und der ist absolut da.
BA: Unsere Unternehmensgeschichte fundiert auf jahrzehntelanger Erfahrung und Innovationskraft. Da lässt man sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Durch Ingenieurskunst und die Nähe zu den Handwerkern entstand die Marke Festool mit ihrem Alleinstellungsmerkmal. Von der Ideenvielfalt der TTS-Schwestern wie Shaper und SawStop kann auch Festool profitieren. Und in unserem Ziel, wie in den letzten 97 Jahren, Lösungen anzubieten, die den Handwerker schneller und sicherer zu perfekten Arbeitsergebnissen kommen lassen, findet man zusammen. Wir sind gemeinsam auf einem super spannenden Weg, der uns allen noch viel Freude bereiten wird.


»Die Begeisterung, für unsere Kunden richtig gute Werkzeuge zu entwickeln, motiviert uns jeden Tag aufs Neue!«

Barbara Austel, Aufsichtsratschefin


Steckbrief

Die TTS-Gruppe ist ein Familienunternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden. Tochterunternehmen sind u. a. Festool, Tanos oder in den USA SawStop und Shaper.

www.festool-group.com

www.festool.com


»Wir haben die besten Leute aus der kalifornischen digitalen Welt und aus der schwäbischen Ingenieurskunst unter einem gemeinsamen Dach.«

Sascha Menges, CEO TTS

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