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Fee Guber: Tischlerin mit Leidenschaft für Gestaltung

Fee Guber: Tischlerin mit Leidenschaft für Gestaltung
Auf dem Weg

Fee Guber ist Tischlergesellin und bildet sich aktuell zur Gestalterin im Handwerk weiter. Die praktische Auseinandersetzung mit Gestaltungsfragen begleitet sie seit ihrer Kindheit – und sie hat noch viel vor.


Fee Guber, Nidda

Als Kind bin ich mit lebensgroßen menschlichen Skulpturen aus Holz aufgewachsen, sie stehen überall in meinem Elternhaus. Mein Vater ist freischaffender Künstler. In den Wintermonaten malt er, also hängen auch überall Bilder. Ich mag es aber nicht sonderlich, als Künstlertochter bezeichnet zu werden, zum einen steht dabei mein Vater im Vordergrund, auch wenn von mir die Rede ist, zum anderen sehe ich mich als Gestalterin und möchte nicht, dass meine Arbeiten
als Kunst wahrgenommen werden! Mein Vater war in meiner Kindheit immer in seinem Atelier oder in der Werkstatt zu finden, wo ich sehr gerne meine Zeit verbracht habe. Ich habe vieles von ihm gelernt – das Zeichnen zum Beispiel und damit auch das genaue Hinschauen. Ich erinnere mich an eine Situation, als er mich fragte: Was siehst du wirklich? Das war ein entscheidender Moment, in dem mir klar wurde, wie oft ich aus einer Vorstellung heraus handele!

Ich habe während der Schulzeit meinen Ausgleich in der Holzwerkstatt meines Vaters gefunden und wollte selber einzigartige Dinge herstellen, die auch einen praktischen Nutzen haben sollten. So kam ich zum Tischlerhandwerk! Während meiner Ausbildung hat sich mein Interesse an der Gestaltung weiter vertieft. Ich wollte als Gesellin Erfahrung sammeln und habe in der Tischlerei Holzfreude in Butzbach ein junges ambitioniertes Team mit viel Freude an der Arbeit gefunden. Parallel konnte ich in der Weiterbildung zur Gestalterin im Handwerk auch an der Gestaltung dranbleiben. Ich wünsche mir, irgendwann einmal selbstständig zu arbeiten, doch ich fühle mich dafür noch nicht bereit und möchte vor allem im Bereich Gestaltung noch viel lernen. Deshalb zieht es mich auch wieder weiter – ich habe im Herbst 2020 an der Kunsthochschule Kassel an einer Aufnahmeprüfung für den Studiengang Produktdesign teilgenommen und freue mich schon auf das Studium!

Design und Handwerk

Sehr spannend finde ich Gestaltungsfragen zwischen Tischlerhandwerk und Design. Es gibt zum Beispiel von Arco einen sehr filigranen und überlangen Tisch, bei dem man sich fragt, wie das wohl gehen kann, denn auf den ersten Blick besteht er ganz aus Holz. Doch sind die Beine furniertes Vierkantrohr und die Platte ist als Sandwich aufgebaut. Aus Tischlersicht ist das vielleicht eine Mogelpackung: Das Furnier schafft die Illusion, als habe man die natürlichen statischen Grenzen des Materials überwunden. Den Designer reizt diese Herausforderung, deshalb spielt er mit der Seherfahrung des Betrachters und provoziert einen Dialog. Ich selbst fühle mich diesem Standpunkt nah, auch wenn mir Materialwahrheit und Echtheit sehr wichtig sind. Wenn das Furnier, vielleicht Starkfurnier, für den Tisch sorgfältig verarbeitet ist und eine Hightechkonstruktion einkleidet, kann ich damit übereinstimmen, auch wenn Temperatur und Klang des Materials anders sein werden, als die Anmutung es erwarten lässt. Im Zusammenspiel von Nutzung und Gestaltung Grenzen auszuloten, reizt mich sehr. So könnte man auch fragen: Ab wann wird ein Möbelstück zum Objekt mit nur noch hypothetischem Nutzen?


Steckbrief

Fee Guber war Landessiegerin bei der Guten Form Hessen 2017 und gewann 2019 mit der freien Arbeit 120° den Wettbewerb Hessen-Design-Competition. Unterstützt durch die Begabtenförderung des Bundeswirtschaftsministeriums bildet sie sich zur Gestalterin im Handwerk weiter.

Möbel und Objekte von Fee sind noch bis zum 15. Januar 2021 in der kleinen Schaufenstergalerie »art inside« in der Kurstraße 3 in Bad Salzhausen zu sehen.

www.formfollowsfee.de


»Meine Arbeiten entstehen aus Formen und Details, die ich transformiere
und neu betrachte.«

Fee Guber

Foto: Johanna Gruber

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