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Allgäuer Holzliebelei: Zwei Schreinerinnen als erfolgreiche Unternehmerinnen

Zwei Schreinerinnen als erfolgreiche Unternehmerinnen
Altes Holz in jungen Händen

Ricarda Mayer und Lisa Marie Martach sind seit gut zwei Jahren mit ihrer Schreinerei »Allgäuer Holzliebelei« am Start. Ihre Möbel können Geschichten erzählen.

Gesucht und gefunden? – »Ja definitiv. Unsere Stärken und Schwächen ergänzen sich einfach super und es macht riesig Spaß miteinander zu arbeiten!« Ganz oben steht diese Aussage auf der Webseite von Schreinermeisterin Ricarda Mayer und Schreinergesellin Marie Lisa Martach. 2018 haben die beiden in Isny ihr Unternehmen »Allgäuer Holzliebelei« als GbR gegründet. Kennengelernt haben sie sich in ihrem Ausbildungsbetrieb 2014. Ricarda war als inzwischen als Gesellin angestellt als Lisa Marie mit der Ausbildung zur Schreinerin begann – und die Wellenlänge zwischen den beiden passte sofort.

Die Liebe zum Holz, Kernstück im Namen ihres Unternehmens, hat beide in den wundervollen Handwerksberuf Schreinerin gelenkt. Nicht direkt nach dem Abitur, sondern nach Studium und erlangter Lebenserfahrung. Ricarda arbeitete nach einem BWL-Studium im Sportmanagement, bevor sie die Suche nach einem sinnstiftenderen Arbeitsleben in die Ausbildung zur Schreinerin und auf die Meisterschule in Ravensburg brachte. Lisa Marie studierte Architektur in Innsbruck und lernte in Tirol den Werkstoff Holz kennen und lieben. Ihr wurde nach dem Abschluss klar, dass sie auf Dauer nicht nur Pläne am Rechner zeichnen will – sie möchte fertigen, erschaffen und ihre kreativen Ideen selbst umsetzen.

Die beiden begrenzen ihre Berufung als Schreinerinnen nicht auf das Handwerkliche. Ob durch die Fortbildung zur Meisterin mit den Grundlagen des Entwerfens und Gestaltens bei Ricarda oder über die Auseinadersetzung im Architekturstudium bei Lisa, bringen sie neben der Liebe zum Entwerfen auch die Kompetenz zur Raumplanung mit.

Das Kundengespräch, erste Skizzen, Möbel oder Räume entwickeln – und dann danach das Ganze mit handwerklichem Anspruch individuell für begeisterte Kunden zu bauen – das macht erfüllendes Arbeiten aus. Ganz wichtig ist ihnen ein nachhaltiger Ansatz. Und was ist nachhaltiger, als aus Materialien mit einer urigen Lebensgeschichte wie bei Holz aus dem Abbruchhaus, Neues für weitere Jahrzehnte zu fertigen.

Nachhaltig erzeugte Unikate

Nicht nur mit Altholz und dessen Herkunft lassen sich spannende Geschichten für die neuen Möbel und Innenausbauten erzählen. Auf dem Holzlagerplatz vor den Toren Isnys liegen unterschiedlichste, eingeschnittene Stämme. Mal aus dem Garten einer Kundenfamilie, die genau aus jenem Baum ihre neue Einrichtung geschreinert haben will. Oder von alten Obstbäumen, die nicht länger Früchte tragen wollten und so nach ausreichend Lagerung und künstlicher Trocknung zu Unikaten mit einer Herkunftsgeschichte werden. Schön zu sehen, dass auf der Lagerwiese schon Jungbäume wie Zwetschge, Apfel oder Nussbaum gepflanzt sind, die in der nächsten oder übernächsten Schreinerinnengeneration zu Möbeln gewandelt werden können.

Der Entwurf steuert die Ausführung

Waren Ricarda und Lisa bisher als Untermieterinnen eines Montageschreiners stark in ihrem Tun begrenzt, beginnt aktuell ein spannendes Kapitel. Beim dds-Besuch Ende November wurden die Maschinen für die neue Werkhalle durch den Maschinenhändler Miller aus Leutkirch angeliefert. Neue Hobelmaschinen und eine Formatkreissäge von Format4 sowie etliche gebrauchte Anlagen. Der Holzbau mit 350 m² Werkstattfläche und 100 m² für Sozial-, Planungs- und Präsentationsraum ist gepachtet, aber nach den Plänen der Schreinerinnen vom Investor gebaut.

Eine CNC gibt es nicht, ebenso wenig wie aktuell eine Tischfräse. Da mit dem Blick auf die AV und die konstruktive Umsetzung entworfen wird, sollen fürs erste Handoberfräsen und eine Hand-CNC von Shaper Tools ausreichen, um die Fräsarbeiten auszuführen. Benötigt es dann doch eine CNC oder etwa bekantete Spanplatten für größere Einrichtungen, sind verlässliche Zuarbeiter im Allgäuer Netzwerk da. Es gilt »make and buy«. In der eigenen Fertigung liegt der Fokus auf der Vollholzverarbeitung.

In den neuen Räumen hat es endlich Platz für weitere Mitarbeiter. Inzwischen ist ein Geselle an Bord, teilangestellt ist zudem ein virtuoser Metallgestalter etwa für Tischgestelle. Und auch der erste Azubi im Team, seit September auf der Berufsschule, bekommt nun richtig feine Arbeitsbedingungen.


dds-Redakteur Hubert Neumann konnte zwei begeisterte Schreinerkolleginnen im Allgäu erleben – wie der Alltag in neuer Werkstatt und Büro sein wird, darüber berichtet er nach dem nächsten Besuch in der dds-Märzausgabe.


Steckbrief

Allgäuer Holzliebelei
Möbel – Raum – Gestaltung

Ricarda Mayer & Lisa Marie Martach GbR

Werkstatt, Planungs- & Ausstellungsraum, Am Achener Hof 13, 88316 Isny im Allgäu

www.allgauer-holzliebelei.de

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