Der Kastenwagen VW Crafter im Fahrbericht und Marktübersicht der wichtigesten Wettbewerber

Ist der neue Volkswagen Transporter Crafter der neue Platzhirsch?

Der von Volkswagen in Eigenregie gebaute Transporter Crafter überzeugt im Test mit hervorragendem Fahrverhalten und sinnvollen Assistenzsystemen. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Patricia Fritzsche, Freie Journalistin

Den neuen Volkswagen Transporter Crafter zu fahren, ist ein Erlebnis: Ob mit kurzem Radstand und knapp 6 m Länge oder mit langem Radstand und 7,4 m Länge, ob mit Front-, Heck- oder Vierradantrieb – dieser Transporter fährt sich immer agil und präzise. Einen maßgeblichen Einfluss darauf hat die neue elektromechanische Lenkung. Sie sorgt in Kombination mit dem neuen Fahrwerk, das vorne mit einer Einzelradaufhängung und hinten mit einer Starrachse mit Längsblattfedern ausgestattet ist, für souveräne Fahreigenschaften. Die Federung fällt straff, aber nicht unkomfortabel aus. Anders als beim Vorgänger, dem in Zusammenarbeit mit Mercedes gebauten Crafter, stehen drei Antriebe zur Wahl: Frontantrieb, Heckantrieb oder Allrad mit Haldex-Kupplung. Der Frontantrieb bietet abgesehen vom Fahrverhalten den Vorteil für Handwerker, dass der Wegfall des Antriebstranges zu den Hinterrädern einen etwa 10 cm höheren Laderaum mit sich bringt. Dadurch steigt dann auch das Ladevolumen um knapp zehn Prozent auf insgesamt 9,9 bis 18,4 cm3. Mit Heckantrieb bietet der Crafter das größtmögliche Gesamtgewicht bis zu 5,5 t. Bei Zwillingsbereifung hinten ist dadurch eine Zuladung von Material plus Fahrer über 2,5 t möglich.

Es stehen Dieselmotoren mit 102, 140 oder 177 PS zur Wahl. Mit 300 Nm Drehmoment bietet der 102 PS Motor genug Kraft im unteren Drehzahlbereich und reicht für Stadtfahrten aus, für längere Fahrten ist der 140 PS starke Antrieb mit 340 Nm Drehmoment die bessere Wahl. Wer schweres Transportgut befördert, ist mit 177 PS und einem Drehmoment von 410 Nm auf der sicheren Seite. Alle Diesel haben einen SCR- Katalysator in Verbindung mit Dieselpartikelfilter. Laut Volkswagen verbraucht das System 1,5 l AdBlue auf 1 000 km. Bei Volllast kann sich der Verbrauch des Reduktionsmittels für Stickoxide auf 3 l verdoppeln. Insgesamt passen 18 l in den separaten Tank.

Sinnvolle Assistenzsysteme

Besonders überzeugt hat uns im Test der Park-Lenk-Assistent. Mit diesem parkt der Crafter automatisch ein: Einfach an parkenden Autos entlangfahren, bis der Assistent eine geeignete Lücke anzeigt, dann den Rückwärtsgang einlegen, Hände vom Lenkrad und in drei Zügen steht der Crafter sauber in der Parklücke, die nur etwa einen Meter größer als das Fahrzeug sein muss. Ebenfalls praktisch ist der Trailer Assist. Dieser hilft beim Rangieren mit Anhänger zur punktgenauen Landung in der gewählten Parkposition. Wer diese beiden Hilfsmittel einmal erlebt hat, will darauf nur noch ungern verzichten. Gut gefallen hat uns auch die Rückfahrkamera, die in Kombination mit dem Flankenschutz das Rangieren an engen Stellen zum Kinderspiel macht. Schwieriger war es hingegen mit dem Spurhalteassistenten: Blinkt man beispielsweise auf der Autobahn bei einem Spurwechsel nicht, will der Crafter sofort gegenlenken. Auch in Baustellen, wenn gelbe Markierungen die Richtung vorgeben und der Fahrer die normale Fahrbahnlinie kreuzt, lenkt er ein. Insgesamt machen die Assistenzsysteme das ohnehin angenehme Fahrgefühl im Crafter noch komfortabler.

Der funktionale Innenraum erinnert an den T6, bietet aber mehr Ablagen. So finden Wasserflaschen oder gar Aktenordner Platz auf dem Armaturenträger, in den Türen oder unter dem Fahrerhausdach. In der Fahrerkabine finden drei Personen Platz, der Crafter mit Doppelkabine bietet bis zu sieben Plätze.

Gut gefallen hat uns auch die Ausleuchtung im Fahrerraum: Hier spenden zwei Lampen im Fußraum auf jeder Seite Licht für den Einstieg. Den Laderaum beleuchten die vier LED-Spots fast taghell, was den Ladevorgang im Dunkeln enorm erleichtert.

Gesenkter Einstiegspreis

Das Basismodell mit 102 PS und Normaldach startet bei 28 416 Euro netto und liegt damit rund 2 000 Euro unter dem in Kooperation mit Mercedes gefertigten Vorgänger. Serienmäßig an Bord: Start-Stopp-System, Berganfahr- und Seitenwindassistent. Eine stärkere Motorisierung, weitere Assistenten oder der Wunsch nach Sonderausstattungen lassen den Preis schnell steigen. Dafür erhält man einen Transporter, der auf ganzer Linie überzeugt: großes Ladevolumen, tolles Fahrverhalten, Motoren für alle Anforderungen und Assistenzsysteme, die im Alltag echte Erleichterung bieten, setzen neue Maßstäbe. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Daimler arbeitet am neuen Sprinter, der im ersten Halbjahr 2018 in den Handel kommen soll.