Ist die Rechtsform der GmbH für den Betrieb sinnvoll? Eine pauschale Antwort gibt es nicht
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Mini, Maxi oder gar nicht?

Mit einer GmbH die Haftungsrisiken minimieren? Das hört sich gut an. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. Hartmut Fischer fasst das Für und Wider zusammen.

Die GmbH ist eine Kapitalgesellschaft. Sie gilt als juristische Person mit allen Rechten und Pflichten eines HGB-Kaufmanns (Handelsgesetzbuch) und wird von mindestens einem Geschäftsführer vertreten. Sie haftet mit dem Stammkapital, die Gesellschafter haften normalerweise nicht mehr mit ihrem Privatvermögen. Die GmbH muss mit einem Stammkapital von 25 000 Euro ausgestattet werden, das auch durch Anlagevermögen erbracht werden kann. Zur Gründung muss lediglich 50 % des Stammkapitals nachgewiesen werden.

Die Mini-GmbH
Die »Mini-GmbH«, korrekt »Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)«, ist eine GmbH, die schon mit einem Euro Stammkapital pro Gesellschafter gegründet werden kann. Danach muss jährlich 25 % des Jahresüberschusses bis zu einer Summe von 25 000 Euro in eine Rücklage überführt werden – Sacheinlagen sind nicht möglich. Bildet man keine Rücklagen, wird die Gewinnauszahlung als verdeckte Gewinnausschüttung bewertet und nicht als Betriebsausgabe anerkannt. Das erhöht den Gewinn und damit die Steuern der Gesellschaft. Die Gesellschafter müssen verdeckte Gewinnausschüttungen als Einnahme aus Kapitalvermögen versteuern. Für die Mini-GmbH gelten die gleichen Bestimmungen wie für die GmbH.
Vorteile einer GmbH
Die Haftung der Gesellschaft ist auf ihr Stammkapital begrenzt. Der Gesellschafter – insbesondere als Geschäftsführer – muss jedoch strenge Regeln beachten, sonst haftet er wieder mit dem privaten Vermögen.
Für den Ertrag der Gesellschaft muss Körperschaftssteuer gezahlt werden (derzeit 15 % plus 5,5 % des Steuerbetrags als Solidaritätszuschlag). Hinzu kommt die Gewerbesteuer der Kommune, für die der Gesellschaft kein Freibetrag zusteht. Von Gesellschafter-Dividenden muss die Gesellschaft Abgeltungssteuer (25 %) plus Solidaritätszuschlag (5,5 % des Steuerbetrags) und Kirchensteuer einbehalten. Der Gesellschafter kann die Versteuerung nach dem Teileinkünfte-Verfahren beantragen, wenn er mindestens 25 % der Anteile an der Gesellschaft hält oder 1 % der Anteile hält und für die Gesellschaft beruflich tätig ist. Dann unterliegen die Dividenden zu 60 % dem individuellen Steuersatz des Gesellschafters.
Ist der Geschäftsführer Mehrheitsgesellschafter, besteht für ihn keine Rentenversicherungspflicht. Dies gilt aber nicht, wenn die Gesellschaft dauerhaft und im Wesentlichen lediglich für einen Kunden tätig ist und neben dem Geschäftsführer keine weiteren Mitarbeiter beschäftigt (Minijobber werden nicht mitgezählt). Dem Geschäftsführer kann die Gesellschaft eine private Altersversorgung zusagen, für die aber strenge Vorschriften gelten. Deshalb sollte man sich fachmännisch beraten lassen. Die Pensionszusage senkt den Gewinn und damit die Steuerlast der Gesellschaft. Die Zusage liefert Ihnen Sicherheit für Ihr Alter.
Nachteile einer GmbH
Die Gründung hat eine Reihe von Nachteilen, die man ebenfalls bedenken sollte. So unterliegt die Gesellschaft den Bestimmungen des HGB. Das bringt einigen bürokratischen Aufwand mit sich, der Zeit und Geld kostet. Außerdem ist die Gründung mit einer Reihe von Kosten verbunden (z. B. Notarkosten). Auch danach fallen Kosten für Änderungen der Satzung, Abtretung von Geschäftsanteilen usw. an.
Es kommen viele strenge Überwachungs- und Handlungsvorschriften auf Sie zu. Sollte die Gesellschaft keinen Geschäftsführer haben, müssen die Gesellschafter sofort reagieren. Wird gegen geltende Vorschriften verstoßen, tritt die beschränkte Haftung nicht in Kraft. Lieferanten oder Banken werden bei höheren Beträgen Bürgschaften verlangen, sodass wieder der Zugriff auf Ihr Privatvermögen möglich ist. Werden Gelder der Gesellschaft für private Ausgaben genutzt, stellt dies eine verdeckte Gewinnausschüttung dar, die bei einer Betriebsprüfung unangenehm auffällt und nachversteuert werden muss (mit Zinsen!).
Die Gründung einer GmbH ist bei längerem Bestand des Unternehmens in einer stabilen Wirtschaftslage mit höheren Gewinnen sinnvoll. Das Umgründungssteuergesetz ermöglicht dann einen steuervorteilhaften Wechsel in die neue Rechtsform.

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Hartmut Fischer ist freier Fachautor und beschäftigt sich für dds mit aktuellen Rechts-und Betriebsführungsthemen, die für kleine und mittlere Handwerksunternehmen interessant sind.