Die Schreinerei Eham optimiert ständig ihren Betrieb

»Immer etwas besser«

65 Mitarbeiter in Werkstatt und Büro erfüllen in der Schreinerei Eham Kundenwünsche im gehobenen Marktsegment. Kein Auftrag gleicht dem anderen, trotzdem läuft der Betrieb rund und wie von selbst organisiert. dds hat vor Ort nachgeschaut, was Eham alles dafür tut.

Jeden Montag findet in der Schreinerei Eham im oberbayerischen Hausham am Tegernsee ein großes Meeting statt. Die sechs Projektleiter, die Geschäftsleitung, einer der vier Innenarchitekten und ein Verkäufer legen den Produktionsplan der kommenden Woche fest und verfeinern den der aktuellen Woche. Dienstags treffen sich die vier Leiter der Bankraumteams mit den Vorarbeitern der Abteilungen CNC, Massivholz, Plattensäge und Kante sowie Oberfläche. Sie stimmen sich ab, wann und in welcher Reihenfolge die vorgelagerten Abteilungen den Bankraumteams zuarbeiten sollen. Im Vorfeld hat natürlich eine gründliche Arbeitsvorbereitung stattgefunden. Alle Stücklisten, Pläne, Zeichnungen sowie CNC-Programme liegen vor, das Material ist komplett verfügbar.

Besser mit individuellen Produkten

Das hört sich einfach an und läuft stabil. Damit das jedoch funktioniert, schult und motiviert die Schreinerei ihre Mitarbeiter, investiert ständig in die Organisation, in IT-Systeme, in ergonomische Maschinen, Einrichtungen und Geräte, Lager- und Transporttechnik und vieles mehr. Vor dem organisatorischen Feinschliff hat Eham jedoch zunächst festgelegt, wer was zu tun hat und Stellenbeschreibungen formuliert.

Besser mit Standardprozessen

Die 1985 gegründete Schreinerei verfügt über 3000 m² Produktionsfläche und 600 m² Ausstellungsfläche. Das ISO-9001-Zertifikat bestätigt effiziente Prozesse und verlässliche Qualität. Die Schreinerei ist nicht nur in München und Oberbayern aktiv, sondern in ganz Deutschland und auch im Ausland. So kommt es vor, dass Kunden ihr Haus in Teneriffa von Eham einrichten und ausbauen lassen. 40 Prozent der Kunden sind gewerblich, 60 Prozent Privathaushalte.

Eham bildet derzeit zehn Lehrlinge aus. Das Unternehmen bietet den Full-Service mit Schreinerei, eigenen Innenarchitekten und eigenen Monteuren. Zwei Mitarbeiter sind im Vertrieb tätig. Die Verkäufer stehen im persönlichen Kontakt zu ihren Kunden, überlassen das Entwerfen den eigenen Innenarchitekten, kalkulieren die Entwürfe, nennen den möglichen Liefertermin und erstellen Angebote. Sobald der Kunde den Auftrag erteilt, wickelt ein Projektleiter diesen ab. Für den Bereich Möbel- und Innenausbau gibt es fünf Projektleiter, ein weiterer kümmert sich um das Küchengeschäft und außerdem drei um Parkettböden. Eham ist auch Netzwerker und Mitglied im Marketing und Einkaufsverband Creative Partner Deutschland.

Besser durch Nachkalkulation

Die Projektleiter begleiten und steuern den Auftrag nicht nur solange, bis er abgewickelt und bezahlt ist, sondern bis die Nachkalkulation abgeschlossen ist. Durch diese organisatorische Maßnahme kann die Schreinerei positive und negative Erfahrungen, die sie bei einem Auftrag gemacht hat für die Zukunft nutzen. Gab es beispielsweise Probleme mit einem bestimmten Lack, wissen die Arbeitvorbereiter künftig, welche besseren Alternativen es gibt. Oder sie erhalten die Bestätigung, dass der verwendete Lack tatsächlich der beste ist. Die Arbeitsvorbereitung ist mit fünf Mitarbeitern besetzt. Seit bereits zwei Jahren arbeiten sie mit dem 3D-CAD-CAM-System TopSolid Wood. Alles, was die Schreinerei selbst produziert, konstruiert sie als 3D-Modell. Das hat den großen Vorteil, dass sich alle Stück- und Materiallisten sowie alle CNC-Programme automatisch und vor allem fehlerfrei generieren lassen. Ändert sich bei der Konstruktion ein Maß, so korrigieren sich in der Zeichnung und in allen Stücklisten die Maße aller von der Änderung betroffenen Werkstücke von selbst. Außerdem setzt die Software hauseigene Standards wie z. B. Dübelbohrbilder oder die Lage von Rückwandnuten automatisch um.

Eham hat Topsolid-Wood mit dem ERP-System von Borm vernetzt. Es führt alle kaufmännischen und technischen Informationen sowie die Termine eines Auftrags zusammen, verwaltet die Aufträge und steuert ihre Abwicklung. Auch die Angebote, die Materialbestellungen oder die Fakturierung laufen über Borm.

Besser mit konventioneller Planung

CAD-CAM und ERP unterstützen mit nützlichen Informationen die konventionelle Planung. Der Verkäufer kalkuliert ein Angebot und setzt dabei anhand von Erfahrungswerten Planzeiten für wenige zentrale Fertigungsbereiche wie Massivholzabteilung, Zuschnitt, Kante, CNC, Oberfläche, Bankraum und Montage fest. Das funktioniert, weil er von jedem Auftrag die Nachkalkulation auf den Tisch bekommt und erfährt, wann und warum er sich mal verschätzt hat. Diese Planzeiten fließen in eine elektronische Plantafel auf Excel-Basis ein, die der Betriebsleiter pflegt und damit alle Informationen für die Grobterminplanung parat hat. Das ist die Grundlage für die Wochenpläne der Projektleiter. Zu enge Vorgaben von oben entsprechen nicht dem Geist bei Eham, deswegen soll sich die Fertigung weitgehend selbst steuern, und zwar über die Feinterminplanung der vier Bankraumteamleiter. Jedes Team besteht aus vier bis fünf Schreinern und ist nach einer Farbe benannt. Die Teamleiter steuern gemeinsam alle zuarbeitenden Abteilungen.

Besser ohne zu enge Vorgaben

Neben dieser Aufbau- und Ablauforganisation sorgen weitere Maßnahmen dafür, dass der Betrieb rund läuft. Dazu gehören kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP). Der Begriff Qualitätsmanagement beschreibt das Gleiche. Die Mitarbeiter können Verbesserungsvorschläge einreichen und erhalten dafür im Erfolgsfall eine Prämie. Anders als bei Systemen nach Norm fasst Eham von Mitarbeitern initiierte Verbesserungen und solche Verbesserungen, die sich aus der Analyse von Reklamationen ergeben, organisatorisch zusammen. Für die Lagerhaltung von Standardprodukten und auftragsbezogen angeschaffter Ware unterhält Eham ein Kleinteilelager am eigentlichen Firmensitz sowie ein weiteres standortbedingtes Außenlager mit einer Größe von über 2000 m² ein paar Kilometer entfernt. Für beide Lager hat Eham jeweils einen Lageristen eingestellt.

Einzelne Optimierungsprozesse wie die Optimierung der Transporte zwischen dem Firmensitz und dem Außenlager hat die Schreinerei im Rahmen von Projektarbeiten von Holztechnikstudenten der Hochschule Rosenheim lösen lassen.

Schließlich zeigt sich die Schreinerei auch aufgeschlossen, technische Lösungen, wie Hubtische, Hordenwagen oder fahrbare Werkzeugkisten einzusetzen. Auch maschinen- und anlagentechnisch orientiert sich die Schreinerei am Stand der Technik und hat jetzt beispielsweise die Oberflächenabteilung Lack erweitert und energieeffizient und auf den aktuellen Stand der Technik umgerüstet.


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Schreinerei Eham und ihren Betriebsleiter Florian Lechner-Hammerl. Für noch so komplexe Probleme hat Eham stets eine überzeugende und realisierbare Lösung parat.


Kontakt

Schreinerei Josef Eham GmbH
83734 Hausham
www.eham.de