Unternehmenscockpit Teil 10: Unternehmenscockpit Teil 11: Krankheitsquote

Gesunde Betriebe leben länger

Es ist eine der am meisten diskutierten Fragen unter Unternehmern: Wie lange sollten beziehungsweise dürfen Mitarbeiter krank sein? Die Antwort ist einfach: Am liebsten gar nicht. Armin Leinen beschreibt, mit welchen Maßnahmen sich die Krankheitsquote reduzieren lässt.

Das Schlimme an Krankentagen, soviel sei vorab schon mal gesagt, sind nicht die weiterlaufenden Kosten, sondern der entgangene Ertrag.

Die Krankheitsquote gibt an, wie viele Arbeitstage Mitarbeiter in einem Betrieb durchschnittlich krank sind. Je nach Betrieb und Region sind diese Werte gut zweistellig – eine Katastrophe! Ein Betrieb muss alle Hebel in Bewegung setzen, um eine derartige Krankheitsquote zu reduzieren. Das ist eine der wichtigsten Führungsaufgaben. Jeder Krankheitstag ist ein unproduktiver Tag. Die Lohnkosten laufen weiter, die Fixkosten sowieso. Wer realistisch rechnen will, muss zu diesen echten Kosten auch die Ertragsausfälle hinzurechnen. Wer sich die Zahlen genau anschaut, weiß wieviel Mehrertrag er am Ende des Jahres hätte haben können. Diese Zahl sollten auch die Mitarbeiter kennen, um ein Bewusstsein zu entwickeln, wie teuer ein Krankheitstag ist. Neben den Kosten verursachen Krankentage übrigens auch Stress bei den Kollegen, die für den erkrankten Mitarbeiter einspringen müssen.

Natürlich können Verletzungen mit Krankheitsfolge bei handwerklichen Tätigkeiten eher passieren als bei Bürotätigkeiten. Doch auch diese können vermieden oder zumindest reduziert werden. Im Handwerk sind z. B. Cuttermesser ein sehr beliebtes Werkzeug, doch leider auch einer der größten Verursacher von Krankentagen. Betriebe sollten klar regeln, dass bei jeglicher Nutzung des Cuttermessers an der anderen Hand ein Schnittschutzhandschuh getragen wird.

Melden sich montagmorgens Mitarbeiter krank, wirft dies den gesamten Wochenplan durcheinander. Oft müssen Termine abgesagt werden, was zu einer »Entgeisterung« (Gegenteil von Begeisterung) der Kunden führt. Womöglich haben die sich für diesen Tag extra frei genommen. Um möglichst schnell reagieren zu können, sollten Betriebe festlegen, bei wem sich Mitarbeiter krankheitsbedingt abzumelden haben. Das sollte ausschließlich persönlich beim Chef oder zumindest bei der Führungskraft sein und nicht einfach nur bei einem Kollegen. Außerdem ist klar zu regeln, bis wann ein Krankenschein vorliegen muss.

Sind Mitarbeiter erkrankt, ruft ein fürsorglicher Chef regelmäßig an oder meldet sich für einen Kurzbesuch an, um sich nach dem Gesundheitszustand zu erkundigen. Besonders fürsorgliche Betriebe versuchen sogar Artzttermine u. Ä. früher zu organisieren, engagieren Physiotherapeuten oder bezuschussen Fitnesskurse. Es geht dabei nicht um Kontrolle, sondern um die Fürsorge. Wenn Mitarbeiter spüren, dass Chefs sich für ihre Gesundheit interessieren, kommt dies auch dem Betriebsklima zugute. Ein »gesundes« Unternehmen ist nicht nur betriebswirtschaftlich gesund, es hat auch gesunde Mitarbeiter.


Krankheitsquote

= Anzahl Kranktage/Jahr je Mitarbeiter

Zielwert: 5 Tage im Jahr pro Mitarbeiter

Maßnahmen zur Verbesserung:

 Motivierendes Betriebsklima

 Fitnessbonus, wer nicht krank ist

 Krankenbesuche bzw. -anrufe

 Schnittschutzhandschuhe

 Sicherheitsmaßnahmen als verbindliche     Regelungen

 Um frühzeitige Arzttermine kümmern

 Persönliche Krankmeldung beim Chef

 Festlegen, bis wann eine Krankmeldung     eingereicht werden muss

 Krankenrückkehrergespräche


Armin Leinen ist Experte für Mitarbeitermotivation und Kundenbegeisterung im Handwerk. Er gibt seine langjährige praktische Erfahrung in Form von Vorträgen, Seminaren und Coachings weiter. Infos: www.arminleinen.com


Serie

Unternehmenscockpit

In dieser dds-Serie stellt Armin Leinen die wichtigsten Kennzahlen vor, mit denen sich ein Handwerksbetrieb effizient steuern lässt.