Fahrbericht PSA-Trio: Citroen Berlingo, Peugeot Partner und Opel Combo

Fast eineiige Drillinge

Die drei weitgehend baugleichen kleinen Großen von PSA kommen als Raumwunder bei Handwerkern gut an! Wir haben den Citroen Berlingo, Peugeot Partner und Opel Combo Cargo inzwischen auf der Straße erprobt – wie gleich sind sie wirklich?

Jens und Patricia Fritzsche, Freie Journalisten

Jeder dritte Handwerker in Europa fährt bei einem Marktanteil von über 30 Prozent zumindest rechnerisch einen der drei Hochdachvans aus dem PSA-Konzern. Das im Herbst 2018 vorgestellte Trio Citroen Berlingo, Peugeot Partner und Opel Combo Cargo basiert auf der PSA-Plattform EMP2. Um den Fahrzeugen dennoch Eigenständigkeit zu verleihen, sind vor allem Cockpit und Frontpartie differenziert gestaltet. Im Citroen Berlingo vermittelt das Lenkrad tatsächlich Nutzfahrzeugcharakter. Es liegt griffig und gut in der Hand, zeigt aber einfachen Kunststoff . Der Peugeot bietet mit einem relativ kleinen Lenkrad im sogenannten i-Cockpit PKW-Feeling. Das mit Leder bespannte Steuer normaler Größe im Opel fasst sich wunderbar an – und an kalten Tagen freut man sich über die Lenkradheizung, die nur bei Opel erhältlich ist. Auf dem Lenkradkranz ist auch die Bedienung für den Tempomat integriert. Citroen und Peugeot steuern die Fahrhilfe über einen dritten Hebel links hinter dem Lenkrad. Das war’s – mehr Unterschiede sind im Fahrerraum nicht zu finden!

Bei allen drei Modellen gefällt uns im Innenraum das große Staufach in der Mittelkonsole. Hier lassen sich sogar 1,5-l-Flaschen unterbringen. Ein weiteres Plus: Es sitzt alles am richtigen Platz. Der hoch und mittig platzierte 8-Zoll-Screen liegt genau im Blickfeld und ist intuitiv zu bedienen. Darunter befinden sich die Klimaregler und der Schaltknauf. Weitere zahlreiche Ablagen und Fächer sind optimal für die großen und kleinen Dinge des Handwerkeralltags.

Das rundum gelungene Cockpit wird im Opel nur durch die nachts stark spiegelnden Instrumente im Rückspiegel getrübt. Bei unseren Testfahrzeugen von Citroen und Peugeot war jeweils das Surround-Rear- Vision-System verbaut, deshalb konnten wir hier den Effekt nicht nachvollziehen. Der Kamerarückspiegel ist übrigens klasse: Insbesondere bei der verblechten Karosserievariante liefert er eine einwandfreie Sicht hinter und rechts neben das Fahrzeug. Dass nachts die Frontleuchten der nachfolgenden Autos aufgrund der etwas geringen Auflösung im Display flackern, ist zu verkraften, dass man aber nach jedem Motorstart wieder neu per Tastendruck am Rückspiegel die Richtlinien bestätigen muss, nervt allerdings. Neben dem cleveren Kamerasystem gibt es weitere sinnvolle elektrische Helfer. Alle machen einen guten Job: Der Tote-Winkel-Warner zeigt Fahrzeuge zuverlässig mit LEDs in den Seitenspiegeln an, das Head-up-Display projiziert wichtige Fahrinfos in die Frontscheibe und die Schilderkennung blinkt, falls der Fahrer zu schnell unterwegs ist. Gefühlvoller, als man es gewohnt ist, greift auch der Spurwechselassistent in die Lenkung ein. Das Flankenschutz-System überwacht mithilfe von zwölf Sensoren die Fahrzeugseiten. Insgesamt werden 20 Fahrerassistenzsysteme angeboten.

Neu in dieser Fahrzeugklasse ist die Überladungsanzeige. Sie warnt, sobald maximal zugeladen ist. Bis zu einer Tonne Zuladung und 4,4 m3 Volumen in der größten Version gehen in den Frachtraum. Genügend Platz für zwei Europaletten in Reihe. Der Laderaum lässt sich über die zwei seitlichen Schiebetüren und die zwei Hecktüren einfach beladen. Wer häufig lange Gegenstände transportiert, bestellt eine Durchlade in der Trennwand oder eine Dachluke.

Typisch französisch

Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt. Schnelle Spurwechsel lassen nicht aufschaukeln. Die Federn gleichen Unebenheiten der Fahrbahn souverän aus. Unsere Testwagen waren alle mit dem 130 PS starken Dieselmotor und Sechsganggetriebe ausgestattet, das sich leicht schalten lässt. Die 300 Nm haben leichtes Spiel mit den knapp 1500 kg schweren Kompakten. Ab 1750 Umdrehungen entfaltet der Selbstzünder die volle Kraft und bringt zügig voran. Überholmanöver sind mit diesem Triebwerk kein Problem, jederzeit stehen genügend Kraftreserven zur Verfügung. Dabei bleibt der Motor angenehm leise. Der Testverbrauch inklusive zügig gefahrener Autobahn-Kilometer lag nach Bordcomputer bei 6,6 l Diesel. Die ebenfalls verfügbare 75-PS- und 100-PS-Maschine wartet mit fünf Gängen auf. Opel hat alle Motoren bereits nach der neusten Abgasnorm Euro 6d-TEMP zertifiziert. Citroen und Peugeot bieten aktuell nur den stärksten Diesel nach der neusten Norm an.

Darüber hinaus sind die Unterschiede der Fahrzeuge rein kosmetisch. Da auch die Einstiegspreise recht nah beieinanderliegen (16 330 Euro bei Citroen und Peugeot, 16 850 Euro bei Opel), kann man bei seiner Entscheidung also ohne Weiteres nach dem Äußeren wählen – alle drei PSA-Hochdachvans punkten mit großem Ladevolumen und großer Zuladung, sicherem Handling und einer Vielzahl an sinnvollen Assistenzsystemen.