Es werde Licht

Oft sind die Lampen so alt wie die Werkstatt. Die Betreiber tauschen lediglich defekte Röhren aus. Die Tischlerei Kreienbaum will jetzt Abhilfe schaffen und mit LEDs das Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessern, ihre Aufmerksamkeit steigern und Strom sparen.

Die Berufsgenossenschaft hat Mindestanforderungen an die Ausleuchtung der Arbeitsplätze formuliert und nennt Mindestbeleuchtungsstärken für verschiedene Betriebsbereiche (siehe Kasten rechts). In der Praxis werden diese Werte häufig nur dann erreicht, wenn das Tageslicht kräftig mithilft. Das hat mehrere Gründe:

  • Mit der Zeit lässt die Leuchtkraft der Röhren nach
  • Offene Leuchten verstauben schnell. Der Staub steht dem Licht im Weg
  • Dunkle Decken absorbieren das Licht
Viele Lampen aus den 70er- und 80er-Jahren sind häufig noch mit den dicken 65-W-Röhren bestückt. Diese benöti- gen das konventionelle Vorschaltgerät (KVG), das im Betrieb noch einmal bis zu 13 W drauflegt.
Neue Röhren in alten Lampen?
Das funktioniert zwar, aber die Lebensdauer ist deutlich kürzer als bei einer dafür angepassten Leuchte, da die Vorschaltgeräte dazu nicht gut passen. Hinzu kommt, dass die Starter inzwischen nicht mehr zu bekommen sind.
Während man früher einfach die Leuchtbänder in langen Reihen gleichmäßig in der Halle verteilt hat, platziert man die Leuchten heute nach Bedarf. Elektronik hilft, das Tageslicht mit einzubeziehen und die Beleuchtung auch ohne die aktive Mitwirkung der Mitarbeiter anzupassen. Im Lager können Bewegungsmelder den Lichtschalter ersetzen.
Daneben ist auch die Technik in Bewegung gekommen. LED-Leuchten erreichen inzwischen auch die Leuchtintensität moderner Leuchtstoffröhren und können zudem bei der Steuerung und Lebensdauer punkten. Hier lassen sich gegenüber der Standardausstattung, T8 Leuchten mit 58 W ohne elektronisches Vorschaltgerät, wenigstens 50 Prozent einsparen. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung in diesem Jahr über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein Sonderprogramm aufgelegt hat zur Unterstützung der Sanierung der Beleuchtung mit LEDs. Bei einer Investition von wenigstens 2000 Euro gewährt die BAFA einen Zuschuss von 30 Prozent.
Das war auch für die 60-Mann-Tischlerei Kreienbaum in Warendorf der Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Schreinerei ist auf die Einrichtung von Luxushotels spezialisiert und agiert international (siehe »Grenzenloser Service«, dds 2/2011 Seite 64).
Ein Schwerpunkt liegt auf der maschinellen Fertigung. Über die verschiedenen Werkstattbereiche verteilt, fanden sich 240 Einzelleuchten, alle fast schon 20 Jahre alt, im herkömmlichen T8-Standard und ohne elektronisches Vorschaltgerät.
In einzelnen Teilbereichen über der Formatkreissäge und über der CNC-Maschine hatte man die Beleuchtung gezielt verbessert. Auch im Magazin hatte die Tischlerei die Beleuchtung mit einem Bewegungsmelder gekoppelt. Vor allem hatte sich auch der Betrieb deutlich weiterentwickelt, neue Maschinen angeschafft und den Materialfluss entsprechend angepasst. In Teilbereichen wurden Lagerflächen geschaffen – aber alles passte eigentlich nicht mehr mit der alten Beleuchtung zusammen.
Verbrauch leicht halbiert
Allein der Austausch der Leuchtstoffröhren gegen LED-Leuchtkörper würde bis zu 50 Prozent Strom sparen. Mit Bewegungsmeldern im Lager und Tageslichtsensoren bei den Oberlichtern ließen sich weitere zehn bis 20 Prozent einsparen. Das alles summiert sich auf rund 16 Euro Einsparung pro Leuchte und Jahr. Vor dem Einbau der LED-Leuchten sind jedoch Starter und Vorschaltgeräte auszubauen und zu überbrücken.
Neuplanung spart 80 Prozent
Der Betrieb hat sich maschinell weiterentwickelt. Es gibt einen neuen Materialfluss. Da ist einen komplette Neuplanung angesagt. Damit lassen sich bis 80 Prozent Stromeinsparung erzielen. Dann orientiert sich die Beleuchtung am Weg des Materials und wird dort verstärkt, wo die Mitarbeiter arbeiten und viel Licht benötigen. Fällt genug Tageslicht ein, schaltet sich das Licht aus. In den Lager- oder Sozialbereichen kann ein Bewegungsmelder für Einsparung sorgen. Da die LED-Leuchten ohne Zündfunken sofort voll da sind, lassen sie ständig an- und ausschalten, ohne dass die Lebensdauer darunter leidet. Markus Hinnüber, geschäftsführender Gesellschafter und sein Prokurist Bernd Grote haben die Neuplanung in Auftrag gegeben. Sie rechnen mit Kosten in Höhe von 25 000 Euro. Ein Drittel können sie über Fördergelder finanzieren (siehe unten).
Ob sich so eine Investition auch für andere Betriebe rechnet, hängt natürlich vor allem von der tatsächlichen Nutzungsintensität ab. Betriebe, die häufig unterwegs auf der Baustelle sind, profitieren von einer Energieeinsparung weniger, aber bei mittelgroßen Betrieben mit einer regelmäßigen Maschinennutzung macht sich ein Umbau schnell bezahlt. Inzwischen ist die technische Entwicklung so weit, dass es sich lohnt, jetzt die Beleuchtung zu modernisieren.
Helmut Haybach