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Zukaufen oder Selbermachen?

Make or buy? Marketing & Betriebsführung
Zukaufen oder Selbermachen?

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Über 90 Prozent unserer Aufträge für den Ladenbau und Mineralwerkstoffteilen fertigen wir mit über 30 Mitarbeiten selber. Möglich ist das, weil wir technisch sehr gut ausgestattet sind und meine Mitarbeiter hervorragend ausgebildet sind. Das Können unserer Schreiner gehört zur Firmenphilosophie. Jeder soll möglichst alles können. Daher gibt es bei mir keine festen Maschinenführer, beispielsweise an der CNC oder an der Säge-Lager-Kombination. Jeder erledigt alle Arbeitsschritte seines Auftrag vom Zuschnitt bis zum Einbau selber. Das ist zwar nicht ganz so effektiv, aber dafür identifizieren sich meine Leute mit ihrer Arbeit und schieben, wenn was schief geht, den Schwarzen Peter nicht dem Kollegen zu. Das senkt nicht nur die Fehlerquote, es rechnet sich. Wenn wir zukaufen, dann beim Spezialisten, etwa wenn es um Holzschubkästen oder Einrichtungen mit einem Brandschutzzertifikat geht. Unsere Kernprodukte kaufen wir nur zu, wenn wir komplett ausgelastet sind.Josef Eibl, www.eibl-gmbh.de
Make or buy? Über diese Frage können Tischler und Schreiner stundenlang streiten. Viele Argumente sprechen für das Selbermachen, viele für den Zukauf. Einige Tischler und Schreiner kalkulieren, was günstiger ist, andere verlassen sich auf ihr Bauchgefühl und entscheiden sich für das, was sie lieber tun. dds hat bei fünf Kollegen interessante Meinungen, Überlegungen und auch Argumente zusammengetragen.


»Serienteile sourcen wir out«

Wir, Baierl & Demmelhuber im oberbayrischen Töging, haben Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Tschechien und Großbritannien, beschäftigen mehr als 550 Mitarbeiter und befassen uns mit den Geschäftsbereichen: Innenraum Manufaktur, Trockenbau, dem Komplettausbau als Generalunternehmer sowie Retail + Lounge. Die drei Geschäftsbereiche können auf verschiedene Werkstätten, wie eine Malerwerkstatt, eine Schlosserei und auch zwei Schreinereibetriebe zugreifen. Ich leite den Innenraum. Bei größeren Serien diktiert der Markt Preise, die wir kostendeckend in der eigenen Werkstatt nicht einhalten können, obwohl wir gut eingerichtet sind. Spezialisierte Serienfertiger oder kleine Möbelfabriken im In- und Ausland können das besser. Trotzdem unterhalten wir unsere Projektwerkstatt mit 25 Beschäftigten in der Werkstatt sowie sieben weiteren für die Arbeitsvorbereitung und die Leitung. Mit einem modernen Maschinenpark mit Säge-Lager-Kombination und einer großzügigen Oberflächenabteilung ist der Betrieb recht leistungsfähig und flexibel. Mit der Projektwerkstatt können wir komplizierte Werkstücke und Möbel exakt nach unserer Vorstellung produzieren sowie schnell und flexibel auf die Nachfrage nach Mustern oder Mock-Ups reagieren.

Philipp Heiss, www.demmelhuber.de


»Wir mixen Individuelles und Bezahlbares«

Ich betreibe in Ainring an der österreichischen Grenze, kurz vor Salzburg, ein Möbelhaus 4500 m2 mit 45 Mitarbeitern und eine Schreinerei mit zehn Beschäftigten. Die meiste Wertschöpfung erzielen wir im Handel, haben aber mit der eigenen Schreinerei einen Vorsprung gegenüber unseren Wettbewerbern, den großen Möbelhäusern. Die Schreinerei ist breit aufgestellt und fertigt Massivholzmöbel, furnierte und lackierte. Was den Zukauf angeht, sind wir recht aufgeschlossen. Obwohl wir eine eigene Nestingmaschine betreiben, bestelle ich auch mal einen Korpus beim Speedmaster. Massivholzschubläden kaufen wir bereits seit 20 Jahren zu, ebenso Leimholzplatten mit oder ohne Längsstöße und Arbeitsplatten aus Keramik oder Stein. Unsere Stärke ist eine bezahlbare Kombination aus Industrie- und Schreinerware.

Siegfried Reichenberger, www.moebel-reichenberger.de


»Gute Marge, hohe Wertschöpfung«

Bis vor zwei Jahren haben wir in der Tischlerei Voss in Cuxhaven alle Möbel selbst gebaut. Hier gibt es zahllose Ferienhäuser, auf deren Innenausbau wir auch gewerkeübergreifend spezialisiert sind. Dann hat sich unser bester aber auch älterer Möbeltischler beruflich umorientiert. Die Fertigung konnte ohne ihn so nicht weiterlaufen. Außerdem konnten wir das steigende Volumen aus eigener Kraft nicht bewältigen. Jetzt kaufen wir 80 Prozent der Tischlerarbeiten bei Horatec zu. Den Roomdesigner nutzen wir wegen des hohen Umsatzes gratis und erzeugen damit auch Listen für die eigene Fertigung. Die Marge ist für uns so günstig, dass wir mit Montagearbeit pro Stunde mehr Wertschöpfung erzielen als früher mit Werkstattarbeit. So halten wir mit einem Mann weniger unseren Jahresumsatz. Außerdem sind wir auch Einrichter, beschäftigen eine Innenarchitektin, unterhalten einen Showroom und beschäftigen zehn Mitarbeiter, davon fünf Tischlergesellen. Handelsware und eine Topateam-Mitgliedschaft sind für uns von strategischer Bedeutung.

Bernd Kuhl, www.vosstischlerei.de


»Sonderschichten wären mir lieber«

Vor drei Jahren habe ich meine 20-Mann-Tischlerei auf CAD/CAM und Nesting umgestellt. Damit habe ich natürlich Fertigungskapazitäten, die ich zunächst mal voll erschöpfe, bevor ich Tischlerarbeiten an Kollegen, Spezialisten oder den Holzhändler vergebe. Davor haben wir immer wieder mal Tischlerleistungen zugekauft, vor allem solche, die uns damals schwergefallen sind, etwa Korpusse in großen Stückzahlen. Heute freue ich mich, die Wertschöpfung ins Haus geholt zu haben. Das rechnet sich für uns. Das Gros unseres Erfolgs erzielen wir in der Werkstatt und nicht mit Gestaltung, Planungen, Angeboten oder Handelstätigkeiten. Kürzlich kam quasi über Nacht ein Eilauftrag mit 300 Schränken. Da blieb mir nichts anderes übrig, als meinen Plattenhändler mit der Produktion der Fronten zu beauftragen. Sonderschichten wären mir lieber gewesen…

Christian Schneider, www.tischlermeister.de

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