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Zulieferer können nicht nur produzieren, auf Wunsch kommissionieren und
sortieren sie die Ware nach der geplanten Fertigungsreihenfolge
Foto: AdobeStock_Auris

Es geht nicht nur um Kosten

Eine kleine Frage im Managerjargon: make or buy? Die Antwort kann über Erfolg oder Misserfolg eines Tischler- und Schreinerbetriebes entscheiden. Wer kurzfristig immer nur die Kosten im Blick hat, übersieht, wie es anders sein könnte.

Ob Sie besser etwas selbst fertigen oder es zukaufen, hängt davon ab, was Sie lieber tun und wovon Sie sich mehr Erfolg versprechen. Der Trend zur Digitalisierung erleichtert sowohl das Auffinden von Zulieferteilen und das Abwickeln der Zukäufe als auch eine weitgehend automatisierte Eigenfertigung.

Drei Typen, drei Verhaltensweisen

Ein Tüftler fokussiert seine Kräfte auf die Werkstatt und kauft nur wenig zu. Ein Verkäufer hingegen hat seine Kunden und seine Ausstellung im Blick. Er produziert nur selbst, wenn er dabei Geld spart oder Einmaliges anbieten kann. Der Gestalter plant und konstruiert ein bestmögliches Produkt und lässt bei demjenigen fertigen, der seine Konstruktion gut und effizient umsetzt. Das muss nicht die eigene Werkstatt sein. Der Fertigungsspezialist verdient sein Geld in der Werkstatt, der Verkäufer über die Handelsmarge. Der Gestalter schlägt sich oft auf die Seite des Verkäufers. Er kann aber auch selbst produzieren oder auf Honorarbasis nur entwerfen und konstruieren.

Doch den reinen Verkäufer, Fertiger oder Gestalter gibt es in der Regel nicht. Die meisten bewegen sich irgendwo im Mittelfeld und bringen von allen drei wertvollen Tugenden etwas mit. Ein unentschlossenes Hin-und-Herpendeln im Dreieck zwischen Verkäufer, Fertiger und Gestalter wird die Frage nach dem Make-or-buy immer auf eine einfache Kostenrechnung reduzieren. Diese berücksichtigt jedoch nur die aktuell gegebenen betrieblichen Möglichkeiten. Das, was sein könnte, bleibt außer Acht. Langfristig gilt es, in dem Dreieck eine klare Position zu beziehen und den Betrieb daran anzupassen. Damit ändern sich auch die Kalkulationsparameter. Das erfordert jedoch eine strategische Ausrichtung.

Welcher Typ möchten Sie sein?

Bei der Zielfindung spielen neben der persönlichen Neigung auch die Betriebsgröße, die dazu passende Ausstattung, das machbare Vertriebsvolumen oder eine eventuelle Spezialisierung eine große Rolle. Es lohnt sich auch, kritisch in die Vergangenheit zu schauen und nachzukalkulieren, welche Aufträge und Tätigkeiten besonders zum Gewinn beigetragen haben und welche Verluste gebracht haben. Wie ein Puzzle sollte der Tischler und Schreiner möglichst viele Informationen über Erfolg und Misserfolg, seine Stärken und Schwächen, über das, was ihn begeistert oder ihn abschreckt, sammeln, auswerten und daraus Handlungsalternativen herleiten.

Vage Vorstellungen und Wünsche gilt es dabei zu konkretisieren und klare Ziele zu formulieren. Alles im Betrieb ist dann diesen Zielen unterzuordnen. Das Ergebnis der Strategiefindung könnte neben der Zielgruppe, den Vermarktungskanälen und vielen weiteren Weichenstellungen auch festlegen, welche Arbeiten als Kernkompetenz gelten und auf keinen Fall outzusourcen sind. Um sich nicht zu verzetteln, ist es vielleicht sogar sinnvoll zu definieren, was der Betrieb auf gar keinen Fall selbst machen soll. So fertigen viele Möbeltischler und -schreiner beispielsweise grundsätzlich keine Türen, Fenster oder Treppen. –GM