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Zwischen den Zeiten

Mechatronisches Schließsystem für ein Ärztehaus
Zwischen den Zeiten

Die mechanische Schließtechnik der Vergangenheit und die elektronische der Zukunft – sie existieren parallel, und das wird noch eine Weile so bleiben. In der Praxis lautet die Anforderung, häufig, Bestehendes mit Neuem zu verbinden, wie das Beispiel dieses Ärztehauses in der Gemeinde Aichwald zeigt.

Die schöne neue Welt der elektronischen Schließtechnik lockt mit ungeahnten Möglichkeiten – so stellt es die Werbung der Hersteller dar. Die Vorteile und Annehmlichkeiten leuchten auch dem Laien ein. Doch wie aus Wünschen Wirklichkeit werden soll, ist in der Praxis nicht leicht zu beantworten. Alles Alte abschaffen und auf einen Schlag durch Neues ersetzen: wirtschaftlich ist das meist nicht vertretbar. Gefragt sind deshalb Lösungen, die einen schrittweisen Einstieg in die Zukunft ermöglichen. Verschiedene Hersteller haben Systeme entwickelt, die mechanische Komponenten beibehalten und diese durch elektronische Zusatzfunktionen aufwerten. Mechatronik ist die Brücke zur Schließtechnik von morgen.

Nicht nur Schwaben müssen sparen

Die Gemeinde Aichwald bei Stuttgart, rund 7500 Einwohner, hat 2014 ein neu errichtetes Ärztehaus in Betrieb genommen. Bei dessen Bau stand der Einstieg in die elektronische Schließtechnik zur Diskussion, nicht nur für den Neubau, sondern auch für den Bestand: Gibt es ein System, das auch andere Liegenschaften der Gemeinde – Sozialstation, Kita, technische Gebäude – einbeziehen kann? Gibt es eines, das von technischen Laien verwaltet werden kann?

Wer managt die Schließanlage?

Das Personalbudget einer Landgemeinde verkraftet keine Vollzeit-Spezialisten. Das Sperren eines Schlüssels bei Verlust muss einfach zu bewerkstelligen sein, zudem kommt es häufig vor, dass Berechtigungen zu ändern sind. Ins Ärztehaus sollten mehrere Praxen einziehen und auf Gemeindeebene gibt es viele Nutzer, deren Zugangsrechte wechseln. Das Schließsystem sollte den Neubau nicht verteuern, und bei der Sanierung älterer Gebäude sollte es übernommen werden, ohne gleich sämtliche Türen auszutauschen.

Die Wahl fiel auf das mechatronische Schließsystem Verso Cliq von Ikon, geplant, geliefert und gewartet von Security Data, einem Systempartner des Herstellers Assa Abloy. Eines der wichtigsten Kriterien war, dass die Produktwahl keine kostentreibenden Nebenwirkungen haben durfte: Das System sollte mit Standardtüren kompatibel sein, ohne besondere Fräsungen, Bohrungen oder Nuten, weder an Türblatt und Zarge noch an den Wänden. Verso Cliq kommt zur Energieversorgung mit einer handelsüblichen Knopfzelle im Schlüssel aus, die der Benutzer ohne Werkzeug wechseln kann. Die Ladung reicht für ca. 20 000 Schließungen, was einer Betriebsdauer von rund zwei Jahren entspricht. Die Energie zur Bedienung des Riegels wird mechanisch, durch Drehen des Schlüssels, aufgebracht; Strom wird nur für das Prozessieren der Schließberechtigungen benötigt. Der Ladezustand wird durch ein Display am Schlüssel angezeigt. Optional kann die Schlüsselreide mit einem RFID-Chip bestückt sein, der mit einem Zeiterfassungssystem kommuniziert. Verso Cliq ist Teil einer Systemfamilie der Marke Ikon aus dem Hause Assa Abloy. Das Basis-System +Cliq dient zur einfachen Erweiterung mechanischer Schließanlagen. Damit können mechanische und mechatronische Komponenten innerhalb einer Schließanlage kombiniert werden. Die Erweiterung von Verso Cliq heißt eCliq – ein rein elektronisches System. Auch seine Zylinder kommen ohne Verkabelung aus und beziehen ihre Energie aus einer Batterie (30 000 Schließungen).

Was die Gemeinde braucht

Nicolas Fink, der Bürgermeister von Aichwald, betont die Absicht, auch in Zukunft bei dem System zu bleiben und nennt die Kriterien für die Einführung der mechatronischen Schließanlage: erhöhte Sicherheitsanforderungen in allen Liegenschaften, häufig vorkommender Verlust von Schlüsseln, stetige Veränderungen der Organisation, häufige Umzüge von Mitarbeitern oder Abteilungen, kurzfristige und zeitlich begrenzte Vergabe von Zutrittsberechtigungen, hohe Anzahl von Türen und Schließzylindern. Dazu kommt, dass der Verwaltungsaufwand für den Betrieb der Anlage überschaubar ist: Ein Mitarbeiter der Gemeinde kann Schlüssel sperren oder umprogrammieren, ohne jedes Mal auf den Service eines externen Dienstleisters angewiesen zu sein. In Aichwald ist Andreas Jauß zum Herrn der Schlüsselringe ernannt worden: Der Leiter der Finanzverwaltung kann nach der systemüblichen Anwenderschulung, die rund 15 Stunden umfasst, die Schließberechtigungen eigenständig organisieren und programmieren. Die Mieter und Mitarbeiter, so berichtet Wolfgang Juhnke, Geschäftsführer des Systemdienstleisters Security Data, haben das System schnell verstanden und dessen Akzeptanz im Alltagsbetrieb – auf lange Sicht das wichtigste Kriterium – ist bei allen Beteiligten hoch.


Jörg Zinßer ist Tischlergeselle und Journalist. Er arbeitet als freier Autor für dds und hat für diesen Beitrag versucht, die Tür zu den Mysterien der digitalen Schließtechnik einen Spalt breit zu öffnen.


Steckbrief

Bauherr: Gemeinde Aichwald
www.aichwald.de

Planung und Ausführung der Schließanlage:
Security Data GmbH, Weinstadt,
www.security-data.de

Hersteller: Assa Abloy
Sicherheitstechnik GmbH, Albstadt
www.assaabloy.de


Nicolas Fink, Bürgermeister der Gemeinde Aichwald

»Wir benötigten ein einfaches System für viele Nutzer mit unterschiedlichen Berechtigungen.«

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