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Wo bleibt der Mut?

Gestaltung
Wo bleibt der Mut?

Die Wiederentdeckung der Tradition – und sonst? Jonathan Radetz ist in Mailand auf der EuroCucina in die Welt der italienischen Küchenhersteller eingetaucht.

Pizza und Pasta gehören zu den liebsten Gerichten der Deutschen. Aber haben Italiener nicht nur gute Ideen beim Kochen, sondern auch bei Küchen? Auf der EuroCucina kann man eine Antwort auf diese Frage finden. Die alle zwei Jahre stattfindende Messe zeigt Küchen aller Art. Rund 130 internationale Aussteller wollen mit ihren Ideen und Präsentationen überzeugen und zeigen diese im Rahmen der Mailänder Möbelmesse in vier Hallen. Menschenüberfüllte Stände bekunden das Interesse der Besucher, die sich von den Küchen und Köchen begeistern lassen. Der Bereich FTK – »Technology for the Kitchen« bringt einen auf den neuesten Stand der Küchen- und Zubehörtechnik. Große Küchen, teilweise wie riesige Monolithe, werden im gewohnten grifflosen Zustand vorgeführt. Oftmals fragt man sich, wer eigentlich den Raum für soviel Küche hat. Viele der Funktionen lassen sich erst hinter den Fronten entdecken, da sie dort versteckt sind. Zu sehen gibt es aber auch traditionelle Entwürfe, bei denen vereinzelt sogar wieder Griffe zum Einsatz kommen dürfen.

Küchen sind wieder zum sozialen Treffpunkt geworden, nicht nur als Ort, in dem das Essen zu bereitet und gegessen wird. Eine Küche bedeutet Raum, Emotionen und Wärme. Das zeigt sich am Interesse an natürlichen Materialien und darauf abgestimmten Designkonzepten. Die Küche als zentraler Raum, – oft gemütlich und funktional, andererseits aber auch handwerklich top und visionär.
Vielleicht kann man auch bei den Küchen über eine Rückbesinnung auf alte Werte und Gestaltungsansätze sprechen. So wurde die Küche »Banco«, ein Entwurf von Luca Meda aus dem Jahre 1994, überarbeitet und mit neuen Funktionen auf dem Messestand von Dada vorgestellt. Dieser Trend der Rückbesinnung hat sich bereits auf dem Möbelmarkt beobachten lassen und man kann davon ausgehen, dass er noch so lange anhalten wird, bis sich der Markt regeneriert hat und viele Hersteller wieder deutlich mutiger werden. Natürlich ist so eine Rückbesinnung auch notwendig, da man das heutige Konsumverhalten mit der dadurch einhergehenden Massenproduktion mit immer kürzeren Lebenszyklen hinterfragen kann.
Nach dem Boom der Massenfertigung verläuft die Zukunft des »Made in Italy« nun über die Wiederentdeckung der Traditionen und der überlieferten Techniken. »SineTempore« wurde vom Designer Gabrielle Centazzo auf dieser Grundlage entwickelt. Eine Küche, die durch die Wiederverwendung unterschiedlichster Techniken traditionelle Werte vermittelt: Brandmalerei, Intarsientechnik, Schnitzarbeiten und Mosaike für die Verzierung der Holzoberflächen und Steinbearbeitungstechniken wie das Stocken für die Arbeitsplattenrückwände. Die aus massiver Ulme gefertigten Rahmenelemente werden mit Kamm- oder Zapfenverbindungen zusammengefügt.
Tradition mag vielleicht nicht mutig sein, aber in unserer digitalen Welt verlangt der Kunde gerade heute nach Echtem und Greifbarem. Für den Verbraucher bleibt zu wünschen, dass nicht allzu viele Hersteller in der Rückbesinnung ihren Weg suchen, auf dass der Markt vielfältig bleibt und sich auch in zwei Jahren ein Messebesuch lohnt.

Steckbrief

Alle zwei Jahre findet die EuroCucina im Rahmen der Mailänder Möbelmesse statt, im Wechsel mit der EuroLuce. Im April 2014 waren 130 Küchenbauer und Zulieferer auf 24 800 m² Fläche vertreten.
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