Startseite » Gestaltung » Werkstoffe »

Trockenbau im Feuchtraum

Werkstoffe
Trockenbau im Feuchtraum

Gipsplatten lassen sich in manchen Feuchträumen nicht einsetzen. Zementgebundene Platten können dann eine Alternative sein. Doch nicht jeder Raum mit Wasseranschluss ist gleich ein Feuchtraum.

Zementgebundene Bauplatten gibt es in sehr verschiedenen stofflichen Rezepturen für eine Reihe unterschiedlicher Anwendungen. Aus dem Holzbau bekannt sind etwa die zementgebundenen Spanplatten nach DIN EN 633, auch Holzzement genannt, oder Faserzementplatten als Putzträger oder Fassadenbekleidung. Für besondere Anwendungen wie Brandschutzbekleidungen werden außerdem zementgebundene Silikat- bzw. Vermiculitplatten sowie glasfaserbewehrte Platten angeboten.

Hier soll es jedoch um eine andere Gruppe der zementgebundenen Bauplatten gehen: die speziell für den Innenausbau mit Ständerwänden und abgehängten Decken im Sanitärbereich entwickelten Platten. In ihrer Verarbeitung und Anwendung ähneln sie den klassischen Gipskarton- oder Gipsfaserplatten des Trockenbaus. Die gipsgebundenen Platten sind jedoch nicht für den Außenbereich und im Innern nicht für dauerhaft feuchte Bereiche geeignet, weil Gips in geringem Maße wasserlöslich ist, was mit einer Volumenzunahme und einer Festigkeitsabnahme im feuchten Zustand verbunden ist. Dies gilt auch für die meist grün gekennzeichneten imprägnierten Gipsplatten GKBI, die zwar eine reduzierte Wasseraufnahme haben, aber ebenfalls nicht wasserbeständig sind – auch wenn sie umgangssprachlich als „Feuchtraumplatten“ bezeichnet werden.
Zusätzlich erhöhte Stabilität
In die sich ergebende Lücke im dauerhaft feuchten Anwendungsbereich stoßen zementgebundene Bauplatten wie Hydropanel von Eternit, Aquapanel von Knauf Perlite oder Powerpanel von Fermacell. Neben ihrer Unempfindlichkeit, selbst gegen starke Feuchtebeanspruchungen, sind diese Platten resistent gegen Schimmelbefall und begünstigen als rein mineralische Produkte nicht die Bildung von Schimmelpilzen.
Die gegenüber Gipsplatten höhere Stabilität der zementgebundenen Platten erlaubt in der Regel größere Konsollasten pro Dübel, selbst bei nur einlagiger Beplankung. Hohe Druckfestigkeiten und vor allem Stoßbelastbarkeiten verbessern die mechanische Sicherheit in hochbeanspruchten öffentlichen Bereichen, etwa in den Sanitärräumen oder auch den Fluren von Schulen.
Variable Oberflächennutzung
Die zementgebundenen Platten werden wie Gipsplatten, ohne Vorbohren, an die gängigen Ständerwerke für Trockenbaukonstruktionen geschraubt und in den Fugen, je nach System, geklebt oder gespachtelt. Auch die Variabilität der Oberflächenbehandlung ist ähnlich: Das direkte Verfliesen, ggf. nach Aufbringen einer Verbundabdichtung, ist ebenso möglich wie das Verspachteln der Oberflächen in den Qualitätsstufen Q1 bis Q4 mit abschließendem Wandfinish durch Anstriche, Tapeten oder Malervliese.
Neben den Bekleidungen für Wände und Decken können zementgebundene Platten auch als Trockenestrich für Fußböden in Feuchträumen eingesetzt werden, sodass ein Ausbau der Sanitärräume komplett im Trockenbau möglich ist.
Den Vorteilen des Ausbaus von Feuchträumen mit zementgebundenen Platten stehen in der Regel höhere Materialkosten gegenüber. Dadurch erhebt sich die Frage, wann diese Alternative gewählt werden sollte. Oder um die gleiche Überlegung etwas anders zu formulieren: Was ist eigentlich ein Feucht- raum, in dem statt Gips- zementgebundene Platten einzusetzen sind?
Definition von Feuchtraum
Anhaltspunkte hierfür bietet das Merkblatt Verbundabdichtungen des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im ZDB. Es beschreibt zwar – wie der Name sagt – in erster Linie flüssig zu verarbeitende Verbundabdichtungen unter Fliesen, nimmt aber auch eine Klassifizierung der Feuchträume vor und nennt die jeweils geeigneten Untergründe.
Hier soll nicht auf alle Aspekte des Merkblatts eingegangen werden, sondern nur auf die Entscheidungssituationen bei der Wahl des Beplankungsmaterials für den Innenausbau mit (Ständer-)Wänden in Sanitär- und Feuchträumen, für die vier Fälle zu unterscheiden sind:
  • 1. Nicht zu den Feuchträumen zählen Gäste-WC, Hauswirtschaftsräume und häusliche Küchen, jeweils ohne Bodenablauf. Darum gibt es in diesen Räumen auch keine Einschränkungen für die Verwendung von gips- oder zementgebundenen Platten.
  • 2. Freie Wahl hat man auch auf »Flächen in Räumen, in denen nicht sehr häufig mit Wasser umgegangen wird, wie z. B. in häuslichen Bädern, Badezimmern von Hotels«. Feuchtigkeitsempfindliche Untergründe wie Gips benötigen eine Verbundabdichtung.
  • 3. Gips scheidet als möglicher Untergrund aus »in Räumen, in denen sehr häufig oder lang anhaltend mit Wasser umgegangen wird«. Hierzu sind Um- gänge von Schwimmbecken, öffentliche und private Duschanlagen zu zählen sowie gewerbliche Küchen oder Wäschereien. Zementgebundene Platten können mit einer Verbundabdichtung in diesen Fällen eingesetzt werden.
  • 4. Bei Druckwasserbeanspruchung, z. B. in Schwimmbecken, sind plattenförmige Werkstoffe, ob zement- oder gipsgebunden, generell nicht geeignet.
Die Aufzählung zeigt vor allem zwei Dinge: Nicht jeder Raum, in dem mit Wasser umgegangen wird, ist deshalb gleich ein Feuchtraum. Vor allem im Wohnungsbau bzw. in wohnähnlichen Gebäuden bleiben Gipsplatten ein geeignetes Material.
Breites Anwendungsgebiet
Zementgebundene Platten erweitern die Anwendungsmöglichkeiten des Trockenbaus in Sanitärräumen erheblich, weil sie auch in »echten« Feuchträumen (nach Punkt 3) eingebaut werden können.
Hydropanel ist eine Faserzement-Trockenbauplatte für den Ausbau in Sanitärräumen, in mechanisch hoch beanspruchten Bereichen sowie im Außenbereich für nicht direkt bewitterte Dachuntersichten. Sie ist außerdem als aussteifende Beplankung nach DIN 1052 bauaufsichtlich zugelassen. Die Fugen an den abgeschrägten Plattenkanten werden mit Fugenband verspachtelt.
In der Produktgruppe Aquapanel gibt es verschiedene Plattentypen für Innen-, Außen- und Bodenanwendungen. Aquapanel Cement Board Indoor besteht aus einem Portlandzement-Kern, Zuschlagstoffen und einer beidseitigen Armierung mit Glasgittergewebe. Die Platten sind schon in einlagiger Beplankung als Fliesenträger für Nassräume geeignet. Die Platten werden in Klebefugentechnik verarbeitet.
In der Produktfamilie Powerpanel stehen ebenfalls verschiedene Platten für Innen-, Außen- und Bodenanwendungen zur Verfügung. Die zementgebundenen Leichtbeton-Bauplatten mit Glasfasergewebe-Armierung und Zusatz von Leichtzuschlagstoffen wie Blähton- und Recycling-Glasschaumgranulat werden für Nassräume angeboten.
Ergänzende Produktgruppe
Streng genommen nicht in diese Aufzählung gehört die Platte LaHydro von Lafarge Gips, bei der es sich um eine Gipsplatte handelt. Weil das Produkt vom Anbieter aber ausdrücklich für Räume mit hoher Feuchtigkeitsbeanspruchung wie in öffentlichen Duschen und Bädern, Saunen, Wellnesszonen sowie Großküchen konzipiert und freigegeben wurde, ähnelt es in den Einsatzmöglichkeiten den zementgebundenen Platten. Die Glasvliesummantelung der Platte sowie eine Kern- und Oberflächenimprägnierung gewährleisten nach Herstellerangaben größtmögliche Sicherheit gegen Durchfeuchtung und eine reduzierte Wasseraufnahme. Die Oberflächenhärte ist bis zu 70 % höher als bei Standard-Gipsplatten und die 12,5 mm dicke Platte mit Formaten bis 1250 x 2500 mm dadurch besonders schlag- und stoßfest. Die abgeflachten Kanten werden mit einem Glasfaserbewehrungsstreifen verspachtelt.
Markus Hoeft, Fredersdorf
Freier Baufachjournalist
Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 4
Aktuelle Ausgabe
04/2021
EINZELHEFT
ABO
Anzeige
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »