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Mineralwerkstoffe gegossen, nicht geformt

Neues Giessverfahren für Mineralwerkstoffe von Hasenkopf
Mineralwerkstoffe gegossen, nicht geformt

Acrylbasierte Mineralwerkstoffe wurden bisher thermisch verformt, um 3D-Teile herzustellen. Hasenkopf hat jetzt ein Gießverfahren entwickelt, das die Serienproduktion vereinfacht.

Als in den 90er-Jahren das Corian-Patent auslief, war der amerikanische Chemiekonzern DuPont nicht mehr alleiniger Hersteller acrylgebundener Mineralwerkstoffe. Damit war der Weg frei für Weiterentwicklungen. Andere Hersteller versuchten sich daran, die Produkteigenschaften des Werkstoffs nachzubauen. Bisher waren sie wegen des Patents gezwungen gewesen, auf andere Rezepturen auszuweichen als die bei DuPont üblichen zwei Teile Aluminiumhydroxid auf einen Teil Acryl. Beispielsweise hatten sie das thermoplastische Acryl durch das duroplastische Polyester ersetzt: Werkstoffe auf Polyesterbasis kann man kalt gießen, was Vorteile bei der Serienproduktion von Formteilen mit sich bringt. Die Gießtechnik mit acrylgebundenen Werkstoffen erfordert hingegen deutlich aufwendigere, z. T. explosionsgeschützte Anlagen und ist schwerer zu beherrschen, sowohl was den Formenbau betrifft als auch die chemischen Reaktionen.

Das Beste aus zwei Mineralwerstoff Welten

Lange galt deshalb: Entweder gießen mit Polyester oder Thermoformen mit Acryl, je nachdem, welcher Kunststoff zum Binden der gemahlenen Mineralstoffe verwendet wurde. Der bayerische Mineralstoffspezialist Hasenkopf hat diesen Gegensatz jetzt überbrückt. Seit Jahren forscht und experimentiert man dort an einem acrylgebundenen Mineralwerkstoff, mit dem man 3D-Teile nicht durch Verformen einer Platte erzeugt oder durch Zerspanen eines Blocks, sondern durch Gießen flüssiger Masse. Jetzt ist der Durchbruch zum marktreifen Produkt gelungen – ab Herbst 2017 bietet Hasenkopf Miraklon an, einen acrylgebundenen Mineralwerkstoff, der in eine Matrix gegossen wird und nach dem Aushärten bearbeitet werden kann. Als Mineralkomponente ist in dem Werkstoff natürliches, gemahlenes Gesteinsmehl enthalten: Dadurch wird das Material massiv, robust und echtem Stein ähnlich – ein Vorteil bei Waschbecken, Badewannen und Duschen. Und gerade bei diesen Elementen spielt die Neuentwicklung ihren Hauptvorteil aus: In der Serienproduktion ist das Gießverfahren schneller als das Thermoformen, bei dem der Rohstoff für jedes einzelne Becken zuerst erwärmt, dann vakuumgezogen und schließlich in mehreren Arbeitsschritten in die endgültige Form gebracht werden muss. Die gegossenen Miraklon-Becken sind deutlich effizienter herzustellen, dennoch sind durch die gleiche Chemie von Platte und Formteil die Verklebungen unter Arbeits- und Waschtischplatten genauso einfach zu bewerkstelligen wie man es von Corian & Co. gewohnt ist.

Kompatibel mit dem Standard

Durch das farblose Bindemittel Acryl ist es auch möglich, exakt die Farben der bewährten Mineralwerkstoffe zu reproduzieren, insbesondere die gängigen Farbtöne der führenden Plattenhersteller. Miraklon ist in den Weißtönen Edelweiß, Modern White und Classic White erhältlich: Miraklon Edelweiß passt zu Corian Glacier White, Miraklon Modern White passt zu Corian Designer White und Miraklon Classic White zu Hi-Macs Alpine White.

Die Wortschöpfung Miraklon ist eine Kombination aus den Begriffen Mirakel – Wunder – und Klonen. Das Wunder besteht für Hasenkopf in der gestalterischen Vielfalt, die das Gießen für die Produktentwicklung und die Raumgestaltung mit den Produkten eröffnet. Und geklont werden die Formen im großen Maßstab, bei gleichbleibender Qualität, was die Absatzmöglichkeiten der Produkte erweitert. Hasenkopf produziert und verarbeitet den neuen Werkstoff ausschließlich im eigenen Haus. Die porenlose, haptisch angenehme und hygienische Oberfläche teilt Miraklon mit den bisher üblichen Mineralwerkstoffen, ebenso die unkomplizierte Verarbeitung. Fugenlose Anschlüsse zwischen allen Bauteilen sind weiterhin selbstverständlich. Die individuelle Raumgestaltung ab Stückzahl eins ist ebenso möglich wie der Serieneinsatz im Objekt. Auch die von den bekannten Mineralwerkstoffen gewohnte Langlebigkeit bleibt erhalten, genauso wie die Nachhaltigkeit: Miraklon ist recycelbar und leistet damit einen Beitrag zum Umweltschutz. Seine robusten mechanischen Eigenschaften und die hochwertige Oberflächenqualität machen das Produkt zu einem Premiumwerkstoff, der sich einfügt in die marktüblichen, professionellen Mineralwerkstoff-Standards. –HN


Steckbrief

Die Hasenkopf-Industrie-Manufaktur fertigt mit 220 Mitarbeitern
als Partner europaweit Systemlösungen für Handwerk und Industrie.
Seit 25 Jahren ist Hasenkopf einer der Vorreiter in der Verarbeitung
von Mineralwerkstoffen.

www.hasenkopf.de


Markus GrögerGeschäftsführer Hasenkopf

»Durch das Gießen wird die Entwurfsfreiheit nochmals erweitert – in Serie, aber auch im Projekt.«

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