Kleben, Verformen und mehr

David Wolf ist Produktmanager Hi-Macs beim Holzgroßhandel Becher. Im Rahmen der Becher Akademie schult er Tischler und Schreiner, die ins Thema Mineralwerkstoffe einsteigen wollen. Für dds fasst er die häufigsten Fragen und Antworten von Schulungsteilnehmern zusammen.

David Wolf, Becher Akademie, Maintal

Für welche Einsatzbereiche eignen sich Mineralwerkstoffe?

Aufgrund der Porenlosigkeit und Säurebeständigkeit ist Mineralwerkstoff besonders geeignet für den Gesundheitsbereich wie Krankenhäuser, Arztpraxen und Labore. Ebenso ist der Werkstoff im Einsatz für den Wohnbereich wie Küche und Bad sehr beliebt, da die Oberflächen zu 100 % hygienisch sind und homogen. Auch Designprojekte mit ausgefallensten Formen und Gestaltungsansprüchen auf höchstem Niveau lassen sich mit Mineralwerkstoff hervorragend umsetzen.

Was unterscheidet acryl- von polyesterbasierendem Mineralwerkstoff?

Acrylbasierender Mineralwerkstoff ist UV-beständig und lässt sich durch die Materialzusammensetzung zudem thermisch verformen.

Wie ist das mit den Brandschutzeigenschaften?

Mineralwerkstoff erfüllt die Brandschutzklasse B1 und europäische Normen. Es gibt Mineralwerkstoffe, die IMO-Zertifiziert sind. Durch entsprechende Unterkonstruktionen kann man den Brandschutz ganzheitlich optimieren.

Welche Werkzeuge werden für die Verarbeitung benötigt?

Schreinerübliche Maschinen wie Formatkreissäge, Oberfräse, Schleifmaschinen als Basismaschinen; Plattenheizung, Vakuumpresse und CNC zur erweiterten Bearbeitung.

Was ist beim Verkleben von Mineralwerkstoff zu beachten?

Vor der Verklebung müssen die Klebeflächen gründlich gereinigt werden, um beim Endprodukt eine fugenlose Optik zu erzielen. Hierfür eignet sich besonders gut hochprozentiger Alkohol, der auf Einwegpapiertüchern aufgetragen wird.

Wegen der verwendeten Glimmerbestandteile entsteht während des Herstellungsverfahrens ein natürlicher Fluss der Pigmente. Diese Pigmente fallen in eine bestimmte Richtung. Wenn also zwei Platten miteinander verklebt werden, ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Stücke nicht in entgegengesetzter Richtung verklebt werden (zweite Platte nie um 180° drehen). Damit vermeidet man optische Unterschiede, die sich erst nach dem Schleifen zeigen.

Mineralwerkstoffkleber ist nur für die Verklebung von Mineralwerkstoffteilen geeignet, nicht für die Verklebung mit anderen Materialen wie z. B. Holzwerkstoffen. Die Verklebung mit Holzwerkstoffen ist immer mit einem dauerelastischen Kleber durchzuführen, wobei darauf zu achten ist, dass dem Klebstoff eine Ausdehnungsmöglichkeit von ca. 0,5 – 0,8 mm gegeben wird.

Worauf kommt es bei der Verformung von Mineralwerkstoff an?

Bei der thermischen Verformung spielt die richtige Temperatur die entscheidende Rolle. Erst bei 150 bis 175 °C wird das Material flexibel und lässt sich verformen. Hilfreich sind hierfür Vakuumpressen mit integrierter Heizstation oder Plattenheizungen, die das notwendige gleichmäßige Erhitzen gewährleisten. Bei einer Plattenstärke von 12 mm sind Radien von bis zu 50 mm möglich. Es gibt Sonderprodukte wie »Hi-Macs Ultra«-Thermoforming-platten, die die Grenzen erweitern und Innenradien von bis zu 6 mm zulassen.

Was ist beim Schleifen von Mineralwerkstoff zu beachten?

Mineralwerkstoffplatten werden ohne Oberflächen-Finish geliefert. Jede Platte muss geschliffen werden. Der Vorteil: Das Finish kann der Verarbeiter selbst bestimmen, von einer seidenmatten bis hin zu einer hochglänzenden Oberfläche. Für das Schleifen sollte man geeignete Maschinen verwenden – mit einem Exzenterschleifer ist man hier richtig bedient. Die vom Hersteller empfohlenen Schleifstufen sollten beachtet werden. Die sorgfältige Reinigung nach jedem Körnungswechsel ist wichtig, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen. D. h. der Schleifstaub muss mit Hilfe einer Staubscheibe nach jedem Schleifvorgang von der Platte entfernt werden. Bei manchen Mineralwerkstoffherstellern führt das Schleifen von dunklen Dekoren zu farbigem Schleifstaub. Dies hat zur Folge, dass die Schleifmaschine nicht mehr bei hellen Dekoren eingesetzt werden kann. Der dunkle Schleifstaub würde sich sichtbar in dem hellen Material festsetzen.

Gibt es Einschränkungen bei der Dekorauswahl?

Grundsätzlich gilt: je heller der Farbton, desto unempfindlicher. Bei stark pigmentierten Farben ist darauf zu achten, dass sie speziell bei stark beanspruchten Flächen, wie z. B. einer Küchenarbeitsplatte, weniger geeignet sind. Hier gibt es vom Hersteller besonders gekennzeichnete Farben. Durch die tägliche Nutzung der Oberfläche wird die natürliche Gebrauchsspuren-Patina bei dunklen Dekoren schneller sichtbar. Diese Veränderung beeinträchtigt das Material jedoch in keiner Weise in seiner Funktionalität und Qualität. Durch einfaches Nachschleifen lässt sich jede Oberfläche wieder in den Originalzustand zurückversetzen.

Wo liegen die Grenzen von Mineralwerkstoff in seiner Funktionalität?

Die thermische Verformbarkeit des Materials bringt gleichzeitig einen Nachteil mit sich. Bei Temperatureinwirkungen über 175 °C reagiert das Material empfindlich. Daher ist das Abstellen von z.B. heißen Töpfen auf Mineralwerkstoff-Küchenarbeitsplatten nicht zu empfehlen.

Ist Mineralwerkstoff für die Außenanwendung geeignet?

Die in den Mineralwerkstoffplatten enthaltenen Bestandteile wie Acryl- und Naturfarbpigmente sind sehr beständig gegen UV- und Xenon-Licht. Manche Farben schneiden in dieser Hinsicht aber besser ab als andere. Ein Test der Wetterfestigkeit ergab nach 1000 Stunden keine sichtbaren Veränderungen (ASTM D 1499). Bei langfristiger Anwendung wird dieses Material wie jedes andere auch durch Witterungseinflüsse etc. strapaziert, was Auswirkungen auf die Oberfläche hat oder die Farben etwas blasser werden lässt. Solche Veränderungen können durch regelmäßige Pflege- und Instandhaltung beseitigt werden. Die Instandhaltung muss aber von Spezialisten mit entsprechender Ausrüstung durchgeführt werden. Für den Einsatz im Außenbereich sind besondere Techniken, Konstruktionen und Hängesysteme erforderlich, wobei Lüftung, Dämmung, Windfaktor, Zug, Druck usw. zu berücksichtigen sind. Immer daran denken, dass sich das Material dehnen und zusammenziehen können muss.


Erik Bechtold, Entwicklung und Organisation, stellv. Geschäftsleiter Maintal und David Wolf, Architektur und Anwendung, leiten die Becher Akademie (v. l.)
Erik Bechtold, Entwicklung und Organisation, stellv. Geschäftsleiter Maintal und David Wolf, Architektur und Anwendung, leiten die Becher Akademie (v. l.)

Die Becher Akademie startet durch – dds ist Medienpartner

Die Becher GmbH & Co. KG ist ein Holzgroßhandel mit Sitz in Wiesbaden und zwölf Standorten in Hessen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen. Die Becher Unternehmensgruppe bietet ein breites Sortiment an Plattenwerkstoffen, Bodenbelägen, Türen, Beschlägen, Bauelementen und Terrassendielen an. Innovative Materialien sowie Produkte für höchste Ansprüche gehören zur Produktkompetenz. Becher versteht sich zudem als Partner und Dienstleister und setzt mit der Becher Akademie neue Maßstäbe im Holzhandel. So bietet das Familienunternehmen seinen Kunden nicht nur die passenden Werkstoffe, sondern auch Schulungen zu ihrer Verarbeitung an.

Die Becher Akademie will inspirieren, motivieren und auf neue Ideen bringen. Ihr Schulungs- und Informationsangebot richtet sich gleichermaßen an alle Handwerker wie an Architekten und Projektleiter. Es dient der persönlichen Weiterentwicklung und dem Aufbau eines Netzwerkes, das Synergien schaffen kann, von denen die Teilnehmer langfristig profitieren. Neben Basis- und Aufbauschulungen zum Mineralwerkstoff Hi-Macs (vgl. Kasten S. 63) finden am 20. März und 14. Mai 2019 Verarbeiterschulungen unter dem Titel »Der Schreiner im Bad« statt. Seit diesem Jahr ist das Angebot der Becher Akademie auf weitere Themen erweitert: Neu sind Infoveranstaltungen zum Thema »Nachhaltigkeit im Innenausbau« (30. Januar, 17. Mai 2019) und »Wood ist digital – Was wäre möglich, wenn …?« ( 23. Mai, 26. Juni 2019). Auch individuelle Themenfelder können angefragt werden. Infos und Termine: www.becher-holz.de/akademie

Tipp: dds ist Medienpartner der Veranstaltungen –
Abonnenten erhalten besondere Konditionen!


Termine

Schulungen an der Becher Akademie

Basisschulung »LG Hi-Macs«: 5. Februar, 6. März, 2. April, 6. Juni 2019

Aufbauschulung »LG Hi-Macs Thermoforming«: 11. April, 13. Juni 2019

dds-Abonennten erhalten einen Rabatt von 20 %! Bitte bei der Anmeldung angeben.

www.becher-holz.de