Erfolgreich sein mit dem Fokus auf Furnier und edlem Holz

Furnier, gut für gute Geschäfte

Immer weniger Tischler und Schreiner sehen sich in der Lage, in bester Perfektion Furnier wirtschaftlich zu verarbeiten. Reinhold Röhr, Schreiner, Idealist und Edelholzverarbeiter lebt davon, diese Lücke zu füllen. Teil 2 des Interviews mit dem Europlac-Chef.

Das Gespräch führte dds-Redakteur Hubert Neumann

In der dds-Märzausgabe sprachen wir mit Europlac-Geschäftsführer Reinhold Röhr über den enormen Absatz an Furnieren im Verbund mit maßgeschneiderten Holzwerkstoffplatten – und wie dabei die perfekte Präsentation in unterschiedlichen Showrooms in seiner Zentrale in Tettnang hilfreich ist. Im zweiten Teil des Interviews liegt der Fokus stärker auf dem Kernprodukt Edelholz, der Europlac-Bezeichnung für Furnier. Das Unternehmen beschäftigt am Stammsitz Tettnang und im Werk in der Slowakei rund 230 Mitarbeiter. www.europlac.com

Herr Röhr, weshalb ist Furnier inzwischen wieder stärker im Markt?

Der große Fehler der Furnierbranche war, zu meinen, dass jeder das Produkt kennt. Die Nachbildungen in Kunststoff wurden immer besser, sodass man oftmals Fachmann sein muss, um das Echte vom Plagiierten unterscheiden zu können. Wir haben versäumt, die Planer und Architekten mit dem Unverwechselbaren des Werkstoffs Holz immer wieder neu zu infizieren. Dass Menschen in unsicheren Zeiten Halt im Echten finden, kommt uns entgegen. Was das Vermarkten über die Verbandsarbeit betrifft, können Deutsche (IFN, www.furnier.de) und Österreicher (www.edelfurnier.at) voneinander lernen. Die IFN stellt die Kompetenz in der europäischen Furnierwelt in den Vordergrund, setzt auf Social Media. Die Initiative Edelfurnier arbeitet mit dem Handwerk und macht Furnier als Produkt zum Thema. Beide Wege zu vereinen, ist Ziel.

Als Holzwerkstoffhersteller zeigen Sie viel Engagement beim Furnier …

Der Furnier ist die Basis unseres Werkstoffs! Ob als Mittellage oder vor allem als Decklage. Über 130 Holzarten haben wir als Standardprogramm im Systembaukasten und können kurzfristig in Losgröße 1 als Holzwerkstoffplatte beim Händler sein. Unsere Zielmarke sind 72 Stunden Herstell- und Lieferzeit in zwei Jahren.

Was treibt Sie da an?

Es ist das Wahrnehmen der aktiv aufgestellten Firmen dieser Welt. Wäre ich Holzhändler, würde mir angst und bange beim Blick auf Amazon und Co. – wenn die sich der Belieferung von Handwerkern mit Werkstoffen annehmen. Dabei hilft der Blick auf die Erfolgreichen ungemein, um die eigenen Fertigungs- und Logistikketten zu hinterfragen und permanent zu verbessern. Es geht nicht nur darum, etwas flotter zu sein, sondern darum, ein Produkt zum ökologisch sauberen und ökonomischen Preis bereitzustellen.

Und konkret bedeutet das?

Fertige ich Platten mit einer Länge von 2,80 m ist es Wahnsinn, etwa auf Furniere in Längen von 3 oder 3,20 m zugreifen zu müssen – welch gängige Verschwendung. Überschlagen Sie den Verschnitt bei über 100 000 m² Furnier, die wir jede Woche verarbeiten. Deshalb haben wir eigene Furnierstammeinkäufer, unsere Mitarbeiter stehen beim Messern an der Maschine und geben vor, wie unsere Furniere gemessert werden. Sehr hilfreich ist dabei, von Anfang an im Kundensinn vorzudenken. Wenn ein Küchenhersteller Fronten in Asteiche in definierter Astfolge, Farbton und Format erwartet berücksichtigen wir das schon beim Einschneiden und Messern. Ein 16-m-Stamm muss nicht in vier mal vier Meter aufgeteilt sein.

Sie richten Ihren Lagerbestand auf mögliches Kundenverhalten aus?

Das gelingt uns zunehmend. Da wir dabei an die Grenzen der menschlichen Fähigkeiten gelangen, geht der Blick weiter. Das menschliche Auge kann sich keine Farbnuancen merken. Das ist aber elementar beim Furnierkommissionieren. Deshalb arbeiten wir an selbst lernenden Computern mit der Hochschule Linz zusammen. Lassen wir Furniere einschneiden oder kaufen Furniere zu, soll die Software schon automatisch zuordnen, für welchen Kundenauftrag in welchem Format und Stärke welcher Furnier vorgehalten werden sollte. Und wo genau das richtige Furnierblatt lagert. Da dürfen wir ruhig schon mehr wissen als das Auftragsbuch des Kunden und ihm entsprechend die aktuell geeignetste Ware anbieten.

Big Data lässt grüßen?

So kann man es auch betrachten. Aber andersherum, wie töricht ist es, das Edelste aus dem Wald, das Furnierholz, ohne Verstand in den falschen Formaten aufbereitet vorzuhalten.


„Töricht wäre es, das Edelste, das der Wald uns bietet, das Furnierholz, verschwenderisch zu vergeuden!«

Reinhold Röhr, Geschäftsführer Europlac