Materialkunde: Plexiglas

Die große Vielfalt

»Plexiglas« ist die bekannteste Acrylglas-Marke. Tischlermeister Stefan Böning hat sich einen Überblick über den interessanten Werkstoff verschafft und stellt die vielen unterschiedlichen Varianten vor, die im Möbel-, Innenausbau- und Baubereich zum Einsatz kommen.


Hier finden Sie die Übersicht: Plexiglas für Anwendungen im Möbel- und Innenausbau zum Download

Was haben das Dach vom Münchener Olympiastadion, die Einrichtung vom aktuellen Sportstudio und die meisten Meeresaquarien gemeinsam? Hier kommt Polymethylmethacrylat, kurz PMMA zum Einsatz. PMMA ist die Abkürzung für einen transparenten, hochreinen, glasähnlichen thermoplastischen Kunststoff, der oft auch als Acrylglas bezeichnet wird. Die wahrscheinlich bekannteste Acrylglas-Marke ist »Plexiglas«. Dabei handelt es sich um den geschützten Markennamen des Anbieters Evonik Industries. Evonik geht zurück auf die Wurzeln des Erfinders von PMMA, Otto Röhm und seinem Forschungsteam. Das Unternehmen unterstützte bei der Recherche zu diesem Artikel. Daher steht in diesem Artikel der Markenname Plexiglas im Vordergrund. Weitere Hersteller, deren eigene Produktbezeichnungen und herstellerbezogenen Eigennamen, die Bezeichnungen für Klebstoffe und Zubehör würden schlichtweg den Rahmen dieses Beitrages sprengen und gegebenenfalls für Verwirrung sorgen. Kürzlich wurde kommuniziert, dass sich der Evonik-Konzern von seiner Plexiglassparte getrennt hat. Hier laufen derzeit die Verhandlungen mit dem neuen Inhaber. Für alle Anwender bleibt erst einmal alles wie gewohnt. Gleichermaßen für Bau- und Möbelschreiner interessant, lassen sich mit Plexiglas unterschiedlichste Anwendungen realisieren. Es lässt sich mit den meisten Schreinermaschinen einfach bearbeiten. Ganz egal ob das Lichtband der Werkstatt, die Dachfläche einer Terrasse, die Verkleidung von Maschinenteilen oder die leichte und bruchsichere Überkopfverglasung einer Raumdecke: unterschiedlicher könnten die Anwendungen von Plexiglas kaum sein. Die Vorteile des Materials liegen in der leichten Verarbeitung, dem geringen Gewicht, der hohen Oberflächenhärte, der hohen Bruchfestigkeit und der großen Vielfalt an Möglichkeiten. Für viele Produkte aus Plexiglas können neben hoch spiegelnden, glatten Oberflächen auch satinierte, strukturierte und mit unterschiedlichen Texturen versehende Varianten geordert werden.

So vielfältig, wie wir in unsere Werkstätten Materialien einsetzten, so vielfältig sind die auch Einsatzgebiete von Plexiglas. Nicht jede Farbe, Textur oder Haptik passt zu jedem Auftrag. So entwickelte man Plexiglassorten, die für eine oder mehrere ganz bestimmte Anwendungen geeignet und optimiert sind. Zwölf verschiedene Arten Plexiglas werden derzeit angeboten. Hinzu kommt mit »Parapan« von Evonik ein durchgefärbtes, gegossenes Spezialacrylglas, das sich insbesondere z. B. für Möbelfronten eignet.

In unserer Tabelle haben wir Plexiglas der besseren Übersicht halber grob unterteilt in Platten, die eher für den Möbel- und Innenausbau geeignet sind und solche, die eher für den Baubereich in Frage kommen. Nicht aufgeführt ist »Plexiglas Soundstop«, ein Material für Lärmschutzwände an Autobahnen. Grundsätzlich muss, ganz ähnlich wie bei anderen in der Tischlerei verwendeten Materialien, genau geschaut werden, welche Ansprüche umgesetzt werden sollen. Denn genauso wie Holz nicht gleich Holz ist, ist Plexiglas nicht gleich Plexiglas.

Sie suchen das passenden Werkzeug für die Bearbeitung, den passenden Klebstoff und wollen mehr über die Verarbeitungstechnologien von Plexiglas wissen? Dann verpassen Sie nicht den nächsten Teil dieses Beitrages zum Thema Plexiglas im dds.


Tischlermeister Stefan Böning berichtet für dds immer wieder über Themen, die ihm in seinem Arbeitsalltag begegnen. Teil 2 seines Plexiglas-Beitrags erscheint in der kommenden Ausgabe dds 8/2019.