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Vision Bauhaus

Gestaltung
Vision Bauhaus

Zum 90-jährigen Bauhaus-Jubiläum fand in Berlin eine gemeinsame Ausstellung der drei historischen Bauhaus-Stätten von Berlin, Dessau und Weimar statt. Katja Henschel war für uns vor Ort.

Ein Samstagnachmittag in Berlin, traumhafter Altweibersommer. Der Martin-Gropius-Bau liegt im Herzen der Stadt und wirkt bei diesem Licht geradezu majestätisch. Ich betrete das imposante Gebäude: Gelb, Blau, Rot – als erstes fallen mir die Farben auf. Sie sind auf meiner Eintrittskarte und in der Empfangshalle der Eyecatcher. So assoziiert man auf einer zweiten Ebene, dass es um das Thema Bauhaus geht. Die Ausstellung zum 90. Jahrestages der Bauhaus-Gründung soll angeblich die umfangreichste sein, die je zu diesem Thema gezeigt wurde. In veränderter Form wird sie anschließend am Museum of Modern Art in New York zu sehen sein. Ich erwarte also Großes! Im ersten von 18 Ausstellungsräumen absolviere ich anfangs noch etwas orientierungslos eine Einführung in die Anfänge des Bauhauses, soziale und wirtschaftliche Hintergründe der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Mein Blick fällt auf eine etwa zwei mal zwei Meter große Leinwand. In Abstufungen der Farbe Rot stehen hier verschieden große Sätze in weißen Buchstaben. Beim Lesen merke ich, dass es sich um einen Leitfaden durch den Raum handelt, in dem ich mich befinde. Einige Satzfetzen bleiben hängen und begleiten mich: Krise des Handwerks … neue Werkstattmodelle … Verbindung von Handwerk und Kunst …

Eine Traube von Menschen schaut wie gebannt auf einen Fernseher: Walter Gropius ist in einem Interview zu sehen. Ich möchte weitergehen. Doch genau hier beginnt für mich die Ausstellung. Die Worte, die ich hier höre, begeistern mich: Walter Gropius will eine moderne, der Zeit entsprechende Gestaltung der Gesellschaft schaffen. Es gehe darum, dass Kunst und Volk eine Einheit bilden. Langsam wird mir klar, wie ganzheitlich und revolutionär die Idee des Bauhauses ist und in welcher Vielfalt sie in dieser Ausstellung präsentiert wird.
Geblieben sind offensichtlich nicht nur Architektur, Möbel und bildnerische Kunst, sondern Zeugnisse dessen, was überhaupt im Alltag gestaltbar ist. Ich sehe Stoffe, Teppiche, Kleider, Schriften, Grafiken und Fotografien, Gebrauchsgegenstände wie Geschirr und Spielzeug, Konzepte zu Theaterstücken und Musik, Plakate … und natürlich auch Klassiker wie den Barcelona Sessel.
Die großen Leinwände begegnen mir in jedem Raum wieder, jeweils in einer Farbabstufung aus dem zwölfteiligen Farbkreis von Johannes Itten, der am Bauhaus unterichtet hat. In einem Zitat von Ludwig Mies van der Rohe lese ich »Wir streben nichts Geringeres als eine Art Gesamtkunstwerk an.« Es ist die Idee des ganzheitlichen Gestaltens, die mich noch lange nach der Ausstellung beflügelt. Katja Henschel

Rückblick: Ausstellung Modell Bauhaus
Das Bauhaus, 1919 von Walter
Gropius in Weimar gegründet, feiert sein 90-jähriges Jubiläum. Berlin widmete der bedeutendsten europäischen Schule für Gestaltung und Architektur die Ausstellung »Modell Bauhaus«, die im Martin Gropius Bau am 4. Oktober 2009 zu Ende geht. Ein empfehlenswerter Katalog erzählt auf 376 Seiten anhand von 68 Schlüsselobjekten die Geschichte des Bauhauses. Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro. ISBN: 978-3-7757-2414-2
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