Sakrale Kunst

Das Architekturbüro Bieling & Bieling hat für die Sakristei von St. Bonifatius in Kassel einen kubusartigen Anbau entworfen. Die Tischlerei Baum & Söhne hat den Innenraum ausgebaut.

Platznot in beengten Ankleiden gibt es nicht nur in Kaufhäusern. Auch die Sakristei der Kasseler St. Bonifatius Kirche war in ihren Ausmaßen als Ankleide- und Vorbereitungsraum viel zu klein geworden. Wenn Geistliche und Messdiener vor den Gottesdiensten ihre Gewänder anlegen, herrschte oft ein heilloses Gedränge und Durcheinander. Um Abhilfe zu schaffen, entschloss man sich zur Erweiterung durch einen Anbau. Federführend dabei war das Kasseler Architekturbüro Bieling & Bieling, das die ortsansässige Tischlerei Baum & Söhne mit der Ausführung sämtlicher Schreinerarbeiten beauftragte.

Das architektonische Konzept basiert auf dem Grundgedanken, einen fünf auf fünf Meter breiten Kubus in ein Raster von viermal 120 cm zu teilen. Dieses Gestaltungsprinzip ist von der indirekt beleuchteten Decke über die Wandverkleidung bis hin zu den Einbaumöbeln konsequent umgesetzt.
Gerade die gestalterisch reduziert wirkenden Lösungen sind technisch oft schwieriger umzusetzen, als vermutet. Die Herausforderung an die Tischler lag darin, sämtliche Einbauten exakt im vorgegebenen Raster zu montieren.
Das hörte sich erst einmal leicht an, doch es war höchst anspruchsvoll, die Lisenen exakt von der Wand- in die Deckenverkleidung münden zu lassen. Anderenfalls hätten sich bereits allerkleinste Ungenauigkeiten im nächsten Anschluss um ein Vielfaches bemerkbar gemacht. So wurde also schon vom Rohbau höchst mögliche Winkligkeit gefordert. Die dennoch nicht ausbleibenden Maßabweichungen glichen die Tischler mit einer Unterkonstruktion aus, die sich von den Wänden über die Decke zieht. Auf diesen Grundkörper wurden die Lisenen montiert, in die die Wandpanelle und die aus 10-mm- Sicherheitsglas bestehenden Decken-elemente gehängt wurden. In diesem Modus arbeiteten sich die Tischler von einer Raumecke zur anderen.
„Die Fertigungstoleranz in der Werkstatt auf Null zu halten ist das eine, bei der Montage einen Kubus komplett einzukleiden, das andere. Hier waren die Erfahrungswerte und das technische Know-how unserer Mitarbeiter gefordert, die allesamt wussten, dass selbst kleine Fehler einfach nicht drin sein dürfen“, resümiert Frank Baum.
Im Interesse der gestalterischen Schlichtheit wurden nur geölte Eiche und Glas als Materialien eingesetzt. Für die Pflege bedeutet die natürliche Oberflächenbehandlung der Eiche zwar einen Mehraufwand, doch die unvergleichliche Haptik entschädigt dafür. Glas als zweites Material findet sich nur in der abgehängten Decke und den Schiebeelementen von Raumplus. Die Tischlerei Mennickheim montierte das vielseitige Schiebetürsystem. Eloxierte Aluminium-Rahmenprofile kombiniert mit dem grünlich wirkenden Glas passen hervorragend zur geölten Eiche, sind leicht zu bedienen und geben dem Raum durch die dezente Spiegelung Tiefe und Weite.
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Tischlereien funktionierte ganz hervorragend. „Da die Laufschienen bündig eingelassen wurden, musste auch der Boden exakt im Wasser und parallel zur Decke ausgerichtet sein. Was die Kollegen von Baum & Söhne montierten, war unsere Arbeitsgrund- lage. Das lief so gut, wie die Türen heute auch“, so Erich Mennickheim über den Kooperationspartner.
Das rundum gelungene Ergebnis der Raumgestaltung überzeugt vor allem durch die Exaktheit des Fugenbildes. Denn es ist gerade diese im doppelten Sinne ausgewogene Linienführung, die der Sakristei Ruhe, Klarheit und eine fast schon meditative Wirkung verleiht. So reduziert sich das Hauptschiff der St. Bonifatius Kirche im Inneren zeigt, so klar wirkt heute die neu gestaltete Sakristei. Masin Idriss

Anbau St. Bonifatius, Kassel
Architekturbüro: Bieling & Bieling 34131 Kassel. Tel.: (0561) 93555-0 Fax: (0561) 93555-55 Tischlerarbeiten: Baum + Söhne 34123 Kassel Tel.: (0561) 53131 Fax: (0561) 572633 Montage Schiebetür: Tischlerei Mennickheim 34246 Vellmar Tel.: (0561) 824088 Fax: (0561) 827216